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2. Sein Stallmeister Emanuel Froben nahm wahr, daß die schwedischen Kanoniere ihre Geschütze immer dahin richteten, wo der Kurfürst seinen Stand hatte. Dieser aber ließ sich durch keine Vorstellung bewegen, seinen Platz zu räumen, wiewohl die Kugeln dicht um ihn her einschlugen. Da sann der treue Mann auf eine List, wie er die Gefahr vom Haupte seines Herrn auf sich herüberlenken könne.
„Kurfürstliche Durchlaucht," sagte er, „Ihr Pferd ist von den Anstrengungen dieses Tages nicht mehr fest auf den Beinen und wird Ihnen beim Anrennen schlechte Dienste leisten. Wollen Eure Durchlaucht nicht lieber meinen Braunen besteigen, der noch frisch bei Kräften ist?"
3. So getäuscht, wechselte der Kurfürst mit seinem Stallmeister das Pferd. Kaum hatte Froben den Schimmel seines Herrn bestiegen, als er ihm die Sporen gab und ihn munter vor der Front tummelte. So bot er sich geflissentlich den feindlichen Geschützen zur Zielscheibe. Es währte auch nicht lange, als er, von einer Stückkugel getroffen, samt dem Rosse zusammenbrach. Er hatte sich geopfert, um seinen Fürsten für einen großen Sieg zu sparen.
Hermann Bäßler (Sagen aus allen Gauen des Vaterlands).
54. Das Kind von Fehrbellin.
„Der Schweb' ist eingefallen im Land!" Der Kurfürst hört den Streich; er redet seinen Derfflinger an, der trabt mit seinen Dragonern voran, erst an der Havel macht er halt.
Sie haben elf Tage nicht abgesattelt auf dem Ritt aus Franken durchs Reich.
Der Wrangel, wie er das Wetter spürt, weicht nach dem Rhin verzagt.
Doch scharf ist der Kurfürst hinterdrein; der Landgraf mit dem silbernen Bein muß ihn stellen bei Fehrbellin.
Wohl ist er zu hitzig im Avancieren; doch es tut nichts, er hat es gewagt.