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im Thüringer Land sich verborgen halte, in der Burg Kpff- hausen. Daß das deutsche Volk seine Lieblingsgestalt hierher versetzte, erscheint darum um so begreiflicher, da Sachsen und Thüringen von jeher der Kirche Roms ein Stachel im Auge waren. Die harten Nacken wollten sich nicht tief genug beugen. Und so mehren sich noch weiter die Nachrichten von der Verzauberung des Kaisers im Kpffhäuser. Noch in den Tagen vr. Martin Luthers war es Friedrich der Zweite, der still auf den Augenblick harrte, wo er sein Reich wieder erlösen könnte. Ein in Landshut 1519 erschienenes Büchlein führt dann zum erstenmal Friedrich I. an, den Kaiser Rotbart. Als es 1536 zu Straßburg neu aufgelegt wird, da schreibt der Verfasser, der Stadtarzt Johann Adolphus in Straßburg, auf das Titelblatt: „Eine wahrhaffte history von dem Kapser Fridrich, der erst seines namens, mit einem langen, rotten Bart, den die Walhen nenten Barbarossa." Noch aber sind beide Kaisergestalten nicht ganz verschmolzen. Noch mischten sich Taten und Lebensereignisse beider Herrscher in die Sage. Vollständig erst tritt der alte Rotbart in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in den Vordergrund. Und nun wächst das Bild des rotbärtigen Helden immer tiefer in des Volkes Bewußtsein ein. In lieblichen Sagen, die den Berg und seine
wild umbuschten Ruinen umspielen, lebt des Volkes Wunderbedürfnis wieder auf. Und je enger Reaktion und Uneinigkeit das freie Empfinden einschnüren, je schmachvoller Deutschlands Niederstand sich fühlbar macht, um so heißer schweifen die Blicke nach dem Sagenberg droben an der Güldenen Aue.
Deutsche Männer fanden sich immer wieder im Schatten der Ruinen, sich stark für die Zeit zu machen, wenn von Stadt zu Stadt der Trommelwirbel ruft, zum Kampf, zum Sieg! Und diese Zeit blieb nicht aus. Von Schlacht zu Schlacht, von Sieg zu Sieg ging es mit wehenden Fahnen über des Grenznachbars blühende Gefilde, bis im Spiegelsaal zu Versailles der uralte deutsche Traum erfüllet ward. Barbarossa war erlöst. Deutschland hatte einen Kaiser wieder!
„Nun wirf hinweg den Witwenschleier!
Nun gürte dich zur Hochzeitsfeier,
O Deutschland, hohe Siegerin!"
So ist denn der Kpffhäuser im Herzen der Deutschen ein Heiligtum geworden, zu dem man heute wallfahrtet, verklungener Tage zu gedenken, da noch das große Sehnen an aller Herzen riß, freudig in die Zukunft zu schauen, im stillen Gelöbnis, für des Vaterlandes Ehre und Glück zu jeder Stunde mit Leib und Seele einzustehen.
Robert Schumann.
Zum Gedächtnis seines 50. Todestages.
m Anfang der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts erschienen in Leipziger Zeitschriften seltsame Artikel: eine Besprechung Chopinscher Klaviervariationen, Berichte von Konzerten Klara Wiecks, vom Leipziger Musikleben. So war nie über Musik geschrieben worden. Diese klingende Sprache schien selbst Musik, und diese kühne Phantastik der Darstellung, die einen Zug lebendig erschauter Persönlichkeiten, der „Davidsbünbler", am Leser vorüberführte und sie über die flüssigste und ungreifbarste aller Künste mit poetisch geschärften Sinnen weitausgreifend und tiefeindringend sprechen ließ, hatte ihresgleichen noch nicht gehabt. Die Musiker, die mehr waren als Handwerker, horchten hoch auf. Das war einer, der Zukunft in sich trug! Robert Schumann sollte er heißen, und ganz eigentümliche Klavierstücke sollte er geschrieben haben, musikalisch verschleierte Gedichte und Novellen, Klavierstücke, gerade so unerhört wie seine schriftstellerischen Phantasien über Musik.
