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Ich kann damit die militäriſche Betrachtung abbrechen.
Bekanntlich legten in dem am 25. Dezember in der Sächſiſchen Hauptſtadt abgeſchloſſenen Frieden Oeſterreich und Sachſen kriegsmüde die Waffen nieder, und damit fiel auch für Rußland der Anlaß und die Möglichkeit zu einem Eingreifen in den Krieg fort.
Meine Herren! Als mir im vergangenen Jahre die hohe Ehre zu Theil wurde, am 24. Januar über ein ähnliches Thema wie das heutige zu Ihnen zu ſprechen, da konnte ich auf den geiſtigen Zuſammenhang hinweiſen, welcher zwiſchen den erſten Angriffsplänen des jugendlichen Feldherrn und den ſpäteren Arbeiten des großen Monarchen unverkennbar beſteht. Heute läge die Durchführung dieſes Gedankens faſt noch näher, denn die Offenſiventwürfe aus den ſpäteren Jahren find theoretiſch⸗-didaktiſcher Natur, der große ſiebenjährige Vertheidigungskrieg dagegen iſt des Königs praltiſches Meiſterſtück. Aber wenn ich entwickeln wollte, wie hier in den Operationen der Preußiſchen Armee derſelbe Grundgedanke der thätigen Abwehr wiederkehrt, welche entweder durch kurze Offenſivſtöße die in ihre Reichweite gelangten feindlichen Streitkräfte nacheinander zu zertrümmern verſteht, oder die die innere Linie zur Initiative ausnutzt, oder durch geſchickt gewählte Flankenſtellungen dem Gegner die Entſcheidung mit ungünſtigen Rückzugsverhältniſſen aufzwingt— ſo könnte ich nur längſt Bekanntes wiederholen. Sind wir doch ſeit unſerer Studienzeit Alle gewöhnt, dieſe Gedanken als die Fridericianiſchen xar Soi zu bezeichnen.
Die göttliche Vorſehung, welche den Geſchicken der Völker ihre Bahnen anweiſt, hat dem offenſivſten aller Feldherren den Erfolg in ſeinen Angriffskriegen verſagt. Es waren Koalitionskriege, und ſelbſt der Feuergeiſt eines Friedrich vermochte es nicht, die Reibungen zu überwinden, welche aus der Vielſeitigkeit der Intereſſen und der Vielköpfigkeit der betheiligten Hauptquartiere und Kabinette entſprangen. Erſt als Preußen allein in den Kampf trat, kettete ſich der Sieg an ſeine Fahnen. Darin aber liegt eine große Lehre der Geſchichte; ſie hat König Friedrich in die einfachen Worte gekleidet: „Die beſten Alliirten aber, fo wir haben, find unſere eigenen Truppen.“
Und dieſes Bewußtſein der eigenen Kraft, welches der große König in ſeinem Volke geweckt hat, das iſt es, was in ſpäteren Zeiten die Beſten der Nation immer wieder hingeführt hat und hinführen wird zu jenem Heiligthum der Vaterlandsliebe, zu jener ſchlichten Gruft in der Potsdamer Garniſon— kirche, wo die Siegeszeichen von hundert gewonnenen Schlachten die Wacht halten an der Ruheſtätte der Preußiſchen Soldatenkönige, um hier die Weihe zu neuem Kampf und neuem Sieg zu empfangen. Hier redet kein lkünſtleriſches Bildniß aus Erz oder Stein, und doch ſpricht eindrucksvoller als anderswo der Geiſt einer glorreichen Vergangenheit, einer Geſchichte ohne gleichen, die auf jedem ihrer Blätter es verzeichnet hat, wo die Lebensbedingungen des Preußiſchen Staates für alle Zeiten zu ſuchen ſind: in ſeinem König und in der auf ſeinen Ton geſtimmten Armee.
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