Heft 
(1921) 1
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Mitteilungen

des

Heimat- und Museumsvereins in Heiligengrabe.

5 . Jahrgang. Heft 1. ^

Ein paar Worte über Feiern und Feste.

Heimatverein

Perleberg

Von Professor Hahne, Halle.

Feiern ist dem deutschen Empfinden Ansruhen aber im Sinne feierlichen Bewusstwerdens von etwas Erreichtem, ein Rückschauen und kräftesammelndes Vorwärtsblicken zu neuem Schaffen.

Ein Fest ist feierliches Tun, Schaffen zu feierlichem, frohem Zweck. Feier­abend und Festes-Vorabend unterscheiden sich ebenso in unserem Empfinden. Die deutsche Sprache, die so tief und fein unterscheidet, nennt den Fest-Vorabend heiligen Abend dem: die Feste sind ursprünglich feierliche Handlungen ge­wesen an heiligen Tagen, an Tagen hoher Bedeutung. Vergnügt kann's her- , gehen beim Feste, das festlich-gesellige Treiben gibt auch dem persönlichen Lust­empfinden Genüge; Amüsement ist aber die Huldigung an die leichtesten und wie das Fremdwort zeigt, den: ursprünglich deutschen Festsinne fremden Musen im Feierbedürfnis des Menschen, das zum gesunden Wechsel zwischen Arbeit und Ruhe führt.Moderne" Feste sind meist nur uochVergnügen",Amüsement".

- Alle unsere alten Volksfeste find bis heute im Grunde durchaus noch feierlich in einem altfränkisch anmutenden Grade; man höre nur einmal die feierlichen Heische- und Bettelsprüche bei Pfingst- und Kirmesumgängen: Das kommt daher, daß die ursprünglich alle feierliches Miterleben, festlicheBegehungen" der großen Naturvorgüngedarstellen", weil in ihnen sich unsere Vorfahren sinnfällig immer wieder vergegenwärtigten, daß die Naturgesetze und -erscheinungen auch dem menschlichen Dasein und der menschlichen Lebensarbeit Richtung geben. Nicht mehr allen ist das heute bewußt, da viele scheinbar unabhängig leben von den natürlichen Bedingungen der Heimat.

Gerade in unseres Volkes nordischer Heimat zeigt sich auffällig im Jahres­lauf der Einfluß des Kampfes zwischen Winter und Sommer, Licht und Finster­nis auf das Wohl und Wehe der Menschen, und unsere alten Jahresfeste stellen ihn dar: Sieg und Herrschaft der Sonne bis zu ihrem Erliegen in der Gefangen­schaft in Winters Gewalt und wieder bis zur Erlösung.

In seinen Festen zeigt ein Volk seine Wesensart, und die Volksfeste sind Erzieher zum Festwerden und Festhalten an tiefster erprobter Lebensgesinnung, damit die alte natürliche Kraft nicht zerfalle. Einige Beispiele:

Erntefest ist stolzer Rückblick auf geleistete Arbeit, feierlicher Dank, festliches Ausruhen und ernste innere Vorbereitung zu weiterer» und neuem Schaffen altehrwürdige Feste geben ein Bewußtsein, daßdas immer so war", daß es eine Gesetzmäßigkeit ist, die zu allen neuen Mühen Stärke gibt.

Mai- und Sommerfeste find reinste Lebensfreude; am Sonnwendfeuer steht aber das Bewußtsein, daß Lebenshöhe zugleich Ahnung ist von Welken und