Heft 
(1885) 28
Seite
657
Einzelbild herunterladen

Die Erbtante van Johannes van Dewatt.

657

schmalen, beinahe regelmäßigen Zügen, Wuth, Gier und Falschheit stritten um den Vorrang. Laute Flüche, deren Inhalt mit jedem verlorenen Wurfe kräftiger wurde, entflohen den verbissenen, schmalen Lippem

Schimpfen Sie doch nicht so unchristlich!" rief einer der Mitspielenden mit einem Stirnrunzeln herüber.

Laß ihn, Rothkirch, er hat seine Seele längst dem Teufel verschrieben, 's kommt nicht mehr darauf an."

Hol' euch selbst der.Teufel und laßt mich in Ruhe!" rief der Assessor mit einem zornigen Blicke und warf ein Goldstück ans die Sieben.

Danke bestens, wir sind dort nicht so gut an­geschrieben wie Sie," gab man zurück.

Jener hörte schon nicht mehr, denn er starrte mit brennenden Augen auf die rollenden Würfel.

Es kam die Sieben.

Ihr Freund Mephistopheles hat Sie erhört dieses Mal," ries eine andere, auffallend dünne Stimme.

Der Assessor von Steinfurt zog das Geld ein, behielt cs einen Augenblick ungewiß in der zusammen­geballten Linken und setzte es dann mit einem plötz­lichen Entschluß abermals aus die Sieben. Noch ruhte der Finger eine Minute lang ans dem Golde, dann zog er ihn fort, die Würfel klapperten.

Es war abermals die Sieben, welche heranskam.

Nun lagen dort sechzehn Goldstücke beieinander. Die Augen des Gewinners begannen zu funkeln, sein Mund verzog sich zu einem häßlichen, höhnisch triumphirenden Lächeln er war geradezu ab­schreckend in diesem Augenblicke.

Die Spötter, Zwei hübsche Offiziere von den Gardereitern, stießen sich einander an und flüsterten sich etwas zu.

Meine Herren, Ihre Einsätze!" rief der Bankier, die Würfel fielen und abermals hatte Steinfurt ge­wonnen, wenn auch dieses Mal eine kleinere Summe.

Ihr Freund mit der Hahnenfeder hat Ihnen abermals geholfen!" rief dasselbe dünne, blecherne Sümmchen von vorhin,müssen braten dafür in der Hölle."

Die klebrigen lachten, aber der Spieler selbst beachtete diese Scherze nicht, er lauerte nur auf den nächsten Satz.

Es kam hernach Jemand herein und mahnte, daß es Zeit sei, zu Tisch zu gehen, cs schrieben einige Herren etliche flüchtige Worte und Zahlen aus Visitenkarten, das waren die Geplünderten: sie hatten Zuletzt auf Wort gespielt man brach auf. Herr von Steinfurt war noch beschäftigt, sein Geld einzuscharren, er hatte gegen Ende des Spiels ein wirklich unangenehmes Glück gehabt, er trug beinahe Alles davon, was die klebrigen mitgebracht halten.

Haben ja ein heidenmäßiges Glück gehabt, lieber Assessor," brummte ihm Lieutenant von Rothkirch in's Ohr.Ist unrecht, uns arme Teufel so zu schröpfen, wenn man die Wittwe eines Nabobs in Aussicht hat. Darf Ihnen wohl einen Dienstmann bestellen, oder eine Droschke?"

Durchaus nicht nöthig," versetzte Jener, ohne

Deutsche Roman-Bibliothek. XII. 14.

auszublicken, mit einem Stirnrunzeln, und fuhr fort, die schmutzigen Papierscheine und das kleine Geld Zn zählen.

Na, dann gute Verrichtung!"

Der Gewinner war der Letzte, alle klebrigen waren bereits gegangen. Er erhob sich nach einer Weile und klingelte dem Kellner.

Geben Sie mir für diesen Kaff da großes Geld, Gold am liebsten," befahl er, aus das aufgezählte Silbergeld deutend,es sind dreihundert- undeinundzwanzig Mark und etliche Nickel."

Der Kellner sah das Geld an, lächelte bedeut­sam in seinen Frackkragen hinein und entfernte sich dienstfertig mit dem Bedeuten, er würde den Ober­kellner rufen, er habe nicht so viel Geld.

Der Oberkellner erschien der Assessor wieder­holte sein Verlangen, wie gewöhnlich mit kurzen, be­fehlenden Worten. Ihm wurde aber nicht ebenso pünktlich gehorcht, der Oberkellner, welcher mit einem Blicke übersah, was hier vorgegangen war, der viel­leicht auch von den Fortgehenden ein Wort auf- gefangen hatte, ein kleiner, energischer Mann über- dieß, begann mit respektvoller Haltung zwar, aber doch ziemlich bestimmt, ein höchst unangenehmes Ge­spräch mit dem ehemaligen Diplomaten; mit einem Worte, dieser saß bei ihm und im Geschäft etwas hoch in der Kreide und dieß war vielleicht ein ge­eigneter Moment, um zu seinem Gelde zu gelangen, der nicht so leicht wiederkam. Es waren ihm über die Zahlungsfähigkeit des Herrn Assessors allerhand Zweifel ausgestiegen in der letzten Zeit.

Was, Sie haben die Frechheit, mich zu treten?" rief der Assessor, sich empört in die Brust werfend.

Aber der Oberkellner ließ sich durchaus nicht einschüchtern durch dessen große Manieren.

Wenn Sie das Verlangen, in den Besitz meines Geldes zu kommen, so zu nennen belieben, Herr Baron," erwiederte er sehr bestimmt,dann muß ich mir das gefallen lassen. Ich habe Ihnen wieder­holt große Summen geliehen, ohne Bürgschaft und ohne Zn mahnen der Termin der Rückgabe ist längst verstrichen heute brauche ich mein Geld."

Die Augen des Assessors wanderten einige Male hin und her und seine Hände ballten sich, aber sein Renommee stand auf dem Spiele, wenn er nicht zahlte, wenn der Kellner etwa Lärm schlug. Mit einem Fluche, widerwillig griff er in die Tasche und warf Goldstücke und Scheine bunt durcheinander klirrend auf den Tisch.

Machen Sie sich bezahlt!" sprach er hochfahrend, nahm seinen Paletot und die Akten und setzte seinen Hut auf.

Ich bekomme vierhundertundsünfzig Thaler Zinsen berechne ich nicht," versetzte gleichmüthig der Oberkellner.

Hol' Sie der Teufel und nehmen Sie zehn Prozent! Was, Sie danken? Dann nehmen Sie fünfzehn, oder ich setze nie wieder einen Fuß in diese Kneipe!"

Dann kann ich die Kleinigkeit, welche das Ge­schäft Zugute hat, wohl ebenfalls gleich mit ab­rechnen?"

83