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aber dein Taschenmesser hier, dann werden sie sehen, wer die fremden Gäste gewesen sind. Das Messer werden sie uns schon wieder schicken." Nach einigen Tagen kam auch das Messer an, aber in einer Kiste verwahrt, und ein Brief dazu, alles mit der richtigen Aufschrift: An den Kronprinzen. Der alte Dessauer hatte das alles gewußt, aber dem Kronprinzen gesagt: „Die Kiste soll zubleiben, bis einer geköpft werden soll." Gerade war einer da, den ließen sie die Kiste aufmachen. Da gingen auf einmal vier Pistolen los, zwei Schuß ihm in den Kopf, zwei in die Brust, und der Mann war tot.
Noch in der Regierungszeit Friedrich Wilhelms I. lebte im Dorfe Braunsberg ein junger Schäferknecht, ein gar großer und schöner Mensch, den der Kronprinz von Rheinsberg her kannte. Die Werber des Königs suchten ihn zu bekommen, aber er wollte Schäfer bleiben. Doch wie er in einer Sommernacht in der Schäferkarre bei der Herde schlief, schlugen sie die Türe zu und fuhren ihn davon. Allein durch eine Falltür entkam er und hütete am nächsten Morgen wieder seine Schafe und strickte im Gehen Strümpfe von Wolle. Nach einiger Zeit kam ein alter Mann des Weges. Der unterhielt sich mit ihm und warnte ihn vor den Werbern des Königs. Er wolle ihm zeigen, wie sie es machten. Der Schäfer mußte die Arme ausbreiten, und der Alte steckte ihm durch die beiden Rockärmel den Schäferstock. Dann rief er: „Hallo! Hallo!" Bewaffnete Männer traten aus dem Wald und fesselten den Schäfer. So kam er nach Potsdam zum Riesenregiment. Hier gab er immer viel Geld aus und gab große Gastereien trotz des geringen Soldes. Inzwischen war der Kronprinz König geworden und hörte davon. So verkleidete er sich, ging in die Schenke und saß traurig da. Da sagte der lange Soldat zu ihm: „Warum sitzt Ihr so traurig da?" — „Ich habe kein Geld." Da borgte er ihm Geld, und sie saßen lange da, bis alles zu Bette war. Dann gingen sie beide durch die Straßen von Potsdam. An einem Kaufmannsladen machte der Soldat Halt und blies in das Schloß, das sofort aufsprang. Im Laden zog er drei Geldkästchen heraus, teilte das Geld in drei Haufen und sagte: „Den ersten braucht der Kaufmann für die Ware, der zweite ist sein Gewinn, den dritten hat er durch Betrug: den nehme ich mir." Bon da gingen sie weiter. Er wollte dem Fritz auch die Schatzkammer des Königs zeigen. Als sie drinnen