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16. Der Schweinskopf.
Zwischen dem Johannisstift und dem Putlitzstege, an dessen Stelle man jetzt eine Steinbrücke baut, liegt ein altersgraues Häuschen; das ist der „Schweinskopf". Da soll vor einigen hundert Jahren über der Tür der Kopf eines Wildschweines zu sehen gewesen sein, und der Wirt der kleinen Schenke, in der heut Familien nach altem Brauch Kaffee kochen, einen Mauerstein mit der Jahreszahl 1534 besessen haben. Heute erinnert an jene Zeit nur noch ein Bild des Kurfürsten Joachims I. an der Wand des Gastzimmers und die Sage, die ihre schimmernden Fäden um das alte Gemäuer spinnt.
Joachim war kein so froher Weidmann wie sein Sohn Joachim II.; aber zuweilen trieb's doch den Einsamen, den die Gattin des Glaubens wegen verlassen hatte, hinaus in den märkischen Kiefernwald, und nicht selten geriet er dabei in Gefahr, so bei Liebenwalde, wo er einen Eber jagte, dem Feuer aus dem Maule schoß, ebenso auch hier beim „Schweinskopf". Da soll ein wütender Eber den Kurfürsten niedergerannt haben. Joachim wäre verloren gewesen, hätte nicht ein Köhler, der in der Nähe den Meiler bediente, seinen Hilferuf gehört. Mit der Schürstange eilte der Brave herbei und erschlug den Eber. Zum Dank erbaute ihm der Kurfürst das Haus und erlaubte ihm, einen kleinen Ausschank einzurichten. Der Köhler aber nagelte zur Erinnerung den Kopf des Ebers als Wirtshausschild über der Tür fest, wie die Jäger tun, die an ihrem Hause das Geweih eines Hirsches anbringen. Das geschah genau ein Jahr vor dem Tode des Kurfürsten.
Otto Monke (Berliner Sagen und Erinnerungen).
17. Jungfer Lorenz zu Tangermünde.
In der Stephanskirche zu Tangermünde hängt ein merkwürdiges Holzschnitzwerk, das bis 1831 in der dortigen Nikolaikirche aufbewahrt wurde. Dieses Bildwerk stellt einen Hirschkopf dar, der zwischen seinem mächtigen Geweih eine weibliche, in ein faltenreiches Gewand gehüllte Gestalt trägt. Die Haltung der Arme läßt darauf schließen, daß die fehlenden Hände zum Gebet gefaltet waren. Die weibliche Gestalt des Bildwerks ist