Teil eines Werkes 
1 (1912) Sagen
Entstehung
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achtzehn Jahr her sein, einen Lehrjungen aus Bernau gehabt hätte. Der Meister konnte sich nicht mehr recht besinnen, aber hinter dem Spinnrade tönte es hervor:Ja, Herr, so lange kann's hergewesen sein um vergangenen Herbst, daß wir einen Lehr­jungen aus Bernau hatten. Der Racker! Der Dieb! Der Spitzbube! Wer weiß, an welchem Galgen der verwittert; hat er mir doch meine kupferne Bierkanne gestohlen!"Meisterin," rief der Rittmeister,die Ehrentitel schenke ich Euch, denn daß Ihr es nur wißt, der Schusterlehrling aus Bernau bin ich."

3. Dem Meister fiel das Maß aus der Hand; die Meisterin aber stand auf, knickste und sprach, der Herr wolle nur seinen Spaß treiben mit ihnen. Solches könne ja wohl nicht gut sein, und sie würde es nimmermehr glauben.

Der Rittmeister lächelte und erbot sich, Beweise zu geben. Er nahm den Meister mit und noch einige Neugierige von den Nachbarn, die zusammengelaufen waren, als sie den stattlichen Offizier in das Haus hatten gehen sehen. Sie kamen vor das Georgentor an den Schlagbaum. Der Rittmeister zählte bis zum dritten Baum vom Schlagbaum links an der Landstraße, ließ einen Spaten bringen und aufgraben, und siehe, da stand die kupferne Flasche, ganz wie er sie hingestellt, als er Berlin den Rücken gekehrt hatte.

Nun konnte auch der Meister keinen Zweifel mehr hegen, und alle gingen wieder zurück in des Meisters Haus. Der Ritt­meister schritt voraus mit der Bierflasche; er behauptete, um ein ehrlicher Mann zu sein, müsse er die Flasche, wie ihm vor achtzehn Jahren befohlen sei, dem Meister ins Haus tragen.

4. Dort wurde nun angesichts aller die zinnerne Schraube von der kupfernen Flasche genommen. Von dem Biere hatte sich etliches verzehrt, der Rest aber war mit einer dicken Haut bewachsen. Als aber der Rittmeister das Bier kostete, hat er es so gut befunden wie nur irgendein Bier auf der Welt; ja, er meinte, man könne Kranke damit laben und gesund machen. Darauf hat er auch den Meister und die Nachbarn davon kosten lassen, und alle konnten das Bier nicht genug bewundern und loben.

Ob der Rittmeister seinen Vater und seine Mutter zu Bernau noch wohl und am Leben angetroffen, wissen wir nicht, doch wollen wir es ihm von Herzen wünschen.