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entgegen, der mit einem Marsch (im Dreivierteltakt!) der Davidsbündler gegen die Philister schließt, und in dem wiederum ein Spiel mit einem Namen getrieben wird: Asch hieß das Städtchen, in dem Ernestine von Fricken, seine Jugendliebe, zu Hause war, und die Notenreihe a—es — o b oder as — e—1: liegt fast sämtlichen Stücken zugrunde. Die „ Kreis leriana" erinnern uns an Hoffmanns phantastischen Kapellmeister, die „Davidsbündlertänze" an ernste und lustige Abende jener Genossenschaft, die mit Schumann zusammen die Musikzeitung gründete, in der „Humoreske" finden wir die jäh wechselnden Stimmungen romantischer Dichtungen wieder, und aus den „Novelletten" schauen uns abermals Jean Panische Gestalten träumerisch an.
Nichts Interessanteres, als den Klavierstil Chopins und Schumanns zu vergleichen, die zu gleicher Zeit aufwuchsen, die beide dem Klavