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Die Angriffspläne Friedrichs des Großen in den beiden ersten Schlesischen Kriegen : Vortrag gehalten in der Militärischen Gesellschaft zu Berlin am 24. Januar 1890 / von A. v. Roeßler
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March die Entſcheidungsſchlacht. Dann ſoll nacheinander erſt Olmütz , dann Brünn erobert und nach dem Fall der Feſtungen ein linkes Seitenkorps über Skalitz auf Preßburg abgezweigt werden. Hierüber würde der Winter gekommen ſein, und im zweiten Feldzuge ſoll dann der Krieg mit Nachdruck an die Donau verlegt werden.

Wir haben alſo hier in großen Zügen genau dieſelbe Sachlage wieder, die des Königs Plan vom Frühjahr 1742 zu Grunde lag. Die Elbarmee in Linz vertritt die Stelle Belle-⸗Isles, das Seitenkorps in Skalitz hat die Stelle des Fürſten Leopold von Anhalt-⸗Deſſau übernommen, von dem wir uns entſinnen, daß ihm die Richtung auf Tyrnau angegeben war, der König ſteht mit der Hauptarmee an derſelben Stelle an den Ufern der Thaya , an der Straße Brünn Wien . Der Entwurf ſchließt mit den Worten:

Die Verlegenheit der Oeſterreicher würde ſehr groß werden, und glaube ich, daß ſie in einer ſolchen Lage, in welcher ſie Gefahr laufen, Wien zu verlieren, die Hand reichen würden zu jedem Frieden, den man ihnen vorſchlüge.

So hat denn der König an dem Ende ſeiner Feldherrnlaufbahn noch an den nämlichen Gedanken feſtgehalten wie bei Beginn derſelben und damit ſeiner Armee den Geiſt der Offenſive und Initiative, der ſelbſt der Sonne nicht weicht, als ein heiliges Vermächtniß hinterlaſſen.

Meine Herren! Mein heutiger Vortrag, welcher weniger eine wiſſen­ſchaftliche Abhandlung, als eine Erinnerung an Friedrich den Großen ſein ſollte, hat ſich um zwei Augenblicksbilder gruppirt. Geſtatten Sie mir, daß ich mit einem dritten ſchließe.

Es iſt ja erſt eine kurze Spanne Zeit verfloſſen, als der hundertjährigen Wiederkehr des Todestages Friedrichs in öffentlicher Feier gedacht wurde. Nach einem Gebet im Gotteshauſe waren die Grenadiere der Garde unter den Fenſtern jener Gemächer, in denen Friedrich der Große mit Schmerzen ſeine Feldzugspläne niedergeſchrieben, in Parade aufmarſchirt. Die Trommeln wirbelten, die Truppen präſentirten, und Kaiſer Wilhelm L, der Sieger von Königgrätz und Sedan , ſenkte huldigend den Degen nach jener Stätte, wo ſein großer Ahn, der Sieger von Leuthen und Roßbach, den Heldenſchlaf der ewigen Ruhe ſchlummert, als ein Hinweis an alle kommenden Geſchlechter, daß ſie in dieſem Zeichen immer ſiegen werden.