Teil eines Werkes 
1 (1912) Sagen
Entstehung
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Das ginge wohl," sagte der Müller,aber ich muß Euch sagen: Dort ist es nicht richtig. Es spukt in der Mühle ein Kobold um­her, der mir seit Jahren Herzeleid angetan hat. Er rumort dort die ganze Nacht herum, schüttet die Kornsäcke aus, streut das Mehl umher und treibt noch sonst allerlei Unfug und Mutwillen." Ei," rief der Bärenführer,was schadet das? Meinem Bären wird der Kobold nichts anhaben, der wird sich schon seiner Haut wehren. Nehmt uns nur auf, ich bitte Euch!"

2. Gesagt, getan. Der Bär wurde in die Mühle gebracht, und dem Führer bereitete der Müller ein Lager auf der Ofen­bank. Mitten in der Nacht erwachten die beiden Männer von einem furchtbaren Rumor in der Mühle. Es ging dort kopf­über und kopfunter, und dazwischen hörte man das tiefe Brummen des Bären und hier und da ein Quieken und jämmerliches Grun­zen.Horch!" sagte der Müller,da hat der Kobold sich an den Bären gemacht."Das wird sein eigner Schade sein", lachte der Bärenführer.Ja, wollte Gott," seufzte der Müller,daß der Bär meinem Plagegeiste recht ordentlich den dicken Kopf zurechtsetzte!" Noch ein Heller Schrei, dann war alles still, und die Männer schliefen wieder ein.

3. Am Morgen fand man den Bären wohlbehalten in der

Mühle, und nachdem der Müller seine Gäste noch mit Speis' und Trank erquickt hatte, zog der Fremde mit seinem Bären unter herzlichem Danke von dannen. Und sieh, von Stund' an ließ sich kein Kobold mehr in der Mühle sehen! Der Bär mußte es ihm verleidet haben. Wer war glücklicher darüber als der Müller! So ging wohl ein ganzes Jahr hin. Da, an einem dunkeln Abend, als der Müller still in seiner Stube saß, öffnete sich leise die Tür, und zum Schrecken des Müllers steckte der Kobold seinen unförmlichen Kopf in die Stube und sagte:Möller, Möller, lewet juwe grote, schwarte Katt' noch?" Rasch faßte sich der Müller und rief:Jo, deh lewet noch un hett sewen Jungen!" Da schlug der Kobold entsetzt die Tür zu und ist seitdem nie wieder­gekommen. Wilhelm Schwartz.

48. Die Herren von Bredow und der Teufel.

1. Der Teufel hielt einstmals Musterung unter den märki­schen Edelleuten und steckte schließlich alle Widerspenstigen und