der Vorzeit, das sich hier erhalten, und sie kannten seine Art nicht, bis einer den Kopf schüttelte: „Das schmeckt nach Schwein." Da fuhr der Abt auf: „Kagelwid, hast du mir das getan?" — „Hochwürdigster Herr, wie könnt' ich Euch das tun! Höret doch, wie Eure Schweine in den Koben grunzen, und zählet sie, so werdet Ihr sehen, Euch fehlt keins."
3. Da wurden alle neugierig und gingen mit dem Kaiser und dem Abt in den Stall, und die Schweine grunzten furchtbar, und sie zählten sie, und wie er gesagt hatte, es fehlte keins. Es war aber auch keins, das auch nur noch ein Ohr gehabt hätte. Kagelwid hatte alle Ohren abgeschnitten und in der Suppe verkocht. Da war ein Lachen und eine Lustigkeit, wie man selten gesehen, und die Keller mußten herhalten, und Kagelwid hörte viel Lobes und Rühmens. Denn bis dahin hatte man in Deutschland nicht gewußt, daß man die Schweinsohren essen kann, sondern sie auf den Mist geworfen. Also war Kagelwid ein großer Erfinder. Wenn ihn fein Abt hätte schelten wollen, so kam's zu spät; denn der Kaiser, der nie in seinem Leben eine so schmackhafte Suppe gegessen hatte, nahm ihn aus dem Kloster und an seinen Hofhalt. Und seitdem ist in der Mark die Erbssuppe aufgekommen mit Schweinsohren. Man schlachtet aber jetzt die Schweine und schneidet ihnen dann erst die Ohren ab.
Wilibald Alexis (Der Werwolf).
43. Wie die Nahmitzer den Abt Sibold erschlugen.
Der erste Abt von Lehnin hieß Sibold. Er ging mit seinen Mönchen oft über Land, um in den umliegenden Dörfern zu predigen und die wendischen Fischerleute, die zäh und störrisch an ihren alten Götzen festhielten, zum Christentum zu bekehren. Einstmals hatte Abt Sibold, von einem einzigen Klosterbruder begleitet, in dem Klosterdorfe Prützke gepredigt. Als Abt und Mönch am Mittag bei schwerer Hitze heimkehrten, beschlossen sie, in dem nahe beim Kloster gelegenen Dorfe Nahmitz zu rasten, wo sie matt und müde einkehrten. Der Abt trat in eins der ärmlichen Häuser ein. Die Scheu aber, die hier sein Erscheinen einflößte, machte, daß alles auseinanderstob. Die Kinder versteckten sich in Küche und Kammer, da die Fischer am See beschäftigt waren. Eins aber lief an den See und rief dem Vater und den