Überreste dieser Straußenart. Schon vor ihm erlosch das neuseeländische Straustengeschlecht, der Moa. dem unsere Kolonie Samoa (oa ^ heilig; also dem Moa geweiht) den Namen dankt. Der einst auf den Inseln des Beringsmeeres heimische große Kormoran (IRalaeroeorax p6r8M11utu8) ist 1839 Zum letztenmal gesehen worden. Nur drei ausgestopfte Exemplare berichten noch von der auf der Insel Mauritius heimisch gewesenen Holländischen Taube (^leetoroencw nitiäw- 8imu), so genannt, weil ihr herrliches Gefieder die holländischen Farben trägt. Um die Mitte des Jahrhunderts ward aus der Liste der Lebenden auch der überaus prächtige Gold- Mamo (vrepanw paeiüeo) gestrichen, seiner gelben Federn wegen ausgerottet, aus denen schon die alten Häuptlinge von Hawai sich kostbare Herrschermäntel und -Helme fertigten. Die letzte Labradorente (OamptolaemuZ ladra- äoriu8) wurde 1852 getötet.
Es seien noch kurz genannt: der Eulenpapagei, der Nestorpapagei (^68wr proäue- w8), der Nestor der Norfolkinsel, der Edelpapagei von Ro- driguez (Ualaeorvm 6X8u1) usf.
Auf dem Aussterbeetat stehen ferner fraglos der merkwürdige Kiwi (^.ptar^x), ein schwingen- und steuerfederloser Vogel, in Erdlöchern wohnend und nur nachts sein „Kiwi-kiwi" schreiend — das einzige Ei bebrütet merkwürdigerweise das Männchen —, der Pinguin, der nur zu bald dank seiner naiven „Menschenfreundlichkeit" dem verwandten Riesenalk folgen dürfte, ja, und auch unser europäischer Geier und Uhu, der nach dem Urteil der Brüder Müller langsam, aber unverkennbar dem Aussterben verfällt.
Auch in den Reihen der Reptilien hat das 19 . Jahrhundert bedeutsame Opfer gefordert. Namentlich die riesigen Schildkröten der Mascarenen sind es, deren Verlust aufs höchste zu beklagen ist. Ob ihres schmackhaften Fleisches und ihres Schildpatts gleichermaßen verfolgt, leben heute von diesen nach Ende des siebzehnten Jahrhunderts so zahlreichen Tieren — „man wußte nicht, wohin man den Fuß setzen sollte vor lauter Schildkröten," heißt es in einem Bericht, und 1759 bis 1760 wurden, wie authentisch verbürgt, nicht weniger als 30 000 Elefantenschildkröten zu Schlachtzwecken nach Mauritius übergeführt — aller Wahrscheinlichkeit nur noch zwei Exemplare. Das eine war 1810 von französischen Soldaten gefangen und in einen Käfig ihrer Kaserne zu Port-Louis (Mauritius) gesperrt worden; diese Schildkröte dürfte heute über 200 Jahre alt sein. Das andere wurde auf den Egmontsinseln (im Norden von Madagaskar) 1895 gefunden und wird gleichfalls in Port-Louis in einem Park gehalten; das Tier wiegt nebenbei bemerkt 240 Kilogramm und mißt in gerader Linie 1,32 Meter. Auch die eigenartigen Galapagosschild- kröten sind fast verschwunden. Von der dünnschaligen Art der Insel Abingdon ist 1876 das letzte Tier erlegt worden. Dem Aussterbennahe sind ferner heute der Leguan und der Alligator, jener seines schmackhaften Fleisches, dieser seines Leders wegen verfolgt.
Von den Verlusten, die das verflossene Jahrhundert im Bereiche der anderen Tierwelt gezeitigt hat, können wir uns auch nicht annähernd einmal eine Vorstellung machen. Sajo nennt acht Jnsektenarten, deren Verschwinden er aus der Umgebung von Budapest infolge veränderter Forstwirtschaft binnen wenigen Jahren feststellen konnte . . .
So sehen wir denn allüberall das Tier vor dem auf sein biblisches Herrscherrecht pochenden Menschen zurückweichen und verschwinden. Ünd das Ende vom Liede ist, wenn dieser Vernichtungskampf so sinnlos
weitergeführt wird: auf der
ihrer köstlichen Naturzierde beraubten Erde leben außer dem Menschen — nota dana dem Kaukasier und Mongolen — nur noch Haustiere, Pflanzenschädlinge und — nicht zu vergessen — Bakterien; die übrige Tierwelt ist aber ausgestopft, skelettiert oder sonstwie konserviert allenfalls in Museen zu betrachten, und hinter dem Namen jedes Exemplares steht das ominöse Kreuz: ausgestorben.
Glücklicherweise beginnt sich aber doch heute schon bei den Verständigeren allgemach die Einsicht Bahn zu brechen, daß dieser Ausrottungswut beizeiten ein Riegel vorgeschoben werden müsse, und so können wir denn hier von einer Reihe von Schutzmaßnahmen schließlich berichten, deren Nachahmung allgemein dringlichst empfohlen werden soll.
Die großartigsten Schutzmaßregeln haben zweifellos bis heute die doch um ihrer Geldgier so verschrieenen Pankees getroffen. Ihre fünf gewaltigen Nationalparks, voran der Pellowstonepark mit 2 288 000 Acres Ausdehnung, der Dosemite- park mit 1000 000 Acres und der Sequoiapark mit etwa 100 000 Acres, sind ein sicheres Asyl für ungezählte Lebewesen. Und es ist keineswegs ein Übermaß von Waldreichtum, das die Amerikaner zu so wahrhaft menschenwürdigen Entschlüssen bestimmte: schon heute vermag die Union ihren Holzbedarf im eigenen Lande kaum noch zu decken. In Afrika
strebt eine vor etwa zehn
Jahren gebildete Gesellschaft englischer Zoologen und Tierfreunde — an ihrer Spitze steht der berühmte Kenner der afrikanischen Tierwelt, Cour- tenay Selous — heute die Errichtung eines ähnlichen Tierparkes an. Man beabsichtigt ein Gelände von etwa 80 000 Hektar zu umzäunen und damit den zunächst am ärgsten bedrängten Wiederkäuern und Nashörnern ein natürliches Asyl zu schaffen.
Des von der norwegischen Regierung erlassenen Jagdverbotes auf Wale ist oben schon gedacht worden. Im gleichen Sinne verbot 1893 die chilenische Regierung auf vier Jahre die Jagd der Seesäugetiere an ihren Küsten und beorderte zwei Kriegsschiffe zum Schutz der Tiere an die von ihnen besonders bevorzugten Stellen. Wie nützlich derartige Regierungsmaßregeln sein können, zeigt am besten das Vorgehen der russischen Regierung in der Frage des Seebärenschutzes, jener Robbe, die den „Sealskin" liefert. Die Robben waren zu Anfang des verflossenen Jahrhunderts auf vielen Inseln bereits