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' 2. Von da an sind die Unterirdischen darin eingezogen. Die
kommen bald hier, bald dort in ihrer grauen Kleidung und mit dreieckigem Hute zum Vorschein. Aber nicht jeder kann sie sehen, sondern nur Sonntagskinder und andere Begabte.
Einen Böttcher haben sie einmal zu sich heruntergeholt, der ihnen neue Bänder um ihre Fässer legen mußte. In der Nacht nämlich hatte es ihn mehrere Male gerufen, er solle sich mit seinem Handwerkszeug zu der und der Stunde an der und der Stelle einfinden. Als er dorthin kam, fand er ein kleines Männlein; das redete ihm freundlich zu, es werde ihm kein Leid geschehen, er solle nur alles tun, was man von ihm verlange. Da hat es ihm denn die Augen verbunden und ihn mit hinuntergenommen; so viel merkte der Böttcher nur, daß durch einen langen Gang der Weg führte. Als man nun am Ziele war und ihm die Binde abgenommen wurde, befand er sich in einem geräumigen Keller, in dem eine Menge solcher kleinen Leute mit den verschiedensten Dingen beschäftigt waren. Sie sprachen jedoch kein Wort. An den Wänden herum aber standen zwölf große Fässer, an die mußte er neue Bänder legen. Dabei erhielt er die Erlaubnis, von jedem der zwölf Goldhaufen, die bei den Fässern lagen, einen Teil als Bezahlung mitzunehmen. Darauf wurde er so zurückgeführt wie er gekommen war. Bald fand er sich wieder an der Stelle, wohin ihn die Stimme gerufen hatte, und daß alles Wirklichkeit gewesen war, sah er an dem Schatz, den er bei sich hatte.
3. Auch eine weiße Frau läßt sich öfters des Nachts in den Ruinen sehen, mit einem großen Schlüsselbund an der Seite, weshalb die Leute sie auch die „Utgebersche" (Ausgeberin) nennen. Gewöhnlich trägt sie gelbe Pantoffel. Einige sagen, jetzt komme sie nicht mehr; sie fei verschwunden, weil ihr einer einmal nachgerufen habe: „Kiek, di hat ja gele Tüffeln an!"
4. Wie das 'Kloster verwünscht wurde, da sind übrigens auch die Frösche in dem daneben gelegenen kleinen Mariensee verwünscht worden. Daher kommt es, daß, so viele es deren auch dort gibt, man doch nie ein Gequak vernimmt. Andre behaupten freilich, das sei schon zur Zeit der alten Mönche geschehen. Da hätten die Frösche oft durch ihr Gequak die Andacht im Kloster gestört, so daß die frommen Brüder Gott gebeten hätten, sie