Heft 
(1906) 03
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Zwar auch die Bauern, aber nicht gegen die österreichische Regierung, wider die sie aufgestachelt wurden, sondern gegen den polnischen Adel, unter dessen Druck sie so lange und so schwer gelitten hatten. Und in eben diesen Wirren verschwand der letzte kümmerliche Rest polnischer Unabhängigkeit, der Freistaat Krakau.

Ist in dem heutigen Europa noch Raum für ein König­reich Polen? Gerade die Aufstände des 19. Jahrhunderts haben gezeigt, daß das, was mangelnder Sinn für staatliches Leben und staatliche Ordnung dereinst verschuldet haben, gelegentliches Aufflackern des Patriotismus jetzt nicht mehr zu sühnen vermag, zumal da es auch den Insurrektionen immer noch an Kraft und Einheit der Organisation und Leitung fehlte. Leisteten schon die Bauern dem Adel nicht die er­wünschte Gefolgschaft, so dürfte von dessen Zielen jetzt die sozialrevolutionär gesinnte Jndustriearbeiterschaft, die inzwischen in Russisch-Polen emporgewachsen ist, noch viel weniger wissen wollen. Die weitaus größte Schwierigkeit aber würde immer die Frage der räumlichen Begrenzung bieten, an der ja schon dasPolnische Königreich" Alexanders I. gescheitert ist. Ein verkleinertes Polen wollen die Polen selber nicht, und sie würden sich auch nie dabei beruhigen; eine Wieder­herstellung Polens in den Grenzen von 1772 aber ist ein Unding wenigstens so lange, als nicht alle drei Teilungs- Mächte sämtlich zusammengebrochen sind.

Eine Versöhnung zwischen Russen und Polen ist unmög­lich. Selbst die Idee des Panslawismus vermag den Gegen­satz zwischen beiden nicht auszutilgen und hat auch trotz aller Bemühungen, an denen es Zumal in den fünfziger Jahren durch die Wirksamkeit des Marquis von Wielopolski nicht ge­fehlt hat, nie bei den Polen feste Wurzeln schlagen können. Denn nimmermehr werden die Polen darauf verzichten wollen, die dereinst zu ihrem Reiche gehörigen litauischen, weiß­russischen und kleinrussischen Gebiete wiederzuerlangen. Nun sind wohl hier zwar stellenweise gewisse Bevölkerungsschichten, zumal der Adel, polnisch oder im Laufe der Zeit polonisiert. Aber im ganzen macht doch das Polentum hier nur einen kleinen Bruchteil der Bevölkerung aus; dazu kommt der Unter­schied des Bekenntnisses, indem hier die Elemente nichtpolnischer Herkunft zum guten Teile der griechischen Kirche angehören.

Wie sich auch immer das Schicksal Rußlands in der Zukunft gestalten, welche Regierungsform hier immer siegen möge, nimmermehr wird es sich in diesem Punkte mit einem Polen der Zukunft einigen können; es wird überhaupt kein selbst­ständiges Polen entstehen lassen dürfen; denn das wäre gleich­bedeutend mit seiner eigenen Ausschließung aus dem Konzerte der großen Mächte Europas. Und was Österreich anbelangt, so gibt ja der Aufstand von 1846 recht deutliche Lehren; ist doch die ostgalizische Bevölkerung bei weitem überwiegend ruthenischer Nationalität, und diese ringt gerade nach Emanzipation von dem Drucke des Polentums.

Um Zum Schlüsse auf die ehemals polnischen Landesteile Preußens zu kommen, so ist hier in den letzten Jahren ein unleugbarer Aufschwung des Polentums in wirtschaftlicher Hinsicht und auf dem Gebiete der allgemeinen Kultur zu ver zeichnen. Es hat sich hier ein blühender Mittelstand gebildet, und dieser hat sich durchaus in den Dienst der großpolnischen Idee gestellt. Die Agitation hat sogar die verwandte Be­völkerung Oberschlesiens in ihre Kreise gezogen, wiewohl doch Schlesien nur vorübergehend zu Polen gehört hat und seit 1163 davon politisch getrennt ist. Doch ist nicht zu ver­

kennen, daß die Bedingungen für das Emporkommen des neuen polnischen Mittelstandes erst durch die preußische Herr­schaft geschaffen worden sind; sie sind die Frucht der lang jährigen Kulturarbeit der deutschen Verwaltung, die sich seit der Eroberung dieser Länder ihre Hebung und Förderung zum Ziele gesetzt und unablässig verfolgt hat. Und niemals wird Preußen diese Provinzen wieder herausgeben, die es aus dem Sumpfe polnischer Stagnation und unsäglichen Elends heraus - gezogen, die es blühend und wohlhabend gemacht hat; ist doch die eine von ihnen wenigstens zur kleineren Hälfte, die andere in noch viel höherem Grade mit deutschen Einwohnern an­gefüllt; auch nur der Gedanke daran wäre absurd. Was aber wäre ein Polen, dem die Wiege seines dereinstigen Staats­wesens, der Kern des alten Großpolens, sowie der Unterlauf der Weichsel und damit die natürliche Verbindung mit der See fehlt! Die deutsche Arbeit wird diese Länder immer mehr für das Deutschtum zu gewinnen, innerlich mit der deutschen Heimat zu verschmelzen trachten; das deutsche Schwert wird die Grenzwacht in der deutschen Ostmark halten.

Schaffensfreude.

was wirst du tun, was wirst du beginnen In der Welt, die um dich lärmt und lacht, wenn dir weltabgeschlossen, innen Im tiefsten Uerzen ein Lied erwacht?

Nicht beifallheischend, nicht eitel prahlend Wirst du dich zeigen nur glückessatt Wie eine junge Mutter, die strahlend In weißer wiege ihr Rindlein hat.

--O--

Waldverderber.

Plauderer von Fritz Skowronnek

ein Volk steht in so innigem Verhältnis zum Walde wie das deutsche. Wir lieben ihn, wenn er verträumt in der Sonnenglut dasteht, wir bewundern ihn, wenn seine Wipfel vom Winde geschaukelt rauschen, wir erfreuen uns an der majestätischen Schönheit des im Schnee begrabenen Bergwaldes. Und tausend Lieder singen wir ihm zum Preise.

Nicht erst dem gesteigerten Naturempfinden unserer Tage verdanken wir dieses herzliche Gefühl für den Wald. Nein, es ist uns von den Urahnen überkommen, die im Rauschen heiliger Haine die Stimme der Gottheit vernahmen und mit scheuer Ehrfurcht die altersgrauen Riesen des Waldes betrachteten, dessen hehre Stille noch kein Axtschlag entweiht hatte.

Und unsere Liebe ist uneigennützig; sie bewundert und liebt und fragt nicht nach dem Nutzen, den der Volkswirt sorgsam rechnend abwägt. Will man aber der Bedeutung des Waldes gerecht werden, dann muß nicht nur das Natur empfinden, sondern auch der kühl berechnende Verstand mit sprechen. Und er gibt uns recht. Er lehrt uns, daß unsere Wälder, mögen sie Laub oder Nadeln tragen, unermeßliche Schätze bergen, deren Wert mit jedem Jahrzehnt, mit jedem Fortschritt unseres wirtschaftlichen Lebens anwüchst.

Deutschland ist kein waldarmes Land. Nach vielen Millionen beziffert sich der Wert, den wir aus Brennholz, Nutz und Bauholz ziehen. Aber bereits jetzt reicht unser Bestand