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und gewogen, und man trügt das Datum des Wiedereinfangens, den Namen des Finders und den Ort, an dem der Fisch wieder ins Garn oder an die Angel geriet, auf die Karte ein.
Ähnlich verfährt man auch mit anderen Nutzfischen.
Im Laufe der letztenJahre sind viele Tausende von Fischen,
Markieren einer Scholle.
namentlich Schollen, in dieser Weise markiert worden. Mehr als Zehn v. H. dieser Fische wurden wiedergefangen und an das Institut abgeliefert. Auf diese Weise konnte man bessere Einblicke nicht nur in das Wachstum, sondern auch in die Wanderungen der Flachfische erhalten. So wurde z. B. festgestellt, daß die Schollen im Dezember und Januar von ihren Standorten eine Wanderung in südlicher und westlicher Richtung unternehmen und dabei recht bedeutende Strecken von 100 bis 160 Seemeilen in sechs Wochen bis Zwei Monaten zurücklegten, eine Leistung, die man so ohne weiteres den scheinbar unbeholfenen Geschöpfen nicht zugetraut hätte. Zu ähnlichen Ergebnissen haben die Fahrten der „Deutschen wissenschaftlichen Kommission" mit dem Forscherschiffe „Poseidon" geführt. Die Markierung der Schollen erfolgt hier mit Hartgummiknöpfen nach Art der Mechanik-Hosenknöpfe. Von den markierten Schollen wurden 5,3 v. H. wieder gefangen; einige hatten in 137 Tagen einen Weg bis zu 190 Seemeilen zurückgelegt.
Mit besonderen Schwierigkeiten ist die Bestimmung des Alters der Fische verknüpft. Nach der Länge des Fisches läßt es sich nicht feststellen, denn der Fisch wächst schneller oder langsamer, je nachdem er sich in günstigen oder ungünstigen Lebensbedingungen befindet. So konnte man früher fein Alter nur in: allgemeinen schätzen. Schon vor Jahren machten verschiedene Forscher darauf aufmerksam, daß die Schuppen der Karpfen Felder und Streifen aufweisen, die ähnlich wachsen wie die Jahresringe in den Bäumen. Der einsömmerige Karpfen zeigt in seiner Schuppe keine Ringbildung, der zweisömmerige hat bereits zwei Ringe, der dreisömmerige drei, der vierjährige vier usw. Diese Bilduu /
gen treten an den Schuppen nicht immer deutlich ^
hervor, ein . - -
geübterFach- ^ . -
mann > kann sie aber wohl
erkennen. Ähn- ' '
liche Jahresringbildung wurde auch bei den Schollen entdeckt und durch den „Ausschuß zur wissensch aftlich en Untersuchung deutscher Meere im Interesse der Fischerei" genauer geprüft.
Im
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unteren Teil des Gehörorgans der Schollen befinden sich kleine aus kohlen- faurem Kalk gebildete Körperchen, die man Oto- lithen oder Gehörsteinchen nennt. Betrachtet man sie bei auffallendem Licht auf einem schwarzen Hintergründe, so zeigen sie eine regelmäßige Schichtung; man sieht abwechselnd weiße Ringe, die aus einem durchscheinenden Stoff gebildet sind. Man hat viele Tausende solcher
Scholle
mit
Erkennungs
marke.
Gehörsteinchen untersucht und ermittelt, daß bei den Schollen in jedem Jahr ein dunkeler und ein weißer Ring angelegt werden. Wir haben es hier also mit regelrechten Jahresringen zu tun, aus denen man das Alter des Fisches bestimmen kann. Unsere Abbildung auf der folgenden Seite zeigt diese Gebör- steinchen von zwei- bis vierjährigen Schollen in vergrößerter Gestalt. Durch diese Untersuchungen wurde nun festgestellt, daß die Schollen kein hohes Alter erreichen; die ältesten der an deutschen Küsten untersuchten Exemplare waren nur neun Jahre alt! Allem Anschein nach ist der Grund dazu nicht in der Kurzlebigkeit dieser Fischart zu suchen, sondern in der Tatsache, daß große Schollen den Fanggeräten nicht so leicht entgehen können. Dabei ist aber wohl zu beachten, daß in den untersuchten Gebieten der Schollenfang durchaus nicht übermäßig betrieben wurde.
Für die Meeresbiologie im Dienste der Fischerei ist die Ernährungs- frage der Nutzfische von höchster Bedeutung, denn wie jedes Tier folgt auch der Fisch der Nahrung und erscheint nur dort in Mengen, wo ihm Mittel zum Lebensunterhalt reichlich geboten werden. Es
werden darum Tausende der gefangenen Fische geöffnet, und
man untersucht
genau den Inhalt ihres Berdauungskanals, um die Tiere und Pflanzen zu ermitteln, die ihre ständige Nahrung bilden. Da ist für die eine Art der Nutzfische die Flora und Fauna von Belang, die auf dem Grunde des Meeres sich entwickelt, während für andere wieder Tiere als Beute in Betracht kommen, die frei im Meer bis an seine Oberfläche hinauf umherschwimmen. In dem unermeßlichen Haushalt des Meeres ist nun wunderbarerweise das Kleinste von höchster Bedeutung. Winzige Lebewesen, die wir leicht übersehen und kaum mit dem Auge zu erkennen ^ vermögen, ja noch kleinere Ge
schöpfe sind die Grundlage, auf der sich die großen , N , „ ' , Schöpfungen aufbauen.
Wichtig werden sie durch -N ihre Menge; in un- ^ gezählten Myriaden ^ treiben sie mit den Wogen und Strömungen, und darum hat man sie unter dem Namen Plankton zusammengefaßt, was so viel wie das Hin- und Hergetriebene bedeutet. Von diesem Plankton nähren sich die kleineren Fische, die dann wieder den größeren zum Lebensunterhalt dienen. Nicht überall ist das Plankton im Meere in gleicher Reichhaltigkeit vertreten. Es gleicht in dieser
WM
Messen des wiedergefangenen Fisches.