Teil eines Werkes 
1 (1912) Sagen
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen

Die Stadtherren von Berlin wollten nicht, daß der Künstler des Glockenspiels dieses noch einmal an andrer Stelle anbringe, und deshalb ließen sie ihm die Augen ausstechen. Er aber erbat sich als letzten Wunsch, noch einmal zu seinem Glockenspiel auf dem Kirchturm geführt zu werden. Die Bitte wurde ihm auch erfüllt, und als er oben war, hat er an einer geheimen Schraube gedreht, und seitdem haben die Löwen keinen Laut mehr von sich gegeben, und auch alle späteren Versuche, sie wieder zum Brüllen zu bewegen, blieben erfolglos.

Paul Kunzendorf (Sagen der Provinz Brandenburg).

5. Die Rippe des Riesen.

Ein Riese lebte in Berlin, der war so groß, daß, als er im Kampf erschlagen worden war, er nicht Platz fand zur Beerdi­gung auf einem einzelnen Kirchhof. Man beschloß daher, ihn zu zerkleinern und die Stücke auf verschiedenen Kirchhöfen der Stadt der Erde zu übergeben. Das geschah denn auch. Als man später einen dieser Kirchhöfe zur Bebauung heranzog, fand man eine Rippe nebst dem Schulterblatt des Riefen, und zum An­denken an ihn wurden diese beiden Körperteile an einem Hause am Molkenmarkt angebracht, das seitdemdie Rippe" genannt wurde. Eine andere Legende sagt auch wohl, es wären die letzten Merkzeichen des Roland von Berlin, der einst an dieser Stelle gestanden haben soll. In Wahrheit aber stammen die Knochen von einem Walfisch. Ähnliche solche Merkzeichen findet man noch in anderen Gegenden der Mark, wo man sie mit gleichen Riesensagen in Verbindung gebracht hat.

Paul Kunzendorf (Sagen der Provinz Brandenburg).

6. Das Haus mit den 99 Schafsköpfen.

Dieses Haus, das am Alexanderplatz zwischen der König- und der Landsberger Straße steht und an einem goldenen Hirsch weithin kenntlich ist, stammt aus der Zeit Friedrichs des Großen.

Der König hat nämlich dieses Haus, wie so manche in Berlin und Potsdam, bauen lassen. Der Mann, dem er es baute, soll aber ein etwas unverschämter Gesell gewesen sein und den König