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Stadt belagerte, und ein Hoffnungsstrahl war in sein geängstetes Gemüt gefallen. Er konnte kaum den Anbruch des Tages erwarten. Durch den Wärter ließ er dem gestrengen Herrn Bürgermeister sagen, daß er ihm sine wichtige Mitteilung zu machen habe, die die Stadt wohl retten könne. Aber man müsse ihm dafür sein verwirktes Leben schenken. Er wurde also ins Rathaus geführt, wo sich der Bürgermeister mit den Ratsherren befand. Hier wiederholte er sein Anerbieten und erzählte, als ihm sein Leben zugesichert war, was er gehört hatte und was die Feinde wohl bezweckten. Da lief es den hohen Herren allerdings eiskalt über den Rücken, und es entstand eine lebhafte Beratung, was zu machen sei. Zunächst freilich wollte man sich selbst einmal von der Wühlarbeit des tückischen Gegners überzeugen, und in der folgenden Nacht versammelten sich die Ratsmitglieder im Kerker und lauschten, bis auch sie das Pochen und Scharren hörten. Nun wußte man, was man zu tun hatte, und mit fieberhafter Spannung verfolgte man das Geräusch, das sich immer mehr dem Innern der Stadt, dem Marktplatze, näherte. Bald konnte man auch hören, daß die unterirdischen Arbeiter sich mehr der Oberfläche näherten. In kurzem mußte der Einbruch in die Stadt geschehen können. Aber Kyritz wachte. Man war gerüstet und hatte Abwehrmittel bereit. Ganz still hatten sich die Stärksten der Bürgerschaft auf dem Marktplatz versammelt, und als plötzlich die Erde sich auftat, und als erster von seinen Rittern Kurt von Bassewitz die Stadt betrat und schon den Siegesruf ausstoßen wollte, Hagelten Kolbenhiebe auf ihn hernieder, und die Nächsten traf gleiches Schicksal. Dann nahm man die Wehrlosen gefangen, den andern unten aber goß man große Mengen heißen Breis auf den Kopf, daß sie sich in ihren Gang zurückzogen. Einen gleichzeitigen Sturm hatten die andern Bürger von Kyritz zu gleicher Zeit abgeschlagen. So herrschte denn große Freude. Dem Bassewitz aber wurde der Stab gebrochen, und er wurde mit seinem eignen Schwerte abgetan. Dieses Schwert aber und seinen Panzer verwahrt man noch heute auf dem Rathause; vom Panzer ist allerdings nicht mehr viel übrig geblieben, denn zum Andenken an die Bedrängung durch Kurt und die glorreiche Befreiung tat der Bürgermeister von Kyritz früher immer einen Stich mit einem Messer in den Panzer, und so wurde er allmählich ganz zerfetzt.