Heft 
(1885) 28
Seite
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Deutsche Roman -Bibliothek.

erkannte man einen Herrn von mittlerer Größe mit einem militärisch Zugestntzten Schnurrbart und eine schlanke, dicht verschleierte Dame; sie gingen sehr lang­sam und waren offenbar ganz vertieft in ihr Gespräch.

Die Beiden dort in: Grase durchzuckte beim Klange dieser Stimmen der nämliche Gedanke; sie sahen sich plötzlich bestürzt an, ja Egon machte sogar Miene, sich zu erheben, aber Helene hielt ihn fest.

Um Gottes willen, still!" bat sie.Aeffchen, hieher!" lockte sie leise den Pintscher an sich heran und hielt ihm mit der Hand die Schnauze zu. Kein Zweifel, es waren der Lieutenant von Rothkirch und Egon's Schwester Frida, welche hier draußen eine trauliche Mondscheinpromenade mit einander machten. Die Ueberraschung war sehr niederschlagend. Sie unterhielten sich von sich selbst, die Ver­schleierte machte dem Herrn an ihrer Seite offenbar Vorwürfe über sein Benehmen, die Eifersucht mischte sich ein; es wäre nicht nöthig gewesen, daß er Frau von Banmbach nach Hause begleitet hätte, er sollte ihr nicht etwa einreden, daß das der Mutter wegen geschehen sei, bloß um mit Bertha Zu kokettireu, hätte er es gethan o, sie kenne ihn ganz genau!

Aus Ehre nicht! Das sind Narrenspossen, Frida," versetzte der Offizier mit Nachdruck.Was liegt mir an dem albernen Frauenzimmer!"

Der Dragoner hielt kaum noch an sich; er war in einer solchen Empörung über diese Entdeckung, daß seine Hände sich ballten und seine Augen Blitze sprühten.

Egon!" mahnte Helene, seinen Arm mit beiden Händen sesthaltend.

Ist das nicht Deines Onkels Villa hier?" fragte der Lieutenant, plötzlich stehen bleibend. Und die schmale Hecke trennte die beiden Pärchen jetzt.

Ich glaube ja," versetzte Frida kurz.

Der alte Geizhals hat sich einen ordentlichen Batzen Geld zusammengescharrt, wie ich höre, schade, daß wir das nicht haben. Komm', sei gut, Frida, und maule nicht mit mir," fuhr er gleich darauf fort. . .Zu dumm, das Maulen!"

Dieses Mal war es Helene, welche blaß wurde, als man so unbotmäßig von ihrem Vater sprach.

Wenn Deine indische Erbtante kommt viel­leicht heirathe ich die auf den Abbruch und dann wirst Du meine Zweite," fuhr Rothkirch mit plumpem Scherze fort.

Deine Witze helfen Dir zu nichts," versetzte Frida hartnäckig.Du hast auch wieder gespielt... heute früh erst wieder mit meinem Bruder."

Du weißt das? Die alte Klatsche!"

Ich weiß es nicht von Egbert selbst der wäre der Letzte; ich hörte es zufällig von Lieutenant von Pfeil, der sagte es zu jemand Anderem."

Ich werde dem Kleinen gründlich den Kopf waschen-"

Hier wurden die Stimmen allmälig nnvernehmlich.

Ganz bleich und Zitternd richtete Egon sich auf und starrte ihnen nach.

O, daß man nicht vortreten kann und sie auf frischer That Zur Rede stellen, aber morgen gehe ich hin und fordere den Kerl, und Frida... die soll sich auf etwas gefaßt machen . . . solch' eine..."

Egon! halt' an Dich! Mäßige Deinen Zorn, lieber Schatz; er ist vielleicht gerecht. . . aber sieh' doch, wo Du bist! Thun wir denn Besseres und darfst Du Dich deßhalb zum Richter aufwerfen über Jene?" sprach Helene mit nachdrücklicher Mahnung, immer noch ihn festhaltend und Zitternd vor Furcht.

O! wir und Die ... das ist ganz etwas Anderes!" rief Egon heftig zurücktretend.Wir Beiden ... Du vor Allen, Helene, und Die... ihr seid gar nicht mit einander zu vergleichen, in einem Athen: zu nennen . . . Frida ist ein leichtfertiges Frauenzimmer! Sich Du zu nennen und hier herum zu laufen und noch dazu mit einem Menschen wie Rothkirch! . . . Welche Blamage für uns Alle und besonders für mich!"

Die kluge Helene war froh, daß Egon's erster Zorn sich in Worten verpuffte, sie hörte zu, ohne ihn Zu unterbrechen, sah ihm angstvoll in's Gesicht und hielt ihn fest, bei den letzten Worten aber er- röthete die Jungfrau vom Halse bis zur Stirn. Sie senkte das Auge und sprach:

Welche harte Lehre gibst Du mir da!"

Egon hielt plötzlich inne, wandte sich hastig herum und sah sie an, ganz verwundert ganz erschrocken.

Ich? Dir eine harte Lehre?" rief er, ihren Kopf Zwischen seine beiden Hände nehmend.

Ja, Schatz, und mit Fug und Recht!"

Aber liebes Herz, wir haben doch redliche Ab­sichten wir können uns nur nicht anders sehen wegen dieser dummen Geschichte mit den Alten!... Und Du vor Allen, Du bist doch ein ganz anderes Frauenzimmer wie die Frida: im vorigen Winter erst das Herumgezerre mit Stilldorf, im Sommer vorher hat sie mit Werner kokettirt und mit wer weiß noch wie Vielen dummes Zeug gemacht, und nun ... Nein, Schatz, das brauchst Du Dir nicht anzuuehmen . . . Wir sind Verwandte außerdem und dann na, Lenchen, das wirst Du mir doch Zugestehen: am Ende, ich bin doch ein ganz anderer und viel soliderer Kerl wie der Rothkirch."

Ich meine, die Beiden haben auch wohl die­selben Absichten wie wir," versetzte Helene begütigend. Ich hörte, Rothkirch hätte etwas Vermögen."

Hatte! . . . Alles durchgebracht!. . . Alles ver­spielt! Mehr Schulden als Haare auf dem Kops!"

Das thut mir leid, dann sind die Aussichten allerdings schlimm. Aber was die Solidität anbetrifft" hier sah sie ihm groß in die Augen und legte ihre kleine Hand eindringlich auf feine breite Brust bist Du selbst denn viel besser als er? Rothkirch spielt Du verlierst Dein Geld ans den Rennen."

Der Dragoner in Civil machte eine etwas hef­tige, ungeduldige Bewegung. Diese Erörterung war ihn: fatal, aber er wehrte sich tapfer, mit dem Roth­kirch wollte er sich unter keiner Bedingung auf eine Stufe stellen lassen.

Nimm mir nicht übel, Lenchen." Hub er etwas unsicher an, sie hatte nämlich wirklich seinen wun­den Fleck berührt,es ist wahr, Schulden habe ich auch, aber ehrliche Schulden, und ich werde sie bezahlen. Der Rothkirch hatte Geld und konnte leben, ich habe keines und trage außerdem bei jeden: Rennen meine Haut zu Markte."