Teil eines Werkes 
1 (1912) Sagen
Entstehung
Seite
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Am Hohlweg ging's heiß her. Nicht alle waren, wie ein Strom durch die Schleusen, fortgesprengt. Die vordersten der Feinde trafen ihrer noch, wenige nur, aber Männer. Stahl klirrte gegen Stahl, und Speere splitterten. Aber ehe der volle Feindes­schwarm anprallte, die paar zu erdrücken, warf sich die Nacht dazwischen. Eine zwiefache Nacht! Die schwarzen Bäuche der Schneewolken barsten und warfen solche dichte Flocken nieder, daß keiner das eigene Schwert sah. Auf eine Weile schwieg der Kampf. Die Trompeter riefen die Feinde zurück, daß sie sich zum Angriff ordneten. Ihre Führer mochten denken, es seien dort mehr.

Vater, itzt rette dich", sprach ein junger Knappe und faßte des alten Uchtenhagen Roß am Zaum und wollte es umdrehen. Sie reiten zurück, das ist uns günstig."

Der Alte riß sich zornig los:Das redet nicht Uchtenhagens Sohn." Kuno war kaum achtzehn Jahr; das gelbe Haar floß ihm um die Schultern aus dem Helm vor. Sein milchweiß Ge­sicht ward blutrot.

Herr Gott, mein lieber Herr, Euer Sohn rät gut", sprach ein Mann, der hieß Eisenhardt, ein Dienstmann der Uchtenhagen. Den Platz halten wir nimmer, und ist nichts zu holen als eitel Tod. Aber so wir itzt die Rosse wenden und ihnen die Sporen geben, hilft uns Gott wohl!"

Uns! Aber nicht unserm Markgrafen. Ist da einer hinter euch, der will, daß sie ihn Verräter schelten, der wende sein Pferd. Ich entlaß ihn der Pflicht, so er gegen mich hat; aber so es mein Sohn wär', der nenne fürder mich nicht Vater. Und falle ich, so soll er nicht an meinem Sarge stehen."

Ulrich Pfuel, der war den Uchtenhagen nah verwandt und ihr Nachbar, er sprach:Alter Freund, was nutzt es! Gott zeigt uns selbst den Weg der Rettung."

Und denen drüben, wo sie unfern Herrn suchen. So lang ich seines Rosses Hufschlag höre, will ich hier stehen, und noch eine Weil'."

Er hat uns verlassen."

So der Herr schlecht ist, soll's der Diener auch sein? Ich schwor dem Ludwig, und so's ein schlechter Schwur war, wär' ich doch ein schlechter Mann, so ich ihn bräche im Unglück. Ihr, meine Söhne und Freunde! So weiß wie der Schnee nieder­fällt, so sind meine Haare, so rein ist mein Wappenschild. So