Teil eines Werkes 
1 (1912) Sagen
Entstehung
Seite
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S3

mir nicht feil." Der König tat zwar ein Gebot, auch das zweite und dritte; aber der Nachbar blieb bei seiner Rede:Sie ist mir nicht feil. Wie ich darin geboren bin," sagte er,so will ich darin sterben, und wie sie mir von meinem Vater erhalten worden ist, so sollen sie meine Nachkommen von mir erhalten und auf ihr den Segen ihrer Vorfahren ererben." Da nahm der König eine ernsthaftere Sprache an:Wißt Ihr auch, guter Mann,

daß ich gar nicht nötig habe, viele Worte zu machen? Ich lasse Eure Mühle taxieren und breche sie ab. Nehmt alsdann Las Geld, oder nehmt es nicht!" Da lächelte der unerschrockene Mann, der Müller, und erwiderte dem Könige:Gut gesagt, allergnädigster Herr, wenn nur das Kammergericht in Berlin nicht wäre!" Nämlich, daß er es wolle auf einen richterlichen Aus­spruch ankommen lassen. Der König war ein gerechter Herr und konnte überaus gnädig sein, also, daß ihm die Herzhaftigkeit und Freimütigkeit einer Rede nicht mißfällig war, sondern wohl­gefiel. Denn er ließ von dieser Zeit an den Müller unangefochten und unterhielt fortwährend mit ihm eine friedliche Nachbarschaft. Der geneigte Leser aber darf schon ein wenig Respekt haben vor einem solchen Nachbarn und noch mehr vor einem solchen Herrn Nachbarn.

Johann Peter Hebel

(Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes).

30. Der alte Fritz.

Der alte Dessauer war ein General, und der Kronprinz saß auf der Festung. Zu ihm kam der Dessauer immer durch die verschlossene Tür, denn er konnte mehr als Brot essen und sagte einmal:Heute ist in England Konzert. Wie wäre es, wollen wir nicht auch dahin?" Der Kronprinz meinte:Wie wollten wir heute nach England kommen?"Wenn du nur willst."Ich will schon." Da zog der alte Dessauer sein Taschen­tuch heraus und breitete es auf dem Boden aus:Nun tritt du auf die eine Seite, ich werde auf die andre treten." Rutsch, aus einmal waren sie in England in der Stadt London. Der alte Dessauer meldete, ein paar fremde Gäste wären da, wollten auch mitmachen. Ja, das könnten sie. Beim Konzert sagte der alte Dessauer:Erkennen wollen wir uns nicht lassen. Laß du

Nohl, Unsere Marl Brandenburg. I. Teil- 3