noch ganz unvollendet verließ, so war sie gleichwohl frühmorgens immer fertig; aber kein Mensch im Haufe wußte, wie es kam, bis endlich einmal ein Mädchen, das bei ihm diente, durch eine Ritze der Stubentür schaute. Da sah sie denn zwei Ziegenböcke am Webstuhl sitzen, die waren in der besten Arbeit begriffen, und am andern Morgen war dann auch alles, wie gewöhnlich, vollendet.
Einem andern Mädchen war von der Frau verboten worden, auf den Boden zu gehen, wohin diese sich gewöhnlich selbst zu begeben pflegte. Als das nun wieder eines Tages geschah, konnte das Mädchen seine Neugierde nicht länger zügeln, versteckte sich auf dem Boden und sah dort, wie die Herrin mit einem Teller voll Milch in die Bodenkammer trat. Sofort kam ihr ein kleines, rotes Männchen entgegen, machte sich über die Milch her und trank sie bis auf den letzten Tropfen aus. Da sah denn das Mädchen ein, warum ihr die Frau verboten hatte, auf den Boden zu gehen: das rote Männchen war ein Kobold.
Da war auch einmal ein Mann in Strausberg, der hieß Prinzlaw, und weil ihrer viele des Namens hier waren und dieser einen Kobold hatte, nannte man ihn zum Unterschied den Kobold- prinzlaw. Er war aber so reich, daß er sagte, er könne den Weg von seinem Hause bis zur Kirche mit lauter harten Talern pflastern, und das war ein tüchtiges Stück. All diesen Reichtum hatte ihm aber sein Kobold gebracht, den man oft genug in feinen Schornstein hineinfliegen sah, und zwar war er rot, wenn er Geld brachte, aber blau, wenn er Korn brachte. Als der Mann nun Geld genug hatte, ward er des Kobolds überdrüssig, setzte ihn in eine Kiepe und trug ihn über einen Kreuzweg fort, wo er ihn ausschüttete und dann ruhig seiner Wege ging. Tags darauf kam ein Strausberger Schuhmacher des Weges, der wenig Arbeit und kein Geld hatte. Wie der an den Kreuzweg kommt, sieht er da einen Vogel sitzen, etwa so groß wie eine Elster und mit roten und schwarzen Federn, der ruft immer: „Ich bin herrenlos, ich bin herrenlos!" Da dachte denn der Schuhmacher, er könne ihn ja wohl mit sich nehmen, fing ihn und trug ihn nach Hause. Das hat dann auch nur kurze Zeit gedauert, da ist der Schuhmacher ein reicher Mann geworden und hatte bald darauf vier Gesellen sitzen, die immer vollauf zu tun hatten.
Rudolf Schmidt
(Sagen und Geschichten aus Barnim und Uckermark).