Die hochfliegenden Pläne des Königs gingen belanntlich nicht in Er— füllung. Die erwartete Franzöſiſche Armee, die an der Donau entlang vor rücken ſollte, erſchien nicht, die Sachſen weigerten die weitere Heerfolge, und Broglie zog ſich, als die Oeſterreicher nur Miene machten, ihn anzugreifen, eiligſt bis unter die Mauern von Prag zurück. Durch dieſe Verhältniſſe nun waren nicht nur die Pläne des Königs durchkreuzt, ſondern auch die Lage ſeiner Armee, von der vorläufig nur ein Bruchtheil an der Thaya ſtand, eine kritiſche geworden, fo daß er am 2. April den Entſchluß faßte, Mähren zu räumen. Das Preußiſche Heer marſchirt nach Böhmen , wo es dann Gelegenheit findet, durch den Sieg von Chotuſitz einen Sonderfrieden und die Abtretung von Schleſien zu erzwingen.
Der dritte Plan Friedrichs des Großen, der die Niederwerfung Oeſterreichs bis zur Wehrloſigkeit ins Auge faßte, fällt in das Frühjahr des Jahres 1744.
Die Oeſterreichiſche Armee hatte, nachdem ihr gefährlichſter Gegner nach dem Frieden von Breslau von der kriegeriſchen Schaubühne zurückgetreten war, im Jahre 1743 eine lange Reihe glänzender Siege erfochten und ſtand im März 1744 mit ihren Hauptkräften in Bayern und Württemberg , die Feſtung Freiburg im Breisgau war von ihr beſetzt, außerdem lag noch ein ſchwächerer Theil der Armee in Quartieren in Böhmen .
Die Franzoſen hatten das rechte Rhein⸗Ufer geräumt und im Elſaß Winterquartiere bezogen.
Die Armee des Kaiſers Karl Albert , noch 15 000 bis 18000 Mann ſtark, lag neutraliſirt in den Fränkiſchen Bisthümern Bamberg und Würzburg .
Die politiſchen Kombinationen des Königs liefen auf ein neues Bündniß zwiſchen Frankreich , dem Kaiſer, Rußland , Schweden und Preußen hinaus. Rußland und Schweden ſollten zwar nicht an dem Kriege thätigen Antheil nehmen, doch hatte der König ihre Allianz nöthig, um ſich nach dieſer Seite den Rücken zu decken. Sachſen würde ſich, ſo rechnet er, ohne Weiteres dem Bunde anſchließen.
Aus dieſer Sachlage erwuchs die erſte Faſſung des Kriegsplanes. Dieſelbe iſt, unter dem Geſichtspunkt der Quellenkritik betrachtet, die intereſſanteſte aller unſerer Urkunden.
Man könnte nämlich gegen die Ausführungen, die ich vorhin an der Hand der Königlichen Briefe verſucht habe, den Einwand geltend machen, daß dieſe politiſchen Aktenſtücke, an Franzöſiſche Staatsmänner und Generale gerichtet, gar nicht die innerſten Gedanken Friedrichs des Großen wiedergäben, denn das vorige Jahrhundert bediente ſich bekanntlich mit Vorliebe des Wortes und der Schrift, um feine Gedanken zu verbergen. Dieſer Zweifel fällt hier weg, denn die Schrift, von welcher ich jetzt ſpreche, iſt eine Staatsſchrift, die der König zum Gebrauch für ſein eigenes Kabinet niedergeſchrieben hat. Dieſelbe zerfällt in zwei Theile, einen politiſchen und einen militäriſchen. In dem