Erinnerung an den furchtbaren Riesen, der einst in grauer Vorzeit auf dem benachbarten Mohsauer Berge gesessen und schrecklich gehaust haben soll. Den Bauern stahl er ihre Rinder und Schafe, und als er davon nichts mehr fand, nahm er ihnen die Frauen und Töchter weg. Da entstand großes Wehklagen unter dem Volke ringsum. Aber niemand wagte, dem Riesen zu Leibe zu gehen; denn er war von wilden Bären und Wölfen bewacht und trug beständig einen scharfen Speer von sechzig Fuß Länge in der Hand. ---
Als aber der Riese einmal soweit ging, auch eine junge und schöne Königstochter zu rauben, da erwachte die Rache der Bedrängten, daß überall im Lande ein Aufruhr entstand, und alt und jung gegen den Riesen und seine Burg zu Felde zog. Viele der Tapferen wurden zwar erschlagen; aber schließlich erlag der Riese doch, nachdem ein Giftpfeil ihm in das Stirnauge gedrungen war. Sein Riesenleib wurde an derselben Stelle, wo er verendet, begraben, und auf wie neben seinem Hügel entstand später eine Ansiedelung, aus welcher die Stadt Züllichau hervorging. Obgleich man dem Riesen nur Schlechtes zu verdanken hatte, wurde ihm doch die große Ehre zuteil, sein Bildnis in dem Stadtwappen von Züllichau verewigt zu sehen.
Paul Kunzendorf (Sagen der Provinz Brandenburg).
8V. Kloster Chorin.
1. Das Kloster Chorin hat nicht immer an der Stelle gestanden, wo man noch'jetzt die schönen Ruinen desselben sieht; sondern es lag ehemals in der Nähe des großen Paarsteinschen Sees auf dem Rosmarinberge. Warum es aber von dort fortgekommen ist, weiß man nicht.
Als nun das neue Kloster an dem Mariensee gebaut wurde, da haben sieben Baumeister lange Jahre daran gearbeitet, bis sie endlich das herrliche Werk vollendet sahen. Es war aber auch eine gar schwere Arbeit, indem sie auch einen weiten unterirdischen Gang nach dem Kloster zu Angermünde bauten. Das Bauwerk hat dann lange Zeit gestanden in seiner Pracht, bis es endlich mit allen Gebäuden, die darum und daran sind, auf ewige Zeiten verwünscht worden ist.