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Die Angriffspläne Friedrichs des Großen in den beiden ersten Schlesischen Kriegen : Vortrag gehalten in der Militärischen Gesellschaft zu Berlin am 24. Januar 1890 / von A. v. Roeßler
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zurollen und vor mir her nach Böhmen zurückzujagen, im Falle fie aber in der Ordre de bataille marſchirten und lagerten, wollte ich ſie einen Marſch auf dem Wege nach Croſſen gewinnen laſſen und ihnen in den Rücken fallen, womit ſie von ihren Magazinen abgeſchnitten und ſich in ungünſtiger Stellung mit mir zu ſchlagen gezwungen wären; gelang dieſes Projekt, ſo war die Oeſter­reichiſche Armee verloren.

Hier ſpricht es alſo der König mit völliger Klarheit aus, welche Ziele er mit der Wahl der Flankenſtellung bei Walditz verfolgte.

Von den beiden in Erwägung gezogenen Arten des Vorrückens wählten die Oeſterreicher die erſtere. Sie kantonnirten auf ihrem Marſche. Am 23 kam ihre Armee aus dem Gebirge, und noch am Abend deſſelben Tages über» fiel der König die vorderſten feindlichen Quartiere in Katholiſch⸗Hennersdorf mit ſolchem Erfolge, daß Prinz Karl Kehrt machte und ſich eiligſt nach Böhmen zurückzog. Die fünftägige Verfolgung bis Zittau bot das Reſultat einer gewonnenen Schlacht. Die Magazine des Feindes, ſeine Bagage und 5000 Gefangene wurden eine Beute des Siegers. Am 29. detachirte der König den General v. Lehwaldt mit 10 000 Mann nach Bautzen und er­theilt dieſem General ſechs Tage ſpäter, als vom Fürſten Leopold die Nach­richt eingelaufen war, daß die Elbarmee in Sachſen eingerückt ſei und Leipzig beſetzt habe, den Befehl, nach Meißen zu rücken und ſich des dortigen Fluß­überganges zu bemächtigen.

Der ſechstägige Aufenthalt des Korps Lehwaldt in Bautzen war durch die mangelhaften Nachrichten hervorgerufen, welche im Hauptquartier über das Korps Grünne herrſchten. Es konnte ebenſo gut in Leipzig bei der Sächſiſchen Armee, als auch im Marſch auf Berlin fein, Im erſteren Falle ſollte An­halt den Feind, trotz ſeiner Ueberlegenheit, angreifen, im letzteren erſt die Sachſen ſchlagen, dann Grünne folgen und ihn zur Umkehr zwingen. That­ſächlich war das Korps von Sonnenwalde auf die Unglücksbotſchaft von Hennersdorf rechts, alſo über Senftenberg nach Hoyerswerda , marſchirt in der Hoffnung, Prinz Karl würde ſeinen Rückzug auf Bautzen genommen haben. In Hoyerswerda jedoch erhielt Graf Grünne von dem Rückzuge des Prinzen Karl nach Böhmen und der Beſetzung Bautzens durch Preußiſche Truppen Meldung. Er marſchirte daher über Königsbrück nach Dresden mit der Abſicht, von da über Pirna die geſtörte Vereinigung mit dem Prinzen Karl in Böhmen anzuſtreben.

Der König erhielt dieſe Nachricht am 6. Dezember, und zwei Briefe dieſes Tages an Fürſt Leopold enthüllen ſeine weiteren Abſichten. In dem einen, früh 8 Uhr geſchrieben, heißt es:Ich bin zum Höhlen erfreut worden, aus Ew. Liebden Schreiben zu erfehen, daß dieſelben Dero Marſch nach der Elbe zu dirigirt haben, welches juſt daſſelbe iſt, was ich gewünſcht und ge­dacht habe. Ich hoffe auch, daß meine Leuthe unter dem General Lehwaldt juſtement mit Ew. Liebden zugleich bei Meißen eintreffen werden. In dem