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zweiten Lebensjahr. Das zeigt ihr bräunlich geflecktes Gefieder. Es ist auch sehr selten, daß ein ausgewachsener Vogel in die Hand des Menschen fällt. Die meisten Exemplare, die wir kennen, sind im ersten oder zweiten Lebensjahr gefangen.
Ein Binnenvogel, der es zuweilen aber nicht verschmäht, bis an die Küste vorzudringen und in stolzem Flug durch das Gewimmel der vielfachen Vogelarten zu schweben, ist unser, leider immer seltener werdender Fischadler. Seine starken Schwingen tragen ihn oft Stunden weit von seinem Horst, den er Wohl in einer alten Baumkrone, an einem stillen, fischreichen Binnensee erbaut hat und zu dem er Jahr für Jahr wiederkehrt. Wir sehen ihn in unserem Schrank mit den prachtvoll gebreiteten Schwingen über das Watt dahinschweben. Seine Nahrung besteht ausschließlich aus Fischen, und so kann es geschehen, daß in seinem alten, großen Horst unzählige, zutrauliche Vögel nisten, die in seiner unmittelbaren Nähe in ihre Nester ans- und einschlüpfen, ohne daß' ihnen ein Leides geschieht. Der Fischadler ist, da er durch die unvernünftige Verfolgung des Menschen ganz auszusterben drohte, unter Schutz gestellt.
Wir wenden uns nun von den behenden, fast dauernd in Bewegung befindlichen Fliegern den seßhafteren Vögeln zu, die trippelnd, laufend, wandelnd ihre Nahrung im Watt zu finden wissen. Auch von ihnen sind ein paar Arten in unserem Schrank vertreten, aber wie vermöchte man ein Bild von der unendlichen Fülle zu vermitteln, mit der Scharen über Schareil den Strand bevölkern? Gleichen doch allein die verschiedenen Arten der Strandvögel, wenn sie, von ihren Plätzen aufgescheucht, emporfliegen, wahren Wolken. Wir haben davon nur den Alpen- Strandläufer und den Sand-Regenpfeifer aufzuweisen, gesellige Vögel, die in großen Mengen beieinander wohnen und sich lustig trippelnd zwischen den anderen Herumtreiben. Ihre Wanderzüge unternehmen sie nachts, dann hört man ihren vielstimmigen Ruf durch das Dunkel ertönen.
Eine ganz außerordentlich charakteristische Erscheinung für unseren Nordseestrand ist der A usternfische r. Schwarz-weiß ist sein Gefieder, lenchtendrot sind der starke Schnabel und die langen Beine. Wie ein leuchtendes Band säumen die ruhenden Tiere den Strand ein, als schimmernde Farbflecke wandeln sie zwischen den Muschelhaufen, die ihnen Nahrung bieten, in langgestreckten Zügen fliegen sie nüt zitternden: Flügelschlag, auch im Fluge ein prächtiges Bild bietend. Die brütenden Paare aber sondern sich ab, sie haben keine gemeinsamen Brut- Plätze. Ihre Nester polstern sie mit kleinen Muschelschalen aus. Der Name Austernfischer ist unberechtigt. So kräftig der Schnabel des Vogels ist, so würde er doch gegen eine sich schließende Auster sich nicht wehren können. Man findet sogar zuweilen, daß die Miesmuschel, von der der Vogel sich nährt, zu kräftig für ihn gewesen ist. Im vergeblichen Kampfe mit ihr ist er verendet. Doch weiß er seinen Schnabel recht gut gegen andere Vögel zu gebrauchen und wird deshalb von ihnen mit dem gebührenden Respekt behandelt.
Gäste aus dem Binnenland sind der Große Brachvogel, der Negenbrachvogel und die Uferschnepfe, die den Strand aber gern und auch zu längerem Verweilen besuchen. Mit ihren langen Schnäbeln finden sie reiche Nahrung im Watt und stolzieren vornehm zwischen den kleinen Uferläufern umher. Besonders der Große Brachvogel ist ein gar stattliches Tier mit seinem langen, gebogenen Schnabel. Er ist auch in unserer Gegend beheimatet. An stillen Abenden wird schon so mancher seinen Ruf gehört haben. Wenige nur bekommen ihn zu Gesicht, denn er ist einer unserer scheuesten Vögel. In einsamen Sumpfgebieten, die für den menschlichen Fuß unzugänglich sind, lebt und brütet er. Dort findet er auch seine Nahrung und seine Flüge unternimmt er nachts, wie denn überhaupt viele der Strandvögel, die Regenpfeifer und Flußläufer, nachts munterer sind als am Tage. Auch an der Küste ist der Brachvogel der erste, der abstreicht, wenn ein menschlicher Fuß sich naht. Diese Scheu und die günstigen Lebensbedingungen sind Ursache, daß der Brachvogel