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Sortieren des Ganges.
heran, in der biologischen Meeresforschung ein internationales Zusammenwirken anzubahnen. Er fand den praktischen Ausdruck in der im Jahre 1900 erfolgten Konferenz in Christiania und in der Schaffung eines Zentralinstituts in Kopenhagen. Seitdem herrscht in der Nord- und Ostsee ein überaus reges Forscherleben. Alle an diesen Meeren liegende Staaten entsenden Forscher, die nach einem einheitlichen Plan die für die Fischerei wichtigen Lebensfragen zu lösen bestrebt sind.
Einen interessanten Einblick in diese Arbeiten gewähren uns unter anderem die Berichte der Englischen Gesellschaft für Meeresbiologie. England hatte schon früher eine zoologische Station in Plymouth gegründet; um nun die
Erforschung der Nordsee besser öurchzuführen, rief es an seiner Ostküste in Lowesroft eine besondere Station ins Leben. Ferner wurde der Fischereidampfer „Hurley" erworben und für wissenschaftliche Untersuchungen passend ausgerüstet. '
Seit Jahren kreuzt er in der Nordsee, und das Fischen ist eine seiner wichtigsten Aufgaben. Zu diesem Zwecke ist der Dampfer mit Netzen aller Art ausgerüstet, mit Schleppnetzen sowohl, die das Getier auf dem Meeresgrund fangen, wie auch mit Schließnetzen, die sich selbsttätig in bestimmter Tiefe öffnen und wieder schließen, so daß nur Tiere und Pflanzen aus dieser bestimmten, im voraus bezeichnten Tiefe in den Fangbeutel gelangen. Mit Spannung entleeren die Forscher die Netze, und freudige Aufregung bemächtigt sich aller, wenn ein besonders interessanter Fang gemacht wurde. Aber für den Zoologen, der die Naturgeschichte der Meeresbewohner ergänzen soll, ist alles, was das Netz herausbefördert hat, von Bedeutung. Da wird nichts als wertlos über Bord geworfen Man geht so weit, daß man den Inhalt des Netzes durch Siebe mit
verschieden großen Maschen schüttet. So wird schließlich das kleinste Geschöpf gefunden, geprüft, genressen und notiert oder auch, wenn wichtig genug, aufbewahrt.
Besondere Aufmerksamkeit wird natürlich den Nutzfischen geschenkt. Mit großer Sorgfalt studiert man namentlich die Lebensgewohnheiten der Flachfische. Diese eigenartigen Geschöpfe mit abgeplattetem Körper und so verdrehtem Kopf, daß die beiden Augen auf einer, bald der rechten, bald
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der linken Seite liegen, spielen in dem Haushalt des Menschen eine sehr wichtige Rolle. Die verschiedenen Schollenarten, wie die Maischolle und der Flunder, dann die Zungenscholle und der Steinbutt, sind wegen ihres Wohlgeschmacks sehr beliebt. Ihr Fleisch besitzt auch die Eigenschaft, daß es sich länger als das anderer Seefische hält, so das; chr Versand sich leichter gestaltet. Die Schollenfischerei ist darum auch vom volkswirtschaftlichen Standpunkt wichtig, vor allem für England, ivo diese Fischart sehr verlangt wird; werden doch in London allein jährlich Schollen im Wert von zehn Millionen Mark verbraucht. Auf den ersten Blick scheinen diese Fische recht träge Bewohner des Meeresgrundes zu sein, auf dein sie im Sande und Schlamm verborgen Hausen; in Wirklichkeit sind sie aber sehr wanderlustig. Die Fischer nässen das aus Erfahrung: zu bestimmten Zeiten erscheinen die Schollen an gewissen Küstenplätzen, um nach einiger Zeit wieder in den Tiefen des Meeres zu verschwinden.
Die Schollen, die auf den Kreuzfahrten des „Hurley" gefangen werden, müssen sich eine umständliche Behandlung gefallen lassen. Zunächst wird ihre Länge genau gemessen, dann wird jedes Stück sorgfältig gewogen. Zuletzt erhält der Fisch eine Marke, die ihn kenntlich machen soll. Die Ncarkierungsmethode ist sehr einfach. Man legt auf die obere Seite des Fisches ein mit einer
Nummer versehenes durchlöchertes Messingplättchen und auf die entsprechende Stelle der unteren Seite einen beinernen Knopf. Nun werden Messingmarke und Knopf aufeinander fest verbunden, indem man einen Silberdraht durch die Öffnungen und den Körper
Wägen des gefangenen Fisches.
Flasche zur Erforschung der Strömungen am Meeresgrund,
des Fisches sticht. So sitzt das Zeichen fest, und der Fisch kann es nicht verlieren, so lange er lebt. Nun wird auf einer Karte, die die Nummer der Marke trägt, das Signalement des Fisches eingetragen. Zunächst die Bezeichnung der Art, dann die Art der Befestigung der Marke, ferner der Zustand, in dem sich der Fisch befand, ob er gesund oder krank war; dazu kommen die Angaben seiner Länge, seines Gewichts und seines Geschlechts, und schließlich nach Breite- und Längegraden die genaue Bestimmung des Ortes, an dein er gefangen, und der Stelle, an der man ihn nach diesem Verfahren wieder in Freiheit setzte. Die Seefischer sind über den Zweck dieser Untersuchung belehrt, und man hat jeden:, der euren gefangenen markierten Fisch an das Institut schickt, eine Belohnung zugesichert. So langen jetzt fast täglich mit der Post Sendungen mit markierten Fischen oder wenigstens die abgenommenen Marken mit den nötigen Angaben in Lowestoft an. Hier werden die Fische wieder gemessen