selbst an die Ausführung seines Planes. Während einer Nebelnacht kletterten die beiden ins Fenster der Kunstausstellung, er, Worth, schnitt beim Licht eines entzündeten Streichholzes die Leinwand aus dem Rahmen. — Aber vergeblich versuchte der Dieb Geld auf das Bild zu leihen. Der Versuch dazu verriet nun dem mit Recherchen beauftragten Pinkerton, daß er niemand anders als seinen alten Freund Worth zu suchen habe.
Für 25 Jahre wußte dann nur der Verbrecherfürst, wo die Leinwand verborgen sei. Nach wie vor ging er seinem Beruf nach. Weder Pinkerton noch Philipps verhehlten, daß nur Worth das Versteck des Gainsboroughschen Bildes kenne. New-Iorker Zeitungen brachten die Geschichte des Diebstahls wie des Diebes. Aber — dessen Verhaftung erfolgte nicht! Vermutlich hatte der alte Pinkerton gedacht, Worth werde, wenn ergriffen, das Geheimnis mit ins Zuchthaus und schließlich ins Grab nehmen. Den Besitzern aber lag wenig an Worth und viel an dem Bilde.
Auf diese Weise konnte das Geheimnis des Gainsborough für den Verbrecher zu einem Schilde werden, der ihn auch vor der Verhaftung wegen anderer Verbrechen schirmte. Durch Jahre wurden zwischen ihm und der Agentur Pinkerton Verhandlungen gepflogen. Aber erst unlängst erschien in dieser ein mit genügender Vollmacht des alten Worth aus gestatteter Botschafter — Pat Sheedy, ein Buch- und Spielhalter von internationalem Ruf. Er hatte den Verbrecher seit lange gekannt, vermutlich ihm manchen Groschen abgenommen und kam nun, für die Rückgabe des Bildes herauszuschlagen, was zu erlangen war.
Auch diese Episode aus der jüngsten Neuzeit hätte sich nur auf amerikanischem Boden abspielen können. Pat Sheedy kam, wie die Zeitungen meldeten, mit dem gestohlenen Gut im Koffer von Europa in New Port an und fuhr, gefolgt von Reportern, nach Chicago. Dort trat er in einen: Hotelzimmer den Vertretern der Agnewschen Kunstausstellung und den
s gibt einen Fleck Erde im lärmenden Prag, über den die eherne Ruhe der Geschichte, das ernste Schweigen des Todes gebreitet ist. Hohe Mauern schließen ihn vom lauten Geräusch des Tages ab.
Manchmal nur betritt ein Fremder den altberühmten Fleck, den Judenfriedhof, um schmale Wege zwischen eingesunkenen Grabsteinen zu wandeln und alte Geschichten von einem alten Volke zu vernehmen; nur manchmal dringt aus zwei Synagogen, die an verschiedenen Teilen des Friedhofs liegen, das schreiende wehklagende Gebet der Juden in die Grabesstille hinein. Die Natur freilich kennt keine Gräber, sie baut neues Leben aus dem Tode, und so sprießen alljährlich die dunkelen Veilchen zwischen den Steinen hervor, die Holunderbüsche grünen und blühen, und Singvögel locken und jubeln. Zwei Gebäude ragen über die Mauer empor: aus dem einen blickt mancher Kranke sehnsuchtsvoll oder fürchtend nach der Stätte des Friedens, aus dem anderen schauen dunkele Augen der Waisenkinder, ohne Ahnung von den Schrecken des Todes, auf den seltsamen Garten hinunter, der ihnen vielleicht ein
Pinkertons gegenüber. Die Bedingungen wurden vereinbart, erfüllt, und dann übergab der Buchhalter eine Metallbüchse, in der unversehrt und zusammengerollt seit 25 Jahren die Leinwand ruhte.
Die Verhandlungen mußten für Worth gelohnt haben, denn er konnte nach Südafrika gehen und dort unternehmungslustige neue Freunde in der amerikanischen Kunst des „Aufhaltens" von Bahnzügen unterrichten. Damit hatte wieder eine Periode der fetten Jahre des vielbewegten Lebens begonnen. Er kaufte sich eine Dampfjacht und kreuzte im Mittelmeer. Er glaubte, so den Forderungen der einstigen Genossen entgehen zu können. Indessen Dampfjachten verbrauchen Kohlen, und das Mittelmeer hat Hafenstädte. Wieder sah er seine Habe schwinden, und wieder ging er an die Arbeit. Bei Ausübung eines Vahnraubes in Belgien wurde er schließlich verhaftet und zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Bald nach seiner Entlassung starb er, krank, elend, ein menschliches Wrack, noch immer geplündert von den Spießgesellen, denen doch das Sprichwort die Ehrlichkeit des Spitzbuben nachrühmt.
Neben diesem Archiv hat die Pinkertonsche Agentur auch ihre Geheimbücher. In diesen mag noch Interessanteres zu lesen sein. Ist sie doch nicht selten auch für die Lösung politischer Rätsel benutzt worden. Wie die Bewachung privaten und staatlichen Eigentums, besorgt sie auch die von Personen. Mehr als ein amerikanischer Multimillionär hat sich für längere oder kürzere Zeit der Obhut dieser Detektivs anvertraut, wenn er den Unwillen der Bolksmassen heraufbeschworen hatte. Ständiger Gast ist der Pinkertonmann im Heim des Millionärs auch bei großen Gesellschaften, wenn Juwelen im Wert von Hunderttausenden auf Damenkleidern glitzern. Bei Streiks werden die Beamten der Agentur sogar häufig als bewaffnete Truppe verwendet. Kurz, sie sind für alle Zwecke zu haben und zwar zum Preise von acht Dollars finden Tag und für den Mann.
hochwillkommener Tummelplatz für Spiel und Jugendfreude wäre. Nun aber dringt mächtig die Zeit herein, die unbarm herzig steingefügte Pharaonengräber öffnet, stolzeste Tempelbauten zu Schutthaufen Zusammenwirft und die Pietät für das Alte und Vergangene zurücktreten läßt hinter die Sorge für das Bestehende und Werdende.
Der Prager Getto, der gegenwärtig längst schon mehr als zur Hälfte von Christen bewohnt wird, ein Stadtteil, in dem sich früher Armut und Not zusammendrängten, wird niedergerissen. Wenn man einzelne Bauplätze dieses verschwindenden Stadtteiles betritt, so kann man es kaum fassen, daß auf einen: kleinen, nur wenige Quadratklafter messenden Raume ein drei- und vierstöckiges Haus stand. Es war unmöglich, hier Licht und Reinlichkeit hineinzuleiten, und nur durch gesetzliche Enteignung konnte man es zustande bringen, den alten Stadtteil niederzulegen und durch Aufschüttung vor der fast alljährlich eintretenden Überschwemmung zu bewahren, neue große und den hygienischen Anforderungen der Zeit entsprechende Miethäuser
-^-
Der alte Zucleniriecltiok in Prag.
Von Heinrich Teweles.
Grabstein der Sara Kah 606 (1606?).
7E
M'sW