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und man blickt auf einmal mitten aus dem Überfluß von Kunst und mannigfaltiger Pracht in die öde, einsame Gegend, von welcher der Garten umgeben ist; dies macht einen äußerst romantischen Kontrast, und auf diesem Fleck hat Goethe seine ,Iphigenie' vollendet."
In der Tat ein herrlicher Platz; kein Laut der Welt dringt in diese Einsamkeit, dieselben Eichen, in deren Rauschen Goethe den Rhythmus seiner Verse fand, wölben noch heute über smaragdenem Rasen die schattigen Wipfel. Wie damals ragen hoch und gewaltig riesige Marmorkaryatiden
mit Fruchtkörben auf den Häuptern und Ziehen sich im Halbkreise Steinbänke. Durch das Fenster einer mit Stuck beworfenen Mauer kann man in einer Nische sitzend „den äußerst romantischen Kontrast" der Landschaft auch heute noch bewundern.
Was dem Platze heute genommen zu sein scheint, ist eine Fontäne, die ihre murmelnden Wasser in die Höhe warf. Moritz darf in der Tat als klassische Quelle betrachtet werden, denn seine Ratschläge, die er später in der „Deutschen Verslehre" niederlegte, hat Goethe, wie er selbst gestand, für die abschließende Gestaltung seiner „Iphigenie" sehr in Anspruch genommen. Außerdem war Goethe Moritz in Rom persönlich außerordentlich nahegetreten. Als Moritz krank wurde, war es Goethe, der die Freunde veranlagte, abwechselnd die Pflege des Kranken
Zu übernehmen, und Moritz teilt ---—
mit, daß Goethe eines Tages mit der vollendeten „Iphigenie" an sein
Bett kam, und-es ist nicht zu Zweifeln, daß der Dichter'dem Freunde erzählt hat, wo er arbeitete. Die „Iphigenie" wurde Anfang Januar 1787 fertig. Am 13. Januar sandte er das Manuskript nach Weimar. Das Datum stimmt genau überein mit dem Ende von Moritz' Krankheit.
Goethe selbst erwähnt hiervon nichts, aber aus dem Dezemberbericht seines zweiten Romaufenthaltes geht hervor, daß er sich in der Villa Borghese häufig zu poetischer Arbeit eingefunden hat, und es ist auch möglich, daß er den „Egmont" dort vollendete oder doch wenigstens in der Villa Borghese daran gearbeitet hat. Ebenso er-
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Mauer mit Durchblicken.
wähnt er die Villa Borghese als einen Lieblingsaufenthalt in einem Augustbriefe seines Zweiten Romaufenthaltes, einer Zeit, in der er
sehr oft mit Moritz abendliche Spaziergänge dorthin machte. In Harnacks „Zur Nachgeschichte der italienischen Reise" befindet sich der Brief Moritz' an Goethe, vom 7. Januar 1788, wo er von einem Spaziergange spricht, der ihn lebhaft an Goethe erinnert habe. Auch aus einer Äußerung Goethes über die Hexenszene im „Faust" geht hervor, daß Goethe in der Villa Borghese gedichtet hat. Goethe Zeigte am 10. April 1829 Eckermann einen Plan der Stadt Rom und wies ihm die merkwürdigsten Gebäude und Plätze. „Dies," sagte er, „ist der Farnesische Garten". „War es nicht hier," sagte Eckermann, „wo Sie die Hexenszene des .Faust' geschrieben?" — „Nein," sagte er, „das war im Garten Borghese."
Nach alledem steht es unzweifelhaft fest, daß Goethe in der Villa Borghese an seinen hervorragendsten Dichtungen gearbeitet hat. Der halbrunde Platz in dem früher abgeschlossenen Garten hinter dem Kasino schien sein Lieblingsplatz gewesen zu sein, in dessen Ruhe und erhabener Einsamkeit er die Sammlung fand, seine „Iphigenie" zu vollenden. Wäre da die Annahme so unberechtigt, daß er dort auch am „Egmont" und am „Faust" gearbeitet hat? Friedrich Noacks Vorschlag geht nun dahin, diesem Platz für ewige Zeiten den Namen
„Goetheplatz" zu geben, damit jeder wisse, daß er eine heilige
-. Stätte betritt, in der der
^ ,, , , . , , .,,, , größte aller Dichter eins
——- wurde mit dem Weben
der großen Natur um ihn her, damit der Wanderer wisse, daß diese uralten Bäume über seinemHaupte gerauscht, und daß die Karyatiden hinter ihren stummen Lippen das Geheimnis verschließen, wie der Dichterfürst hier seine glücklichsten Stunden verlebte. Stelle mit dem Namen „Goetheplatz"
0. Kasino Borghese. ?. 0. Platz vor dem Kasino. 0. Goetheplatz.
Die Benennung dieser wäre für den Dichter ein Zweites Denkmal in dem herrlichen Garten, nicht mächtig und prunkvoll wie das Eberleinsche, aber sinnig, eindrucksvoll, voller künstlerischer Schöne -- ein Eichenhain mit steinernen Ruhebänken und dem Blick auf die Einsamkeit der Campagna.
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Paradiesvogel.
(15.Fortsetzung.) Roman von Paul Oskar Äöcker.
(^ustizrat Bressentin geleitete seinen Klienten zunächst ins Zeugenzimmer zu Asta.
Der Aufenthalt in diesem engen Raum war für einen empfindsamen Menschen ganz schauderhaft. Da zu gleicher Zeit in denrselben Stockwerk noch mehrere Verhandlungen stattfanden — im großen Schwurgerichtssaale ein Prozeß in einer Brandstiftungssache, in anderen Zimmern Sitzungen der Strafkammer — waren im Zeugenzimmer sämtliche Bänke, die sich an den Wänden entlang zogen, dicht besetzt. Polternd sprechende Männer, aufgeregt gestikulierende Weiber erfüllten den Raum zwischen dem großen Mitteltisch und den Bänken. Ein paar wahre Galgenphysiognomien befanden sich unter der Zeugenschar für die Verhandlung des Vrandstiftungsprozesses. Die
aus besseren Gesellschaftskreisen stammenden Herren und Damen, die als Zeugen ihres Aufrufs gewärtig sein mußten, waren gezwungen, fast Schulter an Schulter mit diesen fragwürdigen Gestalten hier auszuharren. Ein schwüler Brodem lag über der Versammlung.
Asta vermochte sich in dem Winkel am Fenster kaum Zu rühren, die Abspannung ihrer Nerven durch das lange Warten, durch die Sensationen der verschiedenen Berichte, die von Zuschauern oder Zeugen aus den einzelnen Verhandlungen hereingetragen wurden, nicht zuletzt der physische Widerwille vor der Berührung mit den an ihr vorbeistreifenden, in aufgeregtem Gespräch, oft mit rohen Ausdrücken einander befehdenden Parteien — es wirkte alles derart zusammen, daß sie in