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hundert Fässer, alle voll Gold. Das war so blank, daß es im Dunkeln blitzte. Das Schloß selbst aber lag in Nacht, und nur mitunter glühten die Fenster auf, und allerlei Gestalten wurden sichtbar, Ritter und Edelfräulein, die kicherten und lachten. Dahinter klang es dann wie Tanzen und leise Musik. Trampe sah und horchte.
Aber nicht lange, so trat ein Ritter an ihn heran, legte ihm eine schwere Hand auf die Schulter und fragte, ob er der Böttcher aus Freienwalde sei. Als Trampe bejahte, befahl er ihm, die Fässer zuzuschlagen: „Das dreizehnte Faß ist für dich." Und nun ging Trampe an die Arbeit und schlug alle Fässer zu. Das dreizehnte aber, das er vorsichtig gleich beiseite gestellt hatte, rollte er den Berg hinunter. Er war nun fertig und wollte wieder gehen. Da fuhr es ihm auf einmal durch den Kopf, ob nicht der Ritter jedes dreizehnte Faß gemeint haben könnte, und als er noch so dachte, rollte er auch schon heimlich ein zweites Faß bergab. Als er aber unten ankam, lag nur e i n Faß da. „Hm," dachte Trampe, „wirst es noch mal versuchen", und stieg wieder bergauf und rollte ein drittes Faß hinunter. Aber als er wieder unten ankam, war alles verschwunden, auch das erste Faß, und nur an der Vorderseite des Kahns saß wieder der Pudel und sagte: „Trampe, du hast verspielt." Das ärgerte Trampen, und er dachte, als sie zurückfuhren: „Das soll dir auch nicht wieder passieren." — Es ist ihm auch nicht wieder passiert; denn die Uchtenhagens haben ihn nie wieder holen lassen, wenn sie einen brauchten, um ihre Fässer zuzuschlagen.
3. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts trieb der Stamm der Uchtenhagens Sprossen in Fülle: acht Söhne und fünf Töchter wurden geboren, und Freude war im alten Hause der Uchtenhagen. Aber es war das reiche Blühen vor dem Tode. Ehe ein Menschenalter um war, noch vor Schluß des Jahrhunderts, waren alle Söhne des Hauses tot bis auf einen, und der Überlebende, inzwischen vermählt mit Sophie von Sparr, einer Bater- schwester des berühmten Feldmarschalls, schaukelte ein einzig Kind auf seinen Knien, — ein zartes Kind mit blauen Adern unter der feinen Haut. Dies Kind, ein Knabe, war Kaspar von Uchtenhagen, der letzte seines Geschlechts. Er starb neun Jahre alt und wurde in der Kirche zu Freienwalde beigesetzt. Die Sage aber erzählt: