111
88. Die Erbauung von Bernau.
An der Ecke der Brauerstraße, wo fast der Mittelpunkt der Stadt ist, soll ehedem ein einzelner Krug gestanden haben. Hierhin soll einstmals Markgraf Albrecht der Bär gekommen sein und sich einen Trunk gefordert haben. Der hat ihm so herrlich gemundet, daß er sich entschloß, an dieser Stelle eine Stadt zu bauen. Diesen Entschluß führte er auch alsbald aus. Zu dem Zwecke hat er die drei Dörfer Lindow, Schmetzdorf und Lüpenitz ein- gehen und die Einwohner in die neue Stadt ziehen lassen. Daher haben die Felder der beiden ersten noch heutzutage ihre alten Namen, und das Lindowsche Feld besteht aus 84, das Schmetz- dorfsche aus 48 Hufen. Lüpenitz aber ist zu einer Heide geworden. Es muß jedoch früher ein großes Dorf gewesen sein, da sich seine Feldmark auf eine Meile erstreckt. Man sieht auch noch an allen drei Orten die Überreste der Kirchen und Kirchhöfe. Zu Schmetzdorf aber hat der Magistrat ein Vorwerk angelegt. Es ist jedoch auch noch eine vierte Feldmark vorhanden mit 103 Hufen; diese heißt die Bernausche, und es ist daher wahrscheinlich, daß ehemals auch ein Dorf Bernau vorhanden gewesen ist, von dem die Stadt ihren Namen erhalten hat.
Rudolf Schmidt
(Sagen und Geschichten ans Barnim und Uckermark).
89. Die Schlangen von Bernau.
Auf der Feldmark der Stadt Bernau findet man, so weit man das Läuten der Bürgerglocke hören kann, weder Schlangen noch Nattern. Als Grund davon gibt man folgendes an: Als vor alters jene Bürgerglocke gegossen wurde, ward dazu nach damaligem Gebrauch von den Leuten allerlei verehrt wie Gold, Silber usw. Da kam auch eine alte Frau herbei, die sagte, sie habe zwar nichts von Geldeswert, das sie zu der Glocke verehren könne, sie wolle aber doch etwas schenken, was man nicht verachten werde. Damit ließ sie eine lebendige Schlange und eine Natter mit in den Guß hineinlaufen, mit dem Bedeuten, daß sich danach die Schlangen, die damals sehr häufig in der Gegend waren, verlieren würden. — Und solches geschah auch, sobald man mit der neuen Glocke zum ersten Male zu läuten anfing.