Heft 
(1885) 50
Seite
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Ziele des Lebens von w Lerger.

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wurde härter; wiederholt mußte er sich räuspern; im Schlunde stach und brannte es ihn.

Plötzlich unterbrach Arthur den fast Erschöpften mit der Frage:Waren Sie jemals im Auslande, Herr Klaus?"

Ich?" stotterte Hermann, zusammensahrend. Nein, nicht daß ich wüßte. Ich ich konnte nicht es lag in den Verhältnissen"

Es war kein Vorwurf mit meiner Frage be­absichtigt," sagte Arthur.Halten Sie mir meine Neugier zugute; es würde mich interessiren, von Ihrer Karriere etwas zu hören; man kommt hier auf ganz andere Weise Zu etwas wie bei uns. Aber Sie haben sich heiser gesprochen; wenn Sie sich zu der Klingel bemühen wollten, der Diener soll uns etwas zum Trinken bringen, Herr Klaus, und zum Anstoßen; man pflegt ja in Deutschland neuen Bekanntschaften mit einem Glase Wein eine Art von Weihe zu geben."

Für mich nur ein Glas Wasser, Herr Ueber- wcg," bat Hermann verlegen.Nicht daß ich ein Verächter des Weines wäre; aber des Morgens halte ich mir gern den Kops frei."

Also ein Glas Wasser," bestellte Arthur bei dem eintretenden Diener.Sie leben mit Ihrer Mutter Zusammen, Herr Klaus?"

Ja wohl, seit etwa fünf Jahren. Früher, als ich mich allein durchschlug, bei fremden Leuten wohnte, in Kosthäusern speiste, bekam ich meine Pflege nicht. Meine Mutter war noch rüstig; ich richtete mich ein und nahm sie zu mir. Ich Hab' es auch nicht be­reut. Freilich: alte Leute sind immer umständlich, haben allerlei körperliche Gebrechen, wirkliche und eingebildete, und klagen über die Veränderungen in Lebensweise und Ansprüchen seit ihrer Jugend mehr, als erquicklich ist. Man hat das Seinige daran zu tragen. Wenn's gar zu schlimm wird mit ihr, dann brauch' ich Fräulein Holder nur ein gutes Wort zu geben, und sie geht hin und setzt ihr den Kops Zurecht. Ja, ja; das ist ein ganz ausgezeichnetes Frauen­zimmer, dieses Fräulein Holder!"

So? Meinen Sie?" sagte Arthur.Weil sie Ihrer Mutter den Kopf zurecht setzt?"

Das ist nicht so schlimm, wie es klingen mag. Fräulein Holder hat eine Art, die Leute zu nehmen, daß ihr auf die Dauer Niemand widersteht. Meine Mutter läßt sich von ihr um den Finger wickeln."

Und Sie?"

Aufrichtig gestanden, Herr Ueberweg, ich weiß nicht recht, wie ich mit der jungen Dame daran bin. Ich muß etwas an mir haben, das sie zum Lachen reizt; es wird mir schwer, ein ernstes Wort aus ihr heransznbekommen."

Arthur athmete etwas leichter.Nun, Herr Klaus," sagteer,sehr häufig werden Sie das Ver­gnügen der Unterhaltung mit meiner Cousine wohl nicht gehabt haben. Sie wissen doch, daß Fräulein Klara eine nahe Verwandte von mir ist?"

Ei ja," nickte Hermann.Sollt' ich den kleinen Stammbaum der Ueberweg'schen Familie nicht aus­wendig kennen? Sind Sie Beide doch die einzigen lebenden Glieder, Sie und Fräulein Holder! Wenn das Fräulein einen andern Vater hätte, so würden Sie sich auch der Verwandtschaft mehr freuen können."

Ist denn dieser Holder wirklich so schlimm?"

Ein ganz lüderlicher Patron ist er," entgegnete Herr Hermann Klaus voll Entrüstung.Seit Jahren lebt er mit einem französischen Weibsbild in wilder Ehe. Ich weiß es von dem seligen Herrn; das Fräulein natürlich, das kann ich mir denken, läßt nichts auf den kostbaren Vater kommen. So ist sie nun einmal; über Andere schlecht sprechen kann sie nicht. Aber übel daran ist sie doch, da in der väter­lichen Wirthschaft kein Platz für sie ist. Was soll aus ihr werden, wenn demnächst dieß Haus in fremde Hände übergeht?"

Es ist allerdings hübsch von Ihnen, Herr Klans," sagte Arthur sarkastisch,daß Sie an dem Schicksale meiner Cousine so lebhaften Antheil nehmen; einst­weilen indessen können Sie sich jeder Sorge darum entschlagen." Er schob einige Schlüssel, die auf dem Tische lagen, zu Hermann hinüber.Dieß sind die Schlüssel zu meines Vaters Pult und zu seiner Scha­tulle im Geldschrank. Bitte, senden Sie mir den Inhalt der letzteren vollständig herüber und aus dem ersteren dasjenige, was ein persönliches Interesse für mich hat. Ist im Geschäfte irgend eine Entscheidung von Wichtigkeit zu treffen, so wissen Sie ja, wo ich Zn finden bin; mit kleineren Sachen wünsche ich nicht behelligt zu werden. In einigen Tagen hoffe ich so weit zu sein, daß mir der Weg zum Comptoir gestattet wird."

Herr Hermann Klaus erhob sich und nahm seine Schriften zusammen.Wäre es nicht erforderlich, Herr Ueberweg," begann er unsicher,den Geschäfts­freunden das Ableben Ihres Herrn Vaters durch Rundschreiben anznzeigen und zugleich denselben Mit­theilung davon zu machen, daß die Firma in Liqui­dation treten soll?"

Aber wer sagt Ihnen denn das?" fuhr Arthur fast zornig auf.Versteht sich das so von selbst, Herr Hermann Klans, daß ein Geschäft von dem Erben demolirt und bruchstückweise verkauft wird?" Ruhiger fuhr er fort:Eine kleine Weile noch muß diese Frage in der Schwebe bleiben. Ich will mich entscheiden, sobald ich kann. Mittlerweile ^ars ich wohl darauf rechnen, daß Sie in derselben Weise wie bisher Ihre Dienste der Firma widmen. Wie wir uns später zu einander stellen, muß sich finden. Aber mißverstehen Sie mich nicht, Herr Klaus: mein Gehülse können Sie wohl werden; die Herrschaft aber, wenn ich sie einmal übernehme, gehört mir aus­schließlich."

Der Prokurist, gestachelt durch die brüske Art des neuen Prinzipals, faßte sich ein Herz.Ich danke Ihnen für Ihre Offenheit, Herr Ueberweg," entgegnete er.Soviel ich weiß, macht der Tod allen Kontrakten über persönliche Dienstverhältnisse ein Ende. Schon habe ich widerrechtlich vier Wochen lang oder noch länger ich kann mich in diesem Augenblick nicht besinnen die Geschäfte des Hauses geführt, für Sie geführt, Herr Ueberweg, ohne dazu von Ihnen oder von irgend Jemand bevollmächtigt Zn sein. Sie werden es mir nicht verdenken, wenn ich wünsche, daß meine Stellung genau definirt wird. Ich will ruhig schlafen können. Und was den Fall betrifft, daß Sie sich entschließen, das Geschäft weiter-