Heft 
(1906) 20
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Und drüben an der Tür ZU seiner Stube knackte gleich ' darauf das Schloß. Er hatte wieder Zugesperrt . . °

Still und versonnen brachten Frau Bang und Georg ! den Rest des Abends hin. Nur hier und da, in kurzen ab­gerissenen Sähen sprachen sie. Aber in Georgs ganzem Wesen . war eine tiefe, heiße Zärtlichkeit er ahnte, daß die Mutter > stillschwieg über vieles, und immer wieder drang es an dem ! Abend in ihn: auf, ihr ZU zeigen, daß sie nie einsam bleiben würde, daß er sie liebte aus seinem ganzen Herzen. Und auch Frau Bang war weicher noch als sonst zu ihrem Buben . ° .

Als sie zu Bett gegangen war und Dunkel über dem Zimmer ruhte, lag sie noch lange wach.

Wie nun wohl alles werden sollte? Sie kam sich einsam vor, und nur die Atemzüge ihres Buben gaben ihr Halt und Trost.

Von nebenan jedoch erscholl in dieser Nacht in kurzen Zwischenräumen immer wieder das trompetenhelle Schneuzen des Herrn Schneeberger. Auch er fand keine Ruhe in den Kissen . . .

Am nächsten Tage aber zog er aus . . .

(Fortsetzung folgt.)

Die Meereskorsckung jm Dienste 6er ki'sckerei,

Von C. kcilkenllorst.

H^netschöpflich erschien bis in die neuere Zeit dem Menschen der Reichtum des Meeres. Wie groß auch die Fischzüge waren, die er veranstaltete, das Meer ergänzte unermüdlich die Scharen seiner Bewohner. Als aber die Zahl der Men­schen wuchs, die Fangmethoden verfeinert wurden, zeigten sich allmählich die Folgen der Raubwirtschaft. Zunächst lichteten sich die Reihen der Riesen des Meeres; schon im acht­zehnten Jahrhundert zeigte sich eine Abnahme der Wale in den nördlichen Meeren, und immer weiter gegen den Nord- und Südpol mußten die Wal­fänger Vordringen, um die massige Beute zu erjagen.

Dann machte man die Wahr­nehmung, daß die begehr­testen und kostbarsten Tiere des Meeres abnahmen, und zwar um so mehr, als der erleichterte Transport nach dein Binnenland und die Einführung der Konserven- sabrikation den Verbrauch stei­gerten. So zeigten sich ' ver- s chiedene Austernbänke ers chöpft, und der Hummer wurde sel­tener. Durch den rücksichtslosen Fang wurde selbst der Fischbestand verschiedener Küstengewässer bedenklich gelichtet. Da kam die Erkenntnis, daß auch den nutzbaren Seetieren eine Schonung zu gewähren sei, daß auch das Meer in ver­nünftiger Weise bewirtschaftet werden müsse. Die Wissenschaft sollte dabei helfen, mit praktischen Ratschlägen eingreifen.

Von jeher hat das so wunderbar in den Tiefen des

Das englische ForschungsschiffÄuxley"

Meeres sich gestaltende Leben die Neugierde der Menschen erweckt, aber eine gründliche systematische Prüfung der Lebens- gewohnheiten und Lebensbedingungen der Seetiere, die bio­logische Meeresforschung, ist eine verhältnismäßig junge Wissenschaft. Schon um die Mitte des vorigen Jahrhunderts vertrat Carl Vogt die Ansicht, daß den Naturforschern eine

bessere Gelegenheit zum Stu­dium der Seetiere geboten werden sollte. Es genügte nicht, daß dieser und jener, mit einem dürftigen fliegen­den Laboratorium ausgerüstet, sich auf einige Wochen oder Monate am Meere niederließ: es sollten dauernde zoologische Stationen an den Seeküsten errichtet werden, Anstalten, die, mit allen Hilfsmitteln der Wissenschaft ausgestattet, dem Forscher die Gelegen­heit zu gründlichen und länger dauernden Studien boten. Deutsche gingen auf diesem Gebiet bahnbrechend vor. Im Jahre 1872 gründete Dr.Dohrn die berühmte mustergültige Station in Neapel, die von: Deutschen Reiche unterstützt wurde. Andere Länder folgten später dem Beispiel, und die Zoologie verdankte diesen Sta­tionen Neue wichtige Entdeckungen. Die Deutsche biologische Station auf Helgoland hat aber von Anfang an nicht allein rein wissenschaftliche Ziele verfolgt, sondern untersuchte auch die deutschen Meere im Interesse der Fischerei. Das Meer ist das Gemeingut aller Völker; und so reifte auch der Gedanke

Ein interessanter Fang. Untersuchung eines Fanges im Schleppnetz.