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Die Anschauungen Friedrichs des Grossen vom Festungskriege vor Ausbruch des Siebenjährigen Krieges : Zum Friedrichstage ; nach Vorarbeiten der kriegsgeschichtlichen Abtheilung II und Akten des Kriegs-Archivs / bearb. von [Max] v. Duvernoy
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Stand geſetzet werden, an dieſe Oerter zu arbeiten, und in Sicherheit das Schadhafte zu ergäntzen, ſo muß man bey jeder Batterie anordnen, doß ſie nicht anders, als en chapelet, das iſt einen Schuß nach dem audern, ſchießen und zwar ſo langſam, daß das erſte Canon geladen, wann das letzte abgefeuert, dieſe Arth iſt guth, und muß bey allen Arthen von Canons und Mortiers beobachtet ſein,... nur bey denen Brech-Batterien kann dieſes nicht beobachtet werden.

Die Verbindung zur dritten Parallele iſt mit dervollen Sappe (Sappe plaine) herzuſtellen. Wenn fie auf die Hälfte der Entfernung vor­getrieben iſt,Jo verlängert man fie rechts und links in Geſtalt der halben Parallelen welche zur Verſetzung derer Batterien dienen müſſen, die alle­mahl, ſo wie die Tranchée arbeit avanciret, vorgerücket werden müſſen. Die dritte Parallele wird nach ihrer Vollendung mit 6 Bataillonen, darunter 2 Grenadier⸗Bataillone, bei Tage beſetzt, wozu bei Nacht noch 2 Bataillone als Piket treten. Die ſchon bei der erſten Parallele erwähnte Kavallerie­abtheilung von 400 Pferden verbleibt auch bei der zweiten und dritten, in der Regel in zwei Pikets auf die Flanken vertheilt, und wird täglich abgelöſt.

Das Verhalten der Trancheewachen gegenüber von Ausfällen der Be­ſatzung war folgendes: Sobald die vorgeſchobenen Wachen und Patrouillen einen Ausfall meldeten, der ja in der Regel bei Nacht unternommen wurde, ſo ließ der in der Tranchee kommandirende General die Beſatzung aus den Laufgräben treten,ſtellet ſie? Mann hoch en front und nachdem er mit ſelbigen in guter Ordnung 10 Schritt vor der tete der Sappe avanciret, erwartet er daſelbſt den Feind ſtehenden Fußes. Die vorgeſchobenen Ab­theilungen zogen ſich, den Feind beobachtend, ohne zu ſchießen, in aller Stille zurück. Die beiden Kavalleriepikets hatten ſich auf den Flügeln ihrer Infanterie zum Eingreifen bereit zu halten. War man über die Anmarſchrichtung des Feindes im Klaren, ſo ging ihm der General mit der Infanterieliniemit Heinen Schritten entgegen,nachdem er die Battaillons wohl bedeutet, daß nicht eher Feuer zu geben, als bis ſie auf 20 Schritt dem Feind nahe, und wenn dieſes geſchehen, mit aufgepflanztem Bajonet in voller Macht und Geſchwindigteit auf ſie loßgehen und ſo bald als der Feind ſich zurückziehet, welches er nicht unterlaſſen wird, alsdenn verfolgen fie ihn nur mit gantz kleinen Schritten und überlaſſen der Cavallerie, welche unterdeſſen auf bey­den Flügeln wird angekommen ſeyn, daß fie ſelbige einſchließen und ihnen die retraite nach dem bereckten Weeg, wo nicht gäntzlich abſchneiden, jedennoch ſehr beſchwerlich machen. Sobald der Gegner den gedeckten Weg wieder erreichte, mußte die Verfolgung ſofort eingeſtellt werden, um nicht in das wirtſamſte Feuer der Feſtung zu gerathen.

Während der Durchführung des förmlichen Angriffs nun will der König, daß man den Handſtreich nochmals in Erwägung ziehe. Seine impulſie Natur kommt, trotzdem er am Gelingen des Ueberfalls im

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