Frau Jenny Treibel.
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„Ach, ich denke ja gar nicht dran, liebe Schmolke."
„Ja, Corinna, da kann ich Dir bloß noch 'mal sagen, dann is es wirklich die höchste Zeit, daß 'was geschieht. Denn wenn Du ihn nicht liebst und ihr nich haßt, denn weiß ich nich, was die ganze Geschichte überhaupt noch soll."
„Ich auch nicht."
Und damit umarmte Corinna die gute Schmolke, und diese sah denn auch gleich an einem Flimmer in Corinna's Augen, daß nun Alles vorüber und daß der Sturm gebrochen sei.
„Na, Corinna, denn wollen wir's schon kriegen, un es kann noch Alles gut Werden. Aber nu gieb die Form her, daß wir ihn einthun, denn eine Stunde muß er doch wenigstens kochen. Un vor Tisch sag' ich Deinem Vater kein Wort, weil er sonst vor Freude nich essen kann . . ."
„Ach, der äße doch."
„Aber nach Tisch sag ich's ihm, wenn er auch um seinen Schlaf kommt. Und geträumt Hab' ich's auch schon un habe Dir nur nichts davon sagen wollen. Aber nun kann ich es ja. Sieben Kutschen und die beiden Kälber von Professor Kuh waren Brautjungfern. Natürlich, Brautjungfern möchten sie immer alle sein, denn auf die kuckt Alles, beinah' mehr noch als auf die Braut, Weil die ja schon weg ist; un meistens kommen sie auch bald 'ran. Un bloß den Pastor könnt' ich nich recht erkennen. Thomas war es nich. Aber vielleicht war es Souchon, bloß daß er ein bischen zu dicklich war."
Fünfzehntes Capitel.
Der Pudding erschien Punkt zwei, und Schmidt hatte sich denselben munden lassen. In seiner behaglichen Stimmung entging es ihm durchaus, daß Corinna für Alles, was er sagte, nur ein stummes Lächeln hatte; denn er war ein liebenswürdiger Egoist, wie die Meisten seines Zeichens, und kümmerte sich nicht sonderlich um die Stimmung seiner Umgebung, so lange nichts passierte, was dazu angethan war, ihm die Laune direct zu stören.
„Und nun laß abdecken, Corinna; ich will, eh' ich mich ein bischen ausstrecke, noch einen Brief an Marcell schreiben oder doch wenigstens ein paar Zeilen. Er hat nämlich die Stelle. Distelkamp, der immer noch alte Beziehungen unterhält, hat mich's heute Vormittag wissen lassen." Und während der Alte das sagte, sah er zu Corinna hinüber, weil er wahrnehmen wollte, wie diese wichtige Nachricht auf seiner Tochter Gemüth wirke. Er sah aber nichts, vielleicht weil nichts zu sehen war, vielleicht auch weil er kein scharfer Beobachter war, selbst dann nicht, wenn er's ausnahmsweise 'mal sein wollte.
Corinna, während der Alte sich erhob, stand ebenfalls auf und ging hinaus, um draußen die nöthigen Ordres zum Abräumen an die Schmolke zu geben. Als diese bald danach eintrat, setzte sie mit jenem absichtlichen und ganz unnöthigen Lärmen, durch den alte Dienerinnen ihre dominirende Hausstellung auszudrücken lieben, die herumstehenden Teller und Bestecke zusammen, derart, daß die Messerund Gabelspitzen nach allen Seiten hin herausstarrten und drückte diesen Stachelthurm im selben Augenblicke, wo sie sich zum Hinausgehen anschickte, fest an sich.