Heft 
(1.1.2019) 02
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Nr. 2/93 Seite 4

GÄSTE

Wenn möglich, käme ich gern wieder

Dies äußert Prof. Pulzer wäh­rend der letzten Tage seines Auf­enthaltes in Potsdam. In den ersten vier Wochen des neuen Jahres weilte er zu Gast im Fach­bereich Geschichte unserer Uni­versität. Der Besuch fand im Rahmen eines EG-Programmes, das durch den DAAD betreut wird, statt.

Wissenschaftliche Heimat Prof. Pulzers ist das All Souls College Oxford. Dort hat er einen Lehr­stuhl inne, der sich in etwa mit dem hiesigen Lehrstuhl für Poli­tische Wissenschaften verglei­chen läßt.

einem eventuellen späteren Be­such die ersten Eindrücke ver­vollständigen. Konkrete Termin­absprachen gebe es jedoch kei­ne.

Nach der angetroffenen Studen­tenschaft befragt, bleibt der Hi­storiker zurückhaltend. Für ein abschließendes Urteil habe er zu wenige Kontakte zu den Studie­renden knüpfen können. Auf­fallend sei für ihn deren Pünkt­lichkeit, Höflichkeit, Lernfreu­digkeit und der Respekt, dem sie dem Lehrenden entgegenbrin­gen. Durchaus kritisch bemerkt er jedoch auch die vorhandene

Prof. Pulzer

An der Universität Potsdam hielt der Brite eine Reihe von Vorle­sungen zur deutsch-jüdischen Geschichte, beginnend im 19. Jhd. und mit dem Jahr 1933 endend. Den Schwerpunkt setz­te er dabei auf die politische, weniger auf die Sozial- bzw. Wirtschaftshistorie.

Im Gespräch zeigt sich Prof. Pulzer beeindruckt von der hier geleisteten Pionierarbeit. Er werde sehr interessiert die Ent­wicklung weiterverfolgen und in

Foto: Görlich

Passivität und Konformität der Masse, ebenso die kaum gegebe­ne Übung bzgl. Argumentation und zwangloser Diskussion. Hier gebe es Unterschiede zu westli­chen Studiosis, die sich im be­reits absehbaren Angleichungs­prozeß sicher aufheben werden. Vielleicht können wir den sym­pathischen Gast schon bald wie­der begrüßen. Auf sein Urteil über das Vorgefundene darf man gespannt sein.

P. Görlich

Noch bis zum Ende des Sommersemesters in Potsdam

Gast im Fachbereich Germani­stik ist seit Beginn des Winterse­mesters Prof. Jochen Vogt. Er studierte Germanistik und Ro­manistik, promovierte in Bo­chum zur Exilliteratur. 1972 wirkte er als Professor in Gie­ßen. Ein Jahr später begann seine Tätigkeit an der heutigen Uni­versität-Gesamthochschule Es­sen.

Als nicht ganz neu empfindet

Literatur der Bundesrepublik (insbesondere von 1968 bis zur Gegenwart). Seminare und Vor­lesungen wird er dafür nutzen. Eine inhaltliche Erweiterung seiner Veranstaltungen in Rich­tungmoderne Massenmedien hat er sich fest vorgenommen. Das Interesse bei den Studieren­den und bei den sich in der Fort­bildung befindenden Lehrern zu dieser Thematik ist groß.

Prof. Vogt

Prof. Vogt für sich die Situation hier in Potsdam. Vor zwanzig Jahren erfolgte in der Bundesre­publik die Gründung von fünf Gesamthochschulen, Essen war

]Jeine davon. Sie ging ebenfalls

aus einer Pädagogischen Hoch­schule hervor, und es traten, ebenso wie in Potsdam, Proble­me bzgl. des Zusammenfindens sowohl inhaltlicher als auch for­maler, personeller Natur auf. Den Kontakt zwischen Essen und Potsdam gibt es schon seit län­gerer Zeit. Gerade auf dem Ge­biet der Germanistik werden in­tensive Beziehungen gepflegt, die sehr gut funktionieren. Die­se sogenanntenBasiskontakte sollen auch weiterhin ausgebaut werden. Zu bedauern sei aller­dings, so der Wissenschaftler, ihr letztendlich geringer Einfluß auf notwendige Strukturentschei­dungen.

Auch im kommenden Semester setzt der Essener seinen Schwer­punkt in der Lehre auf die Ver­mittlung von Kenntnissen zur

Foto: Görlich

Freuen würde sich Prof. Vogt über das Zustandekommen eines 4tägigen Blockseminars in Gül­pe, geplant ist es für das Som­mersemester. Studenten aus Pots­dam und Essen könnten sich zusammenfinden, um über den Philosophen und Kulturkritiker Theodor Adorno zu streiten. In den Begegnungen mit den Stu­denten sei dem Gast v. a. deren Lesefreudigkeit aufgefallen. Den durch die DDR-Verhältnisse entstandenen Nachholebedarf an Literaturkenntnis würden sie mit Engagement aufholen. Ihre De­fizite in der Fähigkeit, frei zu sprechen und zu argumentieren, könne man durch entsprechen­desTraining abbauen.

Das Arbeiten hier in Potsdam bezeichnet Prof. Vogt als ange­nehm. Er hofft nach Beendigung seiner hiesigen Tätigkeit auf das Weiterbestehen der persönlichen Kontakte und den Ausbau der einzelnen Elemente der Zusam­menarbeit.

P.G6: