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Wer aber unter kundiger Führung durch diese stillen Wälder wandeln darf, der sieht und erfährt noch weit mehr. Der streift an Schluchten vorüber, wo Prinzenräuber einst ihre lebendige Beute wahrten, der schaut in das Christusloch, aus dem der Sage nach an jedem Weihnachtsabend das Christkind all den lieben, bunten Tand holt, deutsche Kinderherzen zu erfreuen. An versteinerten Baumstämmen ziehen wir vorüber; verschlafene Mummelteiche winken schwermütig, und dann sitzt man wieder nieder und lauscht den geheimnisvollen Stimmen des Waldes, dem Ziehen und Weben, dem Flüstern über uns, um uns, bald in den Lüften, dann wieder rings im blühenden Moos. Das erst ist echte Kyffhäuserpoesie! Denn zu keiner Stunde geht das Bewußtsein uns verloren, daß wir weilen und wandern, wo des deutschen Volkes Sehnen durch Jahrhunderte alles das verdichtete, was es verlangend erfüllte, was so überaus herrlich sollte am Ende doch sieghaft aus dem Dunst und der Enge heraufsteigen. — —
Die deutsche Kaisersage hat nicht nur eine geschichtliche, sondern auch eine mythische Bedeutung. Bon dieser bis zu der verzauberten Reckengestalt Kaiser Rotbarts ist ein langer, langer Weg, ehe uns Rückert in seinen schlichten Versen jenes Lied singen konnte, dessen Inhalt still und gläubig in Millionen Herzen lebte.
Der im Berg sitzende Herrscher war einst eine Gestalt, die sich aus dem rotbärtigen Wettergott Donar und und dem Lichtgott Wotan zusammensetzte, in deren Begleitung die beiden Raben Hugime und und Mumme sich befanden. Das Christentum hatte sie aus dem Himmelsitz vertrieben, und des Volkes heimliche Sehnsucht gab ihnen nun verborgenen Aufenthalt im Berginnern.
Die schöne Prinzessin, die in den Kyffhäusersageneine so wichtige Rolle spielt, war damals die Frau Holle, die Segenspendende an den Brunnen und Spindeln. Darum auch wandelt des Kaisers Töchterlein so oft den armen Leuten Wasser in Wein, Flachsknoten in Gold um. Aus dieser Verschmelzung von Wotan und Donar entstand dann der nie zu entscheidende Streit um des Kaisers Bart. So viel hier von der mythischen Deutung der Kaisersage. Die geschichtliche Bedeutung greift ebenfalls
weit zurück bis zur Sage vom Antichrist. Nach dem letzten römischen Kaiser würde der Böse kommen, dann aber von Christus vertrieben werden. Späterhin nahm man statt Rom Byzanz an, das auch der Ursprung unserer Sage geworden ist. Der letzte Herrscher würde alle Ungläubigen besiegen, sich die Krone von Golgatha aufsetzen und sein Reich Gott zurückgeben. Christus werde erscheinen, und das Weltende sei gekommen. Schriftlich ist diese wundersame Sage im 9. Jahrhundert als eine Prophezeiung abgefaßt worden, als deren Urheber man den 312 als Märtyrer gestorbenen Bischof Methodius von Patara in Lycien bezeichnet.
Mit dein Fortgang der Geschichte nahm auch die Gestalt des Herrschers immer wieder einen anderen Namen an. So haftete sich der Glaube an Karl den Großen und übertrug sich weiter auf dessen Nachfolger. Jeder dieser Frankenkaiser würde das Gelobte Land unterjochen, dann aber seinen siegreichen Schild an einen dürren Baum hängen, dessen Äste nun wieder frisches
Leben treiben würden. Und so, sich immer wieder den Ereignissen geschickt anbequemend, pflanzte sich die seltsame Sage fort, in ihrem Kern eines deutschen Volkes tiefe Sehnsucht verkörpernd. Und endlich haftete sie für Jahrhunderte an der
leuchtendsten Erscheinung, welche die Reihe deutscher Kaiser weit überstrahlt, an Kaiser Friedrich II., dem genialen Hohenstaufen. Mit seinen Taten hatte er die Welt erfüllt, durch seinen ungestillten Haß gegen Rom alle Herzen des armen Volkes im Sturm gewonnen, nun kam sein geheimnisvoller und plötzlicher Tod. Und ob er auch später, nach Aufhebung des Bannes, feierlich im Dom zu Palermo beigesetzt wurde — das Volk wußte es doch besser. Von Mund zu Mund lief das Gerücht, daß er nicht gestorben, daß er sich nur verborgen halte, um eines Tags wieder hervorzutreten und alle seine Feinde niederzuschmettern und sein seufzendes Volk zu erlösen.
Diesen tief eingewurzelten Volksglauben auszunutzen, sind dann im Lauf späterer Jahrhunderte viele Betrüger aufgetaucht, sich für den echten Friedrich auszugeben. Zuerst in Italien, dann auch in Deutschland. Viele Anhänger fanden sie, wenn auch schließlich ihre Widersacher sie entlarvten und zum Tode führten. Lieder, Flugblätter und Chroniken wissen begeistert
von diesen ersehnten Kaisern zu erzählen. Und je mehr das Lotterleben der Klöster das Volk reizte, die Macht Roms sich erdrückend erwies, um so heißer ward der schöne Glaube an einen erlösenden Kaiser weiter im Volk gegeben.
Bereits im Jahr 1426 erzählt eine Chronik, daß der Kaiser
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Gastzimmer des deutschen Kriegerbundes.
Ruine der Kapelle.