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Deutsche Rundschau.
Und Agamemnon:
Nestor, Sohn des Neleus, Ruhm der Achäer!
Kennen wirst du mich doch? Den Sohn des Atreus,
Den die Götter verfolgen so lange er lebt Und auf dessen Augen kein Schlaf herabsinkt.
Laß uns hinabgehen, ob die Wächter am Graben Nicht vom Kampfe ermüdet in Schlummer fielen,
Denn der Feind ist nah und es könnte die Nacht ihn Noch zum Angriffe reizen.
Nestor antwortet beschwichtigend. Auch er geht ohne Weiteres davon aus, daß Hektor nur unter besonderem Schutze des Zeus soviel gethan habe; aber er glaubt an einen zu erwartenden Umschlag auf dem Olymp. Die Götter, meint er, würden Hektor schwerlich all' das erfüllen, was er jetzt hoffe. Im Gegen- theil, es Werde ihm schlecht genug ergehen, Wenn nur erst Achill's Herz sich den Griechen wieder zuwende. Doch wolle er jetzt mit Agamemnon gehen; es müßten die Anderen geweckt werden, die er bei Namen nennt. Auch wäre es gut, fügt er hinzu, wenn Jemand ginge, Aias und Jdomeneus zu holen, deren Schiffe am weitesten entfernt seien. Zuletzt erwähnt er jetzt des Menelaos. „Mag er mir noch so lieb und verehrungswürdig sein," sagt Nestor, „und mag er übel nehmen, was ich jetzt sage: zum Vorwurf muß ich ihm machen, daß er schläft und dich allein sich abmühen läßt. Denn die Dinge stehen übel."
Eine seltsame Anklage. Noch seltsamer jedoch, was Agamemnon zur Entschuldigung seines Bruders erwidert.
„Bei anderer Gelegenheit," sagt der König, „habe ich dich selbst gebeten, Menelaos zur Rede zu stellen; manchmal aber doch, wenn er sich zurückhält, geschieht es weder ans Langsamkeit noch aus Entschlußlosigkeit, sondern weil er auf mich blickt und von mir das entscheidende Wort erwartet. Diesmal ist er früher als ich wach geworden und kam zu mir. Ich habe ihn fortgeschickt, die zu erwecken, die du nennst. Wir werden ihn mit ihnen draußen bei den Wachen finden."
„Wenn die Dinge so stehen, so wird Niemand sich ihm zu folgen weigern." Mit diesen Worten erhebt sich Nestor, und sie gehen, zunächst Odysseus aufzuwecken.
Nestor also kritisirt den Bruder des Königs. Er wirft Menelaos ein Verhalten vor, das, wie er sagt, nicht hier zum ersten Male Anstoß erregt habe, und Agamemnon widerspricht im Allgemeinen nicht, entschuldigt seinen Bruder aber für einige besondere Fälle und besonders für heute, worauf Nestor sich für befriedigt erklärt.
Was waren das für Gelegenheiten, bei denen Agamemnon selbst Nestor gebeten hatte, Menelaos zur Rede zu setzen? Und wie war die Lauigkeit und Zurückhaltung des Menelaos, die Nestor tadelnswerth fand, zur Erscheinung gekommen?
Entweder handelt es sich hier um Vorfälle, die die Ilias enthielt, ohne daß sie in unseren vierundzwanzig Gesängen heute enthalten sind, oder der Dichter weist, wie Shakespeare ja unaufhörlich thut, auf außerhalb feines Gedichtes Liegendes hin, das er eben nur andeutend zu erwähnen wünscht. Aber schon