Teil eines Werkes 
1 (1912) Sagen
Entstehung
Seite
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Da begegnete ihm unterwegs der Teufel, dem er sogleich sein Herzeleid klagte. Aber der lachte ihn nur aus, daß er so dumm gewesen, sich von dem Schmied täuschen zu lassen und meinte, er wolle schon bald mit ihm fertig werden. Daraus ging er in die Stadt und bat den Schmied um ein Nachtlager. Nun war's aber schon spät in der Nacht, und der Schmied verweigerte es ihm, sagte wenigstens, er könne die Haustür nicht mehr öffnen; wenn er jedoch zum Schlüsselloch hineinfahren wolle, so möge er nur kommen. Das war nun dem Teufel ein Leichtes, und sogleich huschte er hindurch. Der Schmied war aber klüger als er, hielt innen seinen Kohlensack vor, und wie nun der Teufel darin saß, band er den Sack schnell zu, warf ihn auf den Amboß und ließ nun seine Gesellen wacker drauflos schmieden. Da flehte der Teufel zwar gar jämmerlich und erbärmlich, sie möchten doch auf­hören; aber sie ließen nicht eher nach, als bis ihnen die Arme von dem Hämmern müde waren und der Schmied ihnen befahl aufzuhören. So war des Teufels Keckheit und Vorwitz gestraft, und der Schmied ließ ihn frei; doch mußte er zu demselben Loche wieder hinaus, wo er hereingeschlüpft war. Er wird wohl kein Verlangen nach einem zweiten Besuch beim Schmied getragen haben.

Adalbert Kuhn (Märkische Sägen und Märchen).

22. Ein märkischer Junkerstreich.

Als der Ablaßkrämer Tezel zu Luthers Zeiten in der Gegend von Jüterbog sein Wesen trieb, kam einst ein Ritter zu ihm; es soll ein Edler Hake von Stülpe gewesen sein. Dieser verlangte von Tezel einen Ablaßbrief wegen eines Verbrechens, das er noch ausüben wolle. Der Fall war neu und machte Tezel an­fangs stutzig. Doch weil jener ein gut Stück Geld bot, ging er zuletzt in die Falle und gab ihm für eine hohe Summe den ver­langten Ablaß. Das sollte ihm aber schlecht bekommen; denn als er mit seinen Schätzen Jüterbog verlassen hatte, um sich nach Berlin zu wenden, und in die Sandberge bei Holbeck gekommen war, wo die Pferde kaum den schweren Wagen von der Stelle bringen konnten, sprengten plötzlich Vermummte auf ihn ein. Vergeblich, daß Tezel alle Strafen der Hölle aus die Frevler