Teil eines Werkes 
1 (1912) Sagen
Entstehung
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dessen Gebiet er widerrechtlich jagte, ließ ihn ins Gefängnis setzen. In schöner Frauentreue befreite indessen Frau Isolde, die holde Gemahlin des Jarls, den gefesselten, nach der kühlen Waldluft sich sehnenden Gatten. Der Tod schied leider nur zu bald dies sich herzinnig liebende Paar, und mit Isolden war auch der gute Engel von dem Harlungen Iran gewichen. Statt der treuen Liebe zur echten Gemahlin nimmt nun eine verbrecherische Leidenschaft des Helden Seele ein. Er denkt nicht mehr an Jagd und Kampfesfreude; nur Bolfrianen, die Gemahlin des Herzogs Ake, sieht sein Auge Tag und Nacht vor sich. Sie will er erringen, mag Ehre und Leben auch darüber verderben! Die Arge wird von seiner List nur allzuleicht betört, die heiligen Bande der Zucht werden gebrochen. Da kann die Rache auch nicht lange mehr verziehen! Herzog Ake entdeckt den Verrat; im Walde stellt er den Jarl Jron und erschlägt ihn. Am nächsten Morgen findet Dietrich von Bern den toten Helden; die Habichte, die Hunde, das ritterliche Roß halten an der Leiche die Wacht. König Etzel aber, dermalen aller deutschen Völker Oberlehnsherr, gab die Mark einem andern Jarle.

So erzählt die Umdeutung der alten Göttersage.

Oskar Schwebel (Die Sagen der Hohenzollern).

45. Treuenbrietzen.

Die Stadt Treuenbrietzen hat ehemals nur Brietzen ge­heißen. Da ist's geschehen, erzählt man, daß sie einmal vom Feinde hart belagert wurde, der namentlich gegen das Seitentor gewaltig herangestürmt ist. Die Bürger aber haben sich tapfer gewehrt, und einer hat den feindlichen Obersten mit einem silbernen Knopfe erschossen. So hat denn der Kurfürst der Stadt den Namen Treuenbrietzen gegeben. Mit mehr Recht wird aber wohl behauptet, der Name stamme aus der Zeit, wo der so­genannte falsche Waldemar in der Mark eine Rolle spielte. Da­mals soll nämlich Brietzen zu den wenigen Städten gehört haben, die treu zu Ludwig dem Bayern hielten, und daher soll es seit­demTreuenbrietzen" genannt worden sein, zum Unterschied namentlich auch von dem andern Brietzen (Wriezen) an der Oder.

Wilhelm Schwach (Sagen der Mark Brandenburg).