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hob zum Himmel versinkend die Hand.
Wie von helfenden Geistern emporgerafft, trug der Rappe den Reiter ans Land. —
Am schilfigen Saum kniete Jaczko fromm.
Was glänzte am Baum, als der Abend verglomm? —
Ein Schild und ein Horn strahlten funkelnd vom Ast. —
Kein Haß mehr und Zorn, und der Kriegsschmuck nur Last.
Rauschende Föhren im märkischen Sand, lispelndes Schilfrohr am Havelstrand, aus eurem heimlichen Säuseln klingt, was euch im Mondschein die Nixe singt: die graue Sage in Geisterchören.
Lispelndes Schilfrohr, rauschende Föhren!
Paul Risch.
47. Der Kobold auf der Mühle.
1. In einer einsamen Wassermühle im Havellande wohnte ein Müller ganz allein. Bei dem klopfte es an einem stürmischen und regnerischen Abend an das Fenster. Als der Müller fragte, wer da wäre, antwortete eine Stimme: „Um Gotteswillen laßt mich ein, ich habe mich verirrt und komme sonst um in dem furchtbaren Wetter!" Der Müller nahm die Lampe und öffnete die Haustür, fuhr aber erschrocken zurück; denn vor ihm stand neben einem Mann ein schwarzes Ungetüm. „Ach, erbarmt Euch," sagte der Mann, „ich bin ein Bärenführer und weiß mit meinem Tiere nicht mehr, wo aus und ein. Gönnt mir ein Plätzchen zum Nachtquartier!" — Der Müller kraute sich hinter den Ohren und sagte: „Ja, für Euch hätt' ich wohl einen Platz auf der Ofenbank in meinem Stübchen, wenn Ihr damit zufrieden sein wollt. Aber wo soll ich mit Eurer wilden Bestie hin? Einen Stall habe ich nicht, Und in die Stube können wir das Tier doch nicht nehmen." — „I," antwortete der Mann, „könnten wir ihn nicht in die Mühle bringen? Schaden an Korn und Mehl könnte er Euch ja nicht tun, und übrigens lege ich ihn ja auch an die Kette." —