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GÄSTE
„Wenn möglich, käme ich gern wieder“
Dies äußert Prof. Pulzer während der letzten Tage seines Aufenthaltes in Potsdam. In den ersten vier Wochen des neuen Jahres weilte er zu Gast im Fachbereich Geschichte unserer Universität. Der Besuch fand im Rahmen eines EG-Programmes, das durch den DAAD betreut wird, statt.
Wissenschaftliche Heimat Prof. Pulzers ist das All Souls College Oxford. Dort hat er einen Lehrstuhl inne, der sich in etwa mit dem hiesigen Lehrstuhl für Politische Wissenschaften vergleichen läßt.
einem eventuellen späteren Besuch die ersten Eindrücke vervollständigen. Konkrete Terminabsprachen gebe es jedoch keine.
Nach der angetroffenen Studentenschaft befragt, bleibt der Historiker zurückhaltend. Für ein abschließendes Urteil habe er zu wenige Kontakte zu den Studierenden knüpfen können. Auffallend sei für ihn deren Pünktlichkeit, Höflichkeit, Lernfreudigkeit und der Respekt, dem sie dem Lehrenden entgegenbringen. Durchaus kritisch bemerkt er jedoch auch die vorhandene
Prof. Pulzer
An der Universität Potsdam hielt der Brite eine Reihe von Vorlesungen zur deutsch-jüdischen Geschichte, beginnend im 19. Jhd. und mit dem Jahr 1933 endend. Den Schwerpunkt setzte er dabei auf die politische, weniger auf die Sozial- bzw. Wirtschaftshistorie.
Im Gespräch zeigt sich Prof. Pulzer beeindruckt von der hier geleisteten Pionierarbeit. Er werde sehr interessiert die Entwicklung weiterverfolgen und in
Foto: Görlich
Passivität und Konformität der Masse, ebenso die kaum gegebene Übung bzgl. Argumentation und zwangloser Diskussion. Hier gebe es Unterschiede zu westlichen Studiosis, die sich im bereits absehbaren Angleichungsprozeß sicher aufheben werden. Vielleicht können wir den sympathischen Gast schon bald wieder begrüßen. Auf sein Urteil über das Vorgefundene darf man gespannt sein.
P. Görlich
Noch bis zum Ende des Sommersemesters in Potsdam
Gast im Fachbereich Germanistik ist seit Beginn des Wintersemesters Prof. Jochen Vogt. Er studierte Germanistik und Romanistik, promovierte in Bochum zur Exilliteratur. 1972 wirkte er als Professor in Gießen. Ein Jahr später begann seine Tätigkeit an der heutigen Universität-Gesamthochschule Essen.
Als nicht ganz neu empfindet
Literatur der Bundesrepublik (insbesondere von 1968 bis zur Gegenwart). Seminare und Vorlesungen wird er dafür nutzen. Eine inhaltliche Erweiterung seiner Veranstaltungen in Richtung„moderne Massenmedien“ hat er sich fest vorgenommen. Das Interesse bei den Studierenden und bei den sich in der Fortbildung befindenden Lehrern zu dieser Thematik ist groß.
Prof. Vogt
Prof. Vogt für sich die Situation hier in Potsdam. Vor zwanzig Jahren erfolgte in der Bundesrepublik die Gründung von fünf Gesamthochschulen, Essen war
]Jeine davon. Sie ging ebenfalls
aus einer Pädagogischen Hochschule hervor, und es traten, ebenso wie in Potsdam, Probleme bzgl. des Zusammenfindens sowohl inhaltlicher als auch formaler, personeller Natur auf. Den Kontakt zwischen Essen und Potsdam gibt es schon seit längerer Zeit. Gerade auf dem Gebiet der Germanistik werden intensive Beziehungen gepflegt, die sehr gut funktionieren. Diese sogenannten„Basiskontakte“ sollen auch weiterhin ausgebaut werden. Zu bedauern sei allerdings, so der Wissenschaftler, ihr letztendlich geringer Einfluß auf notwendige Strukturentscheidungen.
Auch im kommenden Semester setzt der Essener seinen Schwerpunkt in der Lehre auf die Vermittlung von Kenntnissen zur
Foto: Görlich
Freuen würde sich Prof. Vogt über das Zustandekommen eines 4tägigen Blockseminars in Gülpe, geplant ist es für das Sommersemester. Studenten aus Potsdam und Essen könnten sich zusammenfinden, um über den Philosophen und Kulturkritiker Theodor Adorno zu streiten. In den Begegnungen mit den Studenten sei dem Gast v. a. deren Lesefreudigkeit aufgefallen. Den durch die DDR-Verhältnisse entstandenen Nachholebedarf an Literaturkenntnis würden sie mit Engagement aufholen. Ihre Defizite in der Fähigkeit, frei zu sprechen und zu argumentieren, könne man durch entsprechendes„Training“ abbauen.
Das Arbeiten hier in Potsdam bezeichnet Prof. Vogt als angenehm. Er hofft nach Beendigung seiner hiesigen Tätigkeit auf das Weiterbestehen der persönlichen Kontakte und den Ausbau der einzelnen Elemente der Zusammenarbeit.
P.G6: