EHRUNG
Nr. 2/93— Seite 3
Ehrendoktorwürde für Prof. Witt
Der Geschäftsführende Direktor des Fachbereiches Slavistik an der Universität Potsdam, der Sprachwissenschaftler Prof. Dr. phil. habil. Walter Witt, erhielt am 29. Januar 1993, einen Tag vor seinem 60. Geburtstag, die Ehrendoktorwürde der Russischen Staatlichen Pädagogischen Universität A. I. Herzen St. Petersburg verliehen. Als erstem Hochschullehrer unserer Einrichtung nach 1989 wurde ihm diese Auszeichnung zuteil.
Die Ehrung nahm in Anwesenheit des Gründungsrektors, Prof. Dr. Rolf Mitzner, zahlreicher Gäste, Kollegen und Studenten der Rektor der St. Petersburger Universität, Prof. Dr. Gennadij Alekseevic Bordovskij, vor. In seiner Begründung würdigte er Prof. Witt als einen bekannten Slavisten, dessen Werke in seiner Heimat hoch geschätzt seien. Er habe einen bedeutenden Bei
trag zur Lehre der russischen Sprache als Fremdsprache geleistet, sich um Kontakte zur Erweiterung und Vertiefung der wissenschaftlichen und menschlichen Beziehungen zwischen
den Slavisten verdient gemacht und damit einen großen persönlichen Anteil an der Entwicklung der Slavistik.
Gemeinsame Forschungsvorhaben, auch in der Zukunft, seine
Prof. Bordovskij(r.) überreicht Prof. Witt die Ehrenurkunde.
Foto: Rüffert
Dissertationen(1971, 1976), zahlreiche Publikationen und die Betreuung von vielen Doktoranden sind Beleg für seine linguistische Vielseitigkeit.
Durch diese Ehrung fühle er sich in besonderem Maße der Zukunft
=| in Lehre und Forschung ver
pflichtet, so Prof. Witt in seinen
=| Dankesworten. Er will sich als | Konsultant für die Jüngeren zur | Verfügung stellen. Das„Aufein| anderzugehen von Sprachen“ =! stelle eine kulturelle Bereiche
rung dar und erhöhe die Achtung voreinander.
Gegenwärtig ist Prof. Witt mit der Erarbeitung von Lehrmaterialien zur Geschichte der russischen Sprache und Weiterbildung der russischen Gegenwartssprache für Nichtrussen gemein
| sam mit Minsker Sprachwissen
schaftlern beschäftigt.
B. E.
Grundlegende Veränderungen
Aus Anlaß der Verleihung der Ehrendoktorwürde an Prof. Witt führten wir mit dem Rektor der Russischen Staatlichen Pädagogischen Universität A. J. Herzen St. Petersburg, dem Physiker Prof. Dr. Gennadij Alekseevit Bordovskij, folgendes Gespräch:
PUZ: Seit wann sind Sie Rektor der St. Petersburger Universität?
Prof. B.: Seit 1986 leite ich diese Einrichtung. 1990 erhielt das Staatliche Pädagogische Institut A. J. Herzen den Namen Russische Staatliche Pädagogische Universität A. I. Herzen St. Petersburg.
PUZ: Welche grundlegenden Veränderungen vollzogen sich an Ihrer Hochschule in den vergangenen Jahren?
Prof. B.: Prinzipiell veränderte
sich seit 1990 die Ausbildung der Studenten an unserer Universität.
Die damaligen Absolventen, die studieren wollten, legten mit dem Einschreiben ihren zukünftigen Beruf fest. Das gesamte Studium war auf die berufliche Tätigkeit ausgerichtet. Das war sehr effektiv, als noch eine Planwirtschaft exisitierte. Man wußte, wieviele Ärzte, Lehrer, Juristen usw. gebraucht wurden. Heute können wir natürlich noch nicht sagen, daß wir eine echte Marktwirtschaft haben, aber wir wissen, daß wir keine Planwirtschaft mehr haben. Jene, die früher eine „enge“ Berufsausbildung erfuhren, haben Schwierigkeiten, auf dem Arbeitsmarkt vermittelt zu werden. Da der Markt Flexibilität fordert, befinden wir uns heute ineiner Übergangssituation. Wir bauen neue Strukturen auf; wir wollen eine vielschichtige, verschiedene Niveaustufen umfassende Ausbildung. An unserer
Universität sieht das folgendermaßen aus.
Einer zweijährigen fundamentalen Grundausbildung schließt sich in weiteren zwei Jahren eine spezialisiertere„höhere‘“ Hochschulausbildung an. Nach diesen vier Jahren kann der Studierende den wissenschaftlichen Grad des Bakkalaureus erwerben. Daran kann sich eine einoder zweijährige Ausbildung zur Erringung eines Spezialdiploms oder des Magisters anschließen. Dem kann die Aufnahme einer Arbeit oder einer Aspirantur an der Universität folgen.
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PUZ: Trifft das von Ihnen Dargelegte nur für Ihre Universität oder auch für andere Hochschulen zu?
Prof. B.: An unserer Universität haben wir einen Vorlauf von zwei Jahren gegenüber den anderen. Seit 1993 gehen aber alle Universitäten Rußlands einen ähnlichen Weg wie wir.
PUZ: Vielen Dank für das Interview und alles Gute!
Es fragte Dr. Barbara Eckardt
Tintentaß