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hatten Grundwaſſer, deſſen Höhe ſich nach dem Waſſerſtande des Rheines richtete.
Die Uebung beſtand darin, daß das Füſilier Regiment Wied die Citadelle— front neben dem Berliner Thor vertheidigte, während die Füſilier⸗Regimenter Jungkenn und Doſſow ſie angriffen. Die angegriffene, ganz regelmäßig baſtionirte Front hatte einen doppelten gedeckten Weg. Vor ihr waren zwei Parallelen ausgehoben worden, die der Angreifer beſetzte. Es wurde zunächſt die Auiſtellung der Truppen für den gewaltſamen Angriff auf den gedeckten Weg und für deſſen Vertheidigung durchgenommen und ſodann der Sturm auf den gedeckten Weg ausgeführt und abgeſchlagen.
Die Uebung kennzeichnet ſich als ein Feſtungsmanöver, ähnlich wie ſie bei uns bis vor nicht langer Zeit noch ſtattfanden. Es darf angenommen werden, daß derartige Uebungen in allen größeren Feſtungen öfters gemacht wurden, vor Allem in Schweidnitz , Brieg und Glatz, deren damalige Kommandanten Sers, Hautcharmoy und Fouqus ſich beſonders für den Feſtungskrieg intereſſirten.
Vergl. die Karte
Die nachſtehende Beſchreibung einer im Sommer 1752 unter perſönlicher Leitung König Friedrichs ſtattgehabten Uebung im Feſtungekrieg giebt ein getreues Bild der vor dem Siebenjährigen Kriege herrſchenden Anſchauungen für die Durchführung des förmlichen Angriffs. Als Quellen haben verſchiedene, im Kriegs⸗Archiv des Großen Generalſtabs befindliche Berichte gedient. Es find dies insbeſondere die drei folgenden: ein„Journal du sibge d'un cots de Polygon à Potsdam “ mit Plan, niedergeſchrieben im Auftrage des Herzogs Ferdinand von Braunſchweig vom damaligen Premierleutnant v. Miltitz vom I, Bataillon Leib⸗Garde, ein„Journal der Belagerung“, emhalten im Tagebuche des damaligen Secondleutnants v. Scheelen von demſelben Bataillon und endlich ein„Diarium der belagerten Polygone bey Potsdam den 24. Julii 1752“, ohne Angabe des Verfaſſers, enthalten in einer Sammlung von Berichten über Uebungen und Manöver, die in der Zeit von 1744 bis 1755 unter Leitung des Königs ſtattgefunden haben, gleichfalls vom J. Bataillon Leib⸗Garde ſtammend.
Der König hatte durch den Oberſtleutnant v. Balby vom Ingenieur— korps auf dem Exerzirplatze bei Potsdam ein„Polygon “, d. h. eine aus zwei Baſtionen und einem Ravelin beſtehende Feſtungsfront herſtellen laſſen. Zur Ausführung der Arbeit waren täglich 150 Mann vom Füſilier⸗Regiment Prinz Heinrich kommandirt, die dafür„rathenweyſe, wie es bey Veſtungsbau gebräuchlich iſt“, bezahlt wurden.
Die Uebung war angeordnet worden,„um den Offizieren einen klaren Begriff von den verſchiedenen bey der förmlichen Belagerung eines Platzes