Niedergang zu immer wiederkehrender Wintersnot, die aber überwindbar sein wird; und wenn nach Herbststürmen der Winterriese gesiegt hat, und scheinbar alles Leben tot ist, im Lande man mitleidend der Toten gedenkt, ist's nicht mehr weit zur Geburtsfeier des neuen Lichtes zur Wintersonnwendzeit, und die tiefe Lebensbejahung der nordischen Menschen feiert das schönste Hoffnungsfest fröhlich und voll von Lebensfreude.
Im Vorfrühling, wenn der Sieg des Lichtes vor der Türe steht, ist die Festfreude am ausgelassensten, denn nun ist die lichtgläubige Arbeits- und Schaffenskraft nicht mehr zu halten und sie kann nun auch hinausgelassen werden, sich in Feld und Flur zu betätigen.
So erlebten unsere Vorfahren den Jahreslauf in ihren Festen, feierlichreligiös, religiös im tiefsten Sinne, und praktisch, d. h. tatfroh, zugleich, denn der lebendige Sinn alles Nachdenkens ist uns Kraftschöpfen zu lebenfördernder Tat!
Im Provinzialmuseum zu Halle, der Forschungsanstalt für deutsche Vorzeitkunde, die der Erkenntnis der Anfänge, der Wurzeln deutscher Kultur uud des deutschen Volkes gewidmet ist, werden neben der Feststellung der materiellen Vorzeitkultur neuerdings mit besonderem Eifer die geistigen Dinge unserer Vorzeit erforscht. Gerade über die alten heimischen nordeuropäisch-indogermanisch- germanisch-deutschen Jahreslauffeste hat sich dabei Vieles für uns alle gerade in unserer Notzeit Wissenswertes und Wertvolles ergeben, und ein Kreis junger, zukunstgläubiger Menschen hat es deshalb unternommen, unsere alten, schönen, tiefen, ernsten und lustigen Volksbränche in Form regelmäßiger Jahreslaufspiele zu zeigen. Vielgestaltige, symbolisch-feierliche und unterhaltsame Bräuche und besonders Sang und Tanz in ihren alten, reinen Formen werden da gepflegt und gezeigt — so sind sie wert und fähig, wieder in unserem Volke lebendig zu werden ohne Gefahr sinnloser Tanz- und Singwut.
Tausende von weit und breit haben sich bei den haitischen Jahreslaufspielen schon Trost und Mut in festlichen, ernsten und frohen Feierstunden geholt. Es hat dort eine Wiedererweckung des schönen Reigens festlicher Tage im Jahreslauf ernstschaffender deutscher Menschen begonnen, denen Heimat und Volk nicht leerer Klang sind, sondern tiefes tägliches Erleben: und das verlangt Feste im - Kreise Gleichgesinnter, mit Reigen, Sang und feierlichen: Brauch. Gerade jetzt feierten wir im Lichthof des Provinzialmuseums eiu Vorfrühlingsfest (Karneval- Fasenacht), das uns mit seiner fortreißenden Lebensbejahung unvergeßlich sein wird. Die uralte deutsche Sitte der Abrechnung mit der Narrheit zur Fasenacht, wie sie auch unfern Hans Sachs zu seinen Komödien veranlaßt hat, lebte da wieder kräftig auf: toll uud ernst zugleich, lehrreich und lebensfroh.
Vorträge und kleinere Aufführungen als Anregung zu eigenen: Schaffen rings im Lande sind von Halle aus schon mehrfach an anderen Orten unserer Heimat erfolgreich unternommen.
Es ist gut deutsche Art, daß von den ernsten Stätten der Forschung Lebenskraft ausgeht für unser Volk, denn auch Freude und Frohsinn stehen den: Deutschen von altersher in: Zeichen ernsten Gedenkens an die großen Zusammenhänge allen Seins.
Wir werden weiterhin mehr berichten über diese schöne Arbeit am Volkswohl.