Ja, es war Robert Schumann, der so selbständig in den Alltagsbetrieb der deutschen Musik eingriff. Er fuhr fort, von dichterischem Geist geschwellte Stücke zu komponieren und mit Wortmusik erfüllte Aufsätze zu schreiben, er trat gar 1834 an die Spitze einer Musikzeitschrift, deren Stimme wie ein Weckruf durch Deutschland klang und alles, was Jugend, Talent und feuriges Blut hatte, aufrüttelte, anzugreifen, daß „die Poesie der Kunst wieder zu Ehren komme".
Nur wer diese Doppelbegabung Schumanns ins Auge faßt, wird ihn ganz verstehend lieben können. Sein musikalisch schöpferisches Genie befähigte ihn, Kunstwerke anderer Meister bis auf den Grund zu durchschauen und mit höchster Intensität nachzufühlen, aber erst der Poet in ihm gewann die Kraft, auch auszusprechen, was sein Kunstverstand erfaßt, was sein Herz gefühlt hatte. Anfangs konnte es zweifelhaft sein, welches Talent in ihm stärker war: das dichterische oder das musikalische. Seine literarischen Rügungen fanden in dem geistig angeregten Elternhaus, in der väterlichen Buchhandlung reiche Nahrung, und früh schon begann er sich in poetischen Arbeiten zu versuchen. Die romantischen Dichter hatten es ihm angetan, vor allem Jean Paul, unter dessen Bann er zeitlebens geblieben ist. Liest man seine Jugendbriefe in ihrem tränenfeuchten Überschwang, so kann man meinen, eine Seite Jean Paul aufgeschlagen zu haben; aber hübsch ist es zu sehen, wie der junge Student der Rechte unter dem Ein
druck der großen Natur Heidelbergs auch seine eigene Natur und Natürlichkeit findet, wie jene kränkliche Empfindelei von ihm abfällt und ein starkes, gesundes, poetisches Gefühl hervorbricht. Dies durchzieht dann späterhin seine gesamte schriftstellerische Tätigkeit, Jean Paul und E. T. A. Hoffmann hörten nicht auf, ihn zu beeinflussen, aber ihre Einwirkung stört nicht mehr die Selbständigkeit seiner literarischen Produktion, sondern bereichert sie und hebt seine Eigenart. Wie Jean Paulisch und Hoffmannisch ist die Fiktion der „Davids- bündler" und wie ganz Schumannisch doch wieder! Dieser Davidsbund, der so geheim war, daß er nur in Schumanns Kopf bestand, und der die Aufgabe hatte, die Philister totzuschlagen, musikalische und andere, zieht sich durch die ersten Bände der neuen Zeitschrift für Musik und gibt ihnen, die besondere Tönung und Farbe. Um verschiedene Ansichten der Kunstanschauung zur Aussprache zu bringen, hatte Schumann verschiedene Künstlercharaktere erfunden, denen jene Aussprachen in den Mund gelegt wurden: den stürmisch feurigen Florestan, den sinnigen Eusebius, zwischen denen vermittelnd Meister Raro, der Reife, Überlegene, stand, und andere noch. Was sind sie anders als Projektionen des eigenen, schwankenden Innern? Mit unerschöpflichem Geist, mit drängender Gedankenfülle, immer neu und überraschend im Ausdruck und in der Erfindung von Szenerien, in die die musikalischen Erscheinungen hineingestellt werden, so läßt er nun die Geschöpfe seiner phantastischen Laune reden und handeln und verleiht hierdurch seinen Aufsätzen einen unbeschreiblichen, nie zuvor gekannten Reiz.
Konnte nur eine mit Musik völlig gesättigte Dichterphantasie so über Musik schreiben, so war andererseits nur ein Komponist, in dem ein ganzer Poet stak, fähig, Klavierstücke zu erfinden wie die, mit denen Schumann gleich zu Anfang hervortrat. Da schimmert überall ein dichterischer Grund durch, spielen überall geheimnisvolle Beziehungen hinein. In Heidelberg . hatte er ein schönes Mädchen, Meta Abegg, kennengelernt; a—d—e— —lauter Buchstaben, die Notenbedeutung hatten, also formte er ein Thema daraus und schrieb Variationen darüber, die er einer imaginären „Komtesse" Abegg widmete. In den „Papillons" ist der Maskenball aus Jean Pauls „Flegeljahren" musikalisch umgedichtet; und freier noch und feiner gestaltet tritt uns dies Maskengewimmel im „Karneval"