11 Fünfter Theil, Il. Buch. L Kap. Von der Prignitz insgemein.
ſchuldige leute herging, weil man vermeinte, man wäre bei unbekannten leuten nicht eben ſchuldig zuunterſcheiden, ob es feinde oder ſonſt fremde leute waͤren. Welches hernach, ob es ſchon an ſich ſelbſt unrecht war, dennoch andere noch mehr misbrauchten, und nicht unrecht zuſein hielten, wann fie ohne unterſcheid leute anſielen, ſie mochten urſache an ihnen haben oder nicht. In ſumma der Landesfuͤrſten unzeitige gute, unvermoͤgenheit, unachtſamkeit und geldſucht auch uͤbermaͤßiges nachſehen fuͤhrete bei nahe in allen laͤndern ein algemeines voͤlkerrecht ein, daß ein iedweder that, was ihm gut duͤnkte, und der ſtaͤrkere das oberrecht über den ſchwaͤchern nahm: wie denn daher der Abt von Ursperg, Konrad von Lichtenau, von feinen zeiten klaget: Barone & milites ſuo tempore fuiſſe plerumque Praedatore. Iſt alſo kein wunder wenn es in der Mark und den benachbarten laͤndern auch alſo hergegangen, daß ein iedweder ihm ein recht uͤber den andern genommen, und wer der ſtaͤrkſte geweſen, derſelbe bermeinet, gnugſam recht zuhaben ſich des ſchwaͤchern zubemaͤchtigen. Welches auch hernach ſo eingewurzelt, daß Fuͤrſten und Herren groſſe mus he gehabt es auszurotten, und die leute auf andere gedanken zubringen, die Landesfuͤrſten dieſer laͤnder auch hin und wieder den Staͤten freiheit gegeben, ſich nicht allein
zuwehren, ſondern auch die, fo fie bekommen
koͤnnten, gefangen zu nehmen, und nach ihrem gefallen mit ihnen umzugehen, auch ſonſten an denen, ſo ihnen ſchaden thaͤten, oder gethan haͤtten, ſich wie fie koͤnnten zuerholen. Ein exempel hievon iſt in Markgraf Otten aus Baiern verguͤnſtigung an die Stat Kyritz von A. 1371: „Wir Otte von Gotis Gnaden Marggraue czu Brandenburg des Heiligen Röͤmiſchen Rychs Obriſter Camerer Pfallanzgraue bi Rune und Hertzoge in Beyern bes kennen offentlichen mid dieſen Brieue, vor Unß, unſer Erben und Nachkomeden daz wir den wyſen beſcheiten Lüten den Ratmannen und gemeinen Bürgern unſer Stad zu der Kyritz, die nu ſint und die hernach ezu kamende ſint unſen liwen getruwen dieſe Gnade getan haben und tun mit dieſen Brieue von des grozen Schaden wegen den ſy von unſen und unſer Lande Vienden genomen haben unde noch alle Tage nemen, alſe daz wir yn erlauben unde guͤnnen daz ſie ſich ire Schaden an den Jenen die hn den Schaden getan
12 und tzu gefuͤgt haben oder noch teten. Schaden wieder erhohlen de— und wie dicke fie daz geenden mögen. und werez daß fie an denſelben unſern Vien. den fromen nemen an gevangenen, an reiſiger Haue, an dinghiſſe oder woran da; were dar unſer Voget oder unſer Man mitte weren, fo ſullen fie den fromen teylen, und unſern Mannen nach Manzal gewapoͤnter Luͤte, were abir unſer Voyte oder unſer Man nicht darby, fo mögen und ſullen ſ den fromen an geuangen, an gehn gh oder wor an der were alleyn beholden ane alle unſer wiederrede. Wer ouch daß ſie Geuangen viengen, waz der were dy ſullen ſy ouch behalden gtyn den Schaden den ſy genomen haben, utzgenomen oh ſy eingen Fuͤrſten, Grauen, Heren, Vryen, Vynſtmanne oder Houbtmanne vingen die ſullen ſie unß unſern Erben oder Nachkomeden van Stunden entwerten, ane alle wiederrede und ane Geuerde und waz ſie hieran tun, daz haben wir In geheitzen, und wollen yn des erſten. und ſi ſullen unbetedinget dar umme von unß unfern Erben und Nachkomeden ſyn unde blieben. Des zu Orkunde haben wir unſer Ingeſegel lazen hengen an diſſen Bryff, darobir find geweſt der hochgeborne Fůurſte Her Friederich Hertzbge zu Beyern, unſer lieber Vetter, die Veſten Luͤte Claus Ror, Clauß von Bißmarcke, unſer Houemeiſter und Tydyke von Quitzow und ander Erbar Lute gnug. Gegeben zu der Kyritz nach So tis gehort Drytzenhundert Jar, darnach in dem eyn und Siebentzigiſten Jare an ſente Johans abende.“
VIII. Auf ſolche weiſe nun haben ſich auch die von Kyritz wieder einen bekannten Meklenburgiſchen von Adel Baſſowitz, welcher mit einigen zuſammen gerotteten truppen die Stat Kyritz belagert, redlich gewehret, und ihn mit feinem groſſen ſchaden abgetrieben, wie wir in den Kyritziſchen Geſchichten in dem folg. IV. K. XIII. 5. ſehen werden.
Was maſſen auch die Stat Perleberg mit denen von Koͤnigsmark in wiederwillen gelebet, und heiderſeits aneinander thaͤtligkeiten verübet, davon wird in den Perleberg. Geſch. iu dem naͤhſtfolgend. Il. K. XV.. gedacht werden.
Ingleichen als A. 1455 einige von Adel, worunter auch ein Komtor von Mirow geweſen, andere Abel. Geſchlechts unter dem ſchein ſie auf die jagt zuladen, gefangen 2
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