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den weiten Blick über die Gesamtentwicklung des Neolithikums bewahrt und immer die lokalen Entwicklungen in den größeren Rahmen gestellt. Daß Vf. bei seinen Schlußfolgerungen sehr vorsichtig vorgeht, berührt wohltuend; die Beleuchtung jedes Einzelproblems von allen Seiten her gibt dem Leser ohne weiteres die Möglichkeit, sich ein eigenes, gegebenenfalls auch abweichendes Urteil selbst zu bilden. Die umfassende Literaturkenntnis ist dabei neben der Materialsammlung zu loben; die neuen Arbeiten Abergs und auch schon Niklassons Studien über die Walternienburg- Bernburger Kultur sind ausgiebig herangezogen.
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Doch nun zum Inhalt selbst. In 5 Kapiteln werden die Megalithkultur, die Havelländer Kultur, die Schnurkeramik, die Kultur der Kugelamphoren und die südlichen Einflüsse fremder Kulturen behandelt. Die auch heute in unserm Gebiet immer noch nicht recht geschlossen greifbare Megalithkultur läßt die Mark als ein Randgebiet des nordischen Kreises erscheinen; die Großsteingräber zeigen ein Einströmen dieser nordischen Einflüsse von Nordwesten her ins Havelland( Mellen) und von Norden her in die Uckermark. Im südlichen Teil der Provinz deuten Einzelfunde nur die Straßen an, auf denen der nordische Einfluß weiter nach Schlesien drängt. Der brandenburgischen Forschung stellt die Megalithkultur für die kommenden Jahre noch große Aufgaben, deren Lösung in der Hauptsache naturgemäß nur von weiteren glücklichen Funden abhängen kann. Wichtig scheint mir die Feststellung zu sein, daß das Eindringen der Megalithkultur in eine verhältnismäßig junge Zeit des Neolithikums überhaupt zu setzen ist. Das Fehlen der alten spitznackigen Feuersteinbeile und das geringe Vorkommen von dünnackigen Beilen redet da eine deutliche Sprache. Die Frage nach den Beziehungen zu den altertümlicheren Vorkulturen unserer Heimat( Mesolithikum, Walzenbeile) wird dadurch um so spannender. Daß Vf. auch die sonst weniger beachteten Verbindungen zur ostdeutschen Megalithkeramik betont, ist nur zu begrüßen, weil hier ein Gebiet berührt wird, das eine gründliche Durcharbeitung dringend erfordert.
Durch kräftige Einwirkungen von außen her wird nun nach Vfs. Darlegungen die einheimische Megalithkultur belebt. Die Ausstrahlungszentren, die befruchtend auf die Mark gewirkt haben, sucht Vf. mit guten Gründen in Mitteldeutschland. Er stellt sich damit bewußt gegen die Anschauung, die jede wesentliche Belebung in kultureller Beziehung vom Norden ableitet und sie in den meisten Fällen mit Auswandererwellen von dort her verbindet. Die Beweisführung muß dabei natürlich oft, weil es sich meist um stilistische Fragen handelt, in gewisser Weise subjektiv bleiben, und so wird auch Vf. bei diesen Problemen noch nicht das letzte Wort gesprochen haben.
Die Entwicklung der Havelländerkultur( früher Burg- Molkenberger Kultur genannt) ihre Verbreitung ergibt sich aus ihrem Namen- ist demnach auf eine stilistische Beeinflussung der einheimischen Kultur durch die südwestliche Walternienburg- Bernburger Kultur zurückzuführen. Die mit flächenbedeckenden und abwechslungsreichen Mustern