Heft 
(1885) 28
Seite
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Oie Erdtante von Johannes van Dewatt.

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O so gib es auf!" bat sie Zärtlich.

Ich kann nicht. Leuchen," versetzte er mit Eifer, indem er seinen Arm um ihre zierliche Gestalt schlang und ihr das dichte, krause Scheitelhaar küßte.

Warum kannst Du es nicht?" fragte sie mit einem leichten Versuche, sich Zu sträuben, Zurück.

Sieh', erstens liegt mir das im Blut; wenn ich einen Gaul sehe und einen grünen Plan, dann muß ich reiten und kostete es mir den Hals . . . Das verstehst Du nicht, mein Kind, das haben wir Männer nun einmal so an uns, wie ihr das Kochen oder Strümpfestricken. Du brauchst Dich nicht Zu opponiren dagegen . . . Und Zweitens, wenn ich es selbst wollte, Dir zuliebe, ich kann nicht, denn wovon sollte ich dann leben? ... Ich spreche nicht gern davon, aber Zulage bekomme ich nicht, die Mädchen und Egbert kosten dem Alten ein Heiden­geld, und der sitzt selbst bis über beide Ohren drin, also treibe ich Pserdehandel, davon und vom Reiten lebe ich."

Aber das ist ja schrecklich!" rief Helene ganz entsetzt und machte sich frei.

Nicht so furchtbar, als Du denkst," versetzte der Dragoner mit Humor.Mir macht der Kampf mit dem Dasein Freude! Möchte um Vieles nicht meinem Alten auf der Tasche liegen wie Egbert, und wenn ich einmal drin sitze, das andere Mal sitze ich wieder draußen, bin ich oben aus. Ich schwimme, aber ich habe gute Arme. Drum schilt mich nicht, Geliebte!"

Dann bist Du wirklich besser wie Rothkirch, armer Schatz, und ich nehme Alles zurück," sprach Helene gerührt und beklommen zugleich durch diese für ein Mädchen und namentlich für eine Geliebte höchst seltsame Mittheilung.

Meinst Du wirklich?" fragte er lachend und sie küssend dann.

Ja, beim Himmel, Egon! und es freut mich, aber traurig macht es mich doch!"

Gräme Dich nicht darum, ich bin stark und gesund und Lin wohlgelitten und habe vor Allem einen so lieben und hübschen Schatz mit keinem Könige tausche ich in der ganzen Welt. Aber dem Monsieur, dem Rothkirch, und der Frida, denen steige ich morgen auf's Dach."

Thue das Du bist im Recht, aber handle mit Vorsicht und Schonung, Egon. Die Sache ist eine sehr delikate. Ein jedes Aufsehen oder Bekaunt- werden muß ängstlich vermieden werden."

Laß mich nur machen, Schatz," sprach er, sie küssend,ich kenne meine Vögel und werde sie dar­nach behandeln."

Sie saßen dann eine Weile und sahen vor sich hin. Jene Beiden waren längst verschwunden. Der Mond schiffte eben durch eine silberne Federwolke.

Vielleicht wenn die Tante aus Indien kommt, dann kann doch aus den Beiden ein Paar werden," sprach Helene nachdenklich.

Glaubst Du an die alte Geschichte? ich nicht," versetzte Egon lebhaft.Seit meinen Kinderjahren höre ich immer von der Erbtante, gesehen aber hat noch Niemand etwas von ihr, und beim Himmel oft ging es uns schlecht genug!"

Sie ist übel behandelt worden von der Familie."

Gleichviel, ich halte sie für rankünirend, dann wird sie auch jetzt nichts Herausrücken, wenn sie überhaupt etwas hat, und vorläufig hat sie weiter nichts gestiftet, als daß der Teufel hier toller los ist wie je."

Auch ich sehe der Ankunft der alten Dame mit Sorge entgegen," sprach Helene beklommen,es wird nichts wie Unfrieden geben. Die alte Frau wird eine rechte Freude haben, wenn sie den Wirrwarr hier sieht. Wo möglich reist sie gleich wieder ab. Dein Vater kommt nicht in unser Haus, der Doktor schon lange nicht mehr wir kommen nicht Zu euch was soll da werden?"

Der Himmel weiß es! Ich werde thun, was ich kann, um Frieden zu stiften."

Ich deßgleichen... doch horch' jetzt einen Kuß noch, und nun muß ich herein, es schlägt Zehn Uhr."

Helene erhob sich, von Egon unterstützt. Sie standen Beide und horchten. Von Weitem her, bald näher, bald ferner schlugen die Glocken, tief oder hell, dünner oder kräftiger. Der Abendwind trug den Schall zu ihren Ohren. Noch einmal sahen sie sich tief in die Augen die beiden Liebenden und sanken sich an die Brust.

Bleib' mir gut!"

Sei hübsch solid und schreib' mir morgen," flüsterte sie.

Noch ein zärtlicher Kuß und Helene wand sich los. Die Seide rauschte und knisterte, als sie die Hecke passirte, dann huschte sie über den Weg und verschwand in der Pforte. Der Dragoner stand da und sah ihr nach, dann pfiff er leise seinem Hund und ging mit großen Schritten von dannen.

Achtes Kapitel.

So geheim der Präsident von Steinfurt die An­kunft seiner theuren Cousine aus dem Diamanten­lande auch vor seinem Stiefbruder Konrad gehalten hatte, auf einem Hintertreppchen, welches wir ahnen, hatte derselbe doch Wind von Ort und Stunde be­kommen und stand nun ebenfalls am Kai des Stromes, etwas abseits, mit seiner Tochter und einem prachtvolleil Blumenstrauß, um diese zu er­warten, und weidete sich an der Wnth seiner Ver­wandten.

Die Tante Karoline in ihrer wunderlichen Weise kam nämlich nicht mit der Eisenbahn, wie jeder andere verständige Mensch, sondern mit dem Dampfboote, stromaufwärts noch dazu, wobei Niemand ahnen konnte, ob dasselbe richtig ankommen würde oder nicht.

Die ganze Familie von Steinfurt hatte sich auf das Stattlichste herausgeputzt; der Präsident prangte in einem blauen Frack mit Ordensbändern, deß­gleichen hatte Egbert, der Diplomat, ein seltsam ge­formtes Krenzlein au: Knopfloch hernmbaumeln, während die Mädchen in Hellen, modischen Kleidern, neuen Hüten und seidenen Dollmans paradirten. Ans die Idee, Blumen mitzubringen, war Niemand von ihnen gekommen. Die beiden Steinfurt, Vater und Tochter, waren einfach, aber passend gekleidet und hielten sich abseits.