Heft 
(1885) 41
Seite
975
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Aus der neuen deutschen Lyrik.

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der kleine Minstrel' schloß oftmals die Augen wie vor übergroßer Mattigkeit und Schwäche und lehnte den mädchenschönen Kopf gegen die hohe Lehne seines Stuhles.Armer Knabe," dachte Mathews,Du hättest George über mein Scheiden getröstet, Tu allein mit Deiner Sphärenmusik und Deinem an­schmiegenden Naturell, aber ich fürchte, der Schnitter- Tod begehrt nach Dir, Du bleiches Kind."

lind träumerisch glitt Charles' Blick von dem leidenden Jüngling zu dem Bilde der Unbekannten empor, und sein heißklopfendes, ungeduldiges Herz wurde demüthig und betete insgeheim:Mutter der Maiblume!"

Robert Nnshton, der das Amt eines Mund­schenken versah, goß ihm soeben Madeira in das kleine böhmische Glas. Charles gewahrte das rein­gezeichnete Profil des feingliederigen Jockey und ver­glich unwillkürlich dessen rosig angehauchte Züge mit dem Antlitz May's: ja, dieselbe Feinheit und Vor­nehmheit der Nasse war's, der griechische Typus, welcher sowohl den Byrons, als dein stummen Bilde an der Wand eigenthümlich war.

Bob hatte etwas zerstreut Fahrlässiges beim Be­dienen, als thäte er Alles mehr aus Gnade, denn aus Nothweudigkeit.

Der Schloßherr hatte seinerseits Gedanken und Bedenken, als er den blanseideuen, gepuderten Pagen

die Tafel umkreisen sah.Er verdient ein besseres Loos, so faul und unbrauchbar er ist," überlegte Lord Byron;ich werde ihn mit auf Reisen nehmen, vielleicht lernt er auf diese Weise etwas, vielleicht erwacht er in Westindien aus seiner Lauheit, seiner Herzensträgheit, dieser unlogische Enkel eines Satans!"

Appetitreizende Pickels und Pastetchen machten Steinbutten und Schellfischen Platz, Charles aber verharrte als steinerner Gast, der keinen Bissen zum Munde führte. Auch den Wein ließ er stehen.

Für Herrn Mathews," flüsterte Fletscher's ver­bindliche, diskret gedämpfte Lakaienstimme neben Charles. Letzterer sah einen silbernen Teller und darauf ein Briefchen, ein May-Vriefchen, Zierlich ge­faltet und elegant wie Alles, was aus ihrer Hand hervorging. Sämmtliche Anwesende waren mit den Fischgräten in Kollision gerathen oder improvisirten auf ihren Tellern pikante Saucen aus allen mög­lichen beißenden Ingredienzien; unbeobachtet überflog Charles die Zeilen der Geliebten; sie schrieb: Gelingt es mir, mich zu befreien, so bin ich Abends zehn ein halb Uhr am südlichen Eingang des Parks von Newstead. Lieber obdachlos und flüchtig, als von Dir getrennt, Charles! M."

Kapitale Sauce," johlte Skrope Davies,koste davon, lieber Abt, und kanonisire mich!"

(Fortsetzung folgt.)

Aus der neuen deutschen Lyrik.

Traurige Geschichten.

von

A. pescheke-kördt.

(Ungedruckt.)

wenn du traurig die Augen schliefst Und in Träumen nur Thräneu siehst; Menu die Nacht,

Bang durchwacht,

Trostlos jeden Stern versagt;

Schließ' der rauhen Melt dein cherz,

Beb' den Blick himmelwärts;

Beute welken die Rosen hier,

Morgen läuten die Glocken dir.

Tief erschüttert vom Gram und Schmerz Brückt die Mittwe ihr Rind an's tferz; Im Gemach Unterm Dach

Liegt die Arme weinend wach.

Bleibt dir keine Hoffnung mehr,

Meine nicht gar zu sehr;

Beut bekränzt inan dein Töchterlein; Morgen legt mau dich selbst hinein.

Menu ein Sünder die Augen schließt,

Mo kein einziges Thräulein fließt,

Sinkt der Schrein Mie ein Stein

Unbckränzt in's Grab hinein.

Reinen kümmert, wer es war. Munderbar! Ueber's Jahr Blüh'n ain ksüsel, hell und dicht,

Blaue Vergißmeinnicht.

lfat der wind euch hieher geweht? . ..

Gb allgüt'ger Geist sie sät?

--

Ist es Friede

von

Ada Christen.

Ist es Friede, ist es Glück,

Mas durch meine Träume zieht, Unsichtbar, wie Blumenduft,

Leise, wie ein Rindeslied?

Rehrt die Jugend mir zurück,

Jene Sehnsucht, die mich mied,

Seit des Lebens kalte Luft Mich und meine Seele schied?

(Aus:Deutscher Dichterwald". Stuttgart und LeixüZ, Deutsche Verlags-Anstalt.)