Teil eines Werkes 
1 (1912) Sagen
Entstehung
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Als einstmals vor ungefähr 300 Jahren die Glocke einen Riß bekam, daß man nicht mehr damit läuten konnte, stellte sich das Ungeziefer wieder ein. Es verlor sich aber sogleich wieder, als im Jahre 1649 die Glocke umgegossen wurde und zum ersten Male wieder läutete.

Rudolf Schmidt

(Sagen und Geschichten aus Barnim und Uckermark).

90. Die Glocke von Bernau.

Die Bernauer schenkten einst dem Kurfürsten eine große Glocke, die auf Rollen nach Berlin gebracht und dort im Dom aufgehängt wurde. Jeder Berliner kannte sie unter dem Namen Die Peruanerin". Der Wagen mit der Glocke, so erzählt man, sei auf der, Straße bei dem Rathause gebrochen, und die Glocke hätte durch ihren Fall eine ziemliche Lücke in die Erde gemacht. Das Loch sei zwar oft zugedämmt worden; allein es sei die Erde mit den Dammsteinen allemal wieder gesunken, woraus man dann die Meinung schöpfte, Gott habe es nicht gewollt, daß die schöne Glocke von dem Bernauischen Gotteshause entwandt wer­den sollte.

Auf der Bernauer Grenze, am Gehrenberg, bis wohin der scheidenden Glocke viele Bernauer Bürger das Geleit gaben, sank das Gefährt von neuem ein, wobei die Glocke einen Ton ver­nehmen ließ, der wie eine tiefe Klage klang und die Zugtiere am ganzen Körper erbeben machte, so daß sie nicht weiter wollten und neue Zugtiere, an die zehn Ochsen, vorgespannt werden mußten. Von Dorf zu Dorf soll während des Transports der Glocke, die zuletzt von 20 Ochsen gezogen wurde, mit allen Glocken geläutet worden sein.

Rudolf Schmidt

(Sagen und Geschichten aus Barnim und Uckermark).

91. Die Bernauer Bierflasche.

I. Des Schusterjungen Auftrag.

1. Vor ungefähr dreihundert Jahren lebte in Kölln an der Spree ein Schuster, dessen Arbeit gelobt wurde, und der es ver­stand, seine Lehrjungen mit guten Lehren und mit dem Knie­riemen wacker zu unterweisen und zu tüchtigen Schuhmachern auszubilden.