mit der ergreifend feurigen Schlußstrophe:
„Ein allgemeines Lob verdient Der würdige Franz Drake,
Vom Fürsten bis zu dem, der gewinnt Das Brot mit seiner Hacke!"
Die Segnungen des Landlebens sind unserem Schulmeisterlein so recht ans Herz gewachsen. Alles, was die beschauliche Ruhe des ländlichen Biedermeiers stören kann, bekommt nach bester Möglichkeit einen Stich mit der poetischen Lanze, aber immer mit lehrhafter Nutzanwendung. Zu besonders poetischen Leistungen regen die Naturgewalten an. So hören wir unseren Sänger „Beim Gewitter":
„Es donnert. Gott! Wie schrecklich ist Des Himmels Welternacht.
Es blitzt und donnert, guter Christ,
So hör doch, wie es kracht!
Gott reinigt seine Luft für uns.
Drum fürchtet euch und dankt Dem weisen Schöpfer, ob er uns Auch tüchtig heut auszankt!"
Und wiederum zwingt schönes Aprilwetter unseren lieben Freund Biedermeier zu einer wohlgelungenen „Frühlingsstudie":
„Alles wuselt schon ins Freie,
Väter, Mütter, Lämmer, Säue,
Kinder machen Ringelreihe,
Laut zerstreun sich Bursch und Maid —
O du schöne Frühlingszeit! ..."
Einzigartig poetisiert ist die Biedermeierzeit in der an Ludwig Richters Schöpfungen gemahnenden Ode auf den „Bürgersinn":
„Die Nacht ist für den Schlaf bestimmt,
Es hat mich oft schon umgekrimmt,
Wenn immer noch nach zehn Leut' auf den Straßen gehn.
Mein Spitzlein bellt schon froh voraus,
Ja, Spitz, ° nun gehen wir nach Haus,
Die Zeche ist bezahlt,
Und mein Laternlein strahlt."
Solche poetischen Idyllen finden wir nicht alle Tage! — hin und wieder ist freilich die Poesie Biedermeiers so beschaffen, daß man denken möchte, Wilhelm Busch sei sein größerer Schüler. So wenn es im „Lehrgedicht" heißt:
„Aber jeder könnte nehmen Gute Bücher in die Hand,
Daß er sich nicht braucht zu schämen,
Wenn man spricht von allerhand.
Bildung ziert den Freigebornen,
Hebt den Jüngling, ehrt den Mann,
Und von hinten und von vornen Sieht man jedem Bildung an."
Oder gar im „Hymnus auf Schiller":
„Wer wird nach Klopstock fragen,
Solang' der Schiller geht,
Sich mit Graf P laten Plagen,
Den niemand mehr versteht?
Komm einer her, was will er,
Er findet es im Schiller.
Das Menschenherz zu rühren,
Gelang ihm früh und spat,
Man kann es deklamieren,
Was er gedichtet hat.
Des Lebens höchste Zieler Erflog der mut'ge Schiller.
Niemals in frechen Scherzen Verletzt er die Moral,
Ihm ging ja stets zu Herzen Das große Ideal."
Aber auch Daseinsnöten ließen die Leier Biedermeiers vulZo Sauters in rührenden Klängen erschallen. Denkwürdig bleibt da der poetische Jammer eines Kaffeeweibes über die Folgen der Kontinentalsperre:
,,O weh! Kaffee!
Nun muß ich dich auf immer meiden,
Nun muß ich schmerzlich von dir scheiden!
O weh! Kaffee!
O weh! Kaffee!
Nun muß ich ewig dich vergessen,
Und Haberbrei und Suppe essen!
O weh! Kaffee!."
Das ist echt Sautersche Poesie! — Doch lassen wir ihn in Fried und Ehr, den Gevatter des unsterblichen Biedermeiers, der doch seinen Namen erst dann bekam, als er selbst schon zu Grabe getragen, worden war!
Wollen wir uns aber einige heitere Stunden bereiten, so nehmen wir die poetische Blütenlese des Dorfmagisters zur Hand (am besten gleich in Eichrodts Umdichtung) — und wir sind von allen Daseinsschmerzen bald kuriert.
Slättsn un-j Llüten
König Ghristian lX. und König Ariedrich VIII. von Dänemark.
Im königlichen Palais zu Kopenhagen ist am 29. Januar d. I., um die vierte Nachmittagsstunde, der greise König entschlafen. Schnell, wie ein Licht, das sich aufgezehrt hat, verlischt, entfloh aus dem noch immer rüstigen Körper ein Leben, das beinahe 88 Jahre lang Leid und Lust, Erfolge und Niederlagen erfahren hat und reich war wie kaum eins der anderen Monarchen, deren Nestor der dänische König seit dem Tode des ebenfalls hochbetagten Großherzogs Adolf von Luxemburg gewesen ist. Christian IX., der erste Schleswig-Holstein-Sonderburg- Glücksburger auf dem dänischen Thron, wurde am 8. April 1818 im Schloß Gottorp bei Schleswig als vierter Sohn des Herzogs Friedrich Wilhelm von Schleswig-Holstein-Sonderburg- Glücksburg geboren, es ist ihm also nicht an der Wiege gesungen worden, daß in seiner Hand dereinst ein Szepter ruhen würde.
Erst als er sich 1842. mit Luise, einer Tochter des Landgrafen Wilhelm von Hessen-Kassel und
der Prinzessin Luise Charlotte, König Christian IX. ch.
Schwester Christians VIII., vermählte, seinen Aufenhalt in Kopenhagen nahm und sich so sehr als „Düne" gab, daß er nicht nur den Protest des schleswig-holsteinischen Gesamthauses 1846 nicht mit unterschrieb, sondern auch — als einziger der schleswig-holsteinischen Prinzen - von 1848 bis 50 in dänischen Kriegsdiensten blieb, ward man in Dänemark
auf ihn aufmerksam und nahm ihn in Aussicht, das Erbe des erlöschenden dänischen Mannesstammes anzutreten. Schon im Warschauer Protokoll vom 5.Juni 1851, dann im LondonerProtokoll vom 8. Mai 1852 ward er als dänischer Thronfolger angeführt und durch das Thronfolgegesetz vom 3l. Juli 1853 auch wirklich zum Erbprinzen von Dänemark ernannt. Von der Zustimmung zu diesem Akt schlossen sich nur die Agnaten und Stände in den drei Herzogtümern und der Deutsche Bund aus —ein Protest, den der 1863 auf den Thron berufene König Christian IX. vergalt, indem er am 18. November 1863 die eiderdänische Verfassung bestätigte, durch die das Herzogtum Schleswig fortan König Friedrich VIII. mit dem Königreich Dänemark
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4. ' " - " -7 r.' 5.
1906. Nr. 6.
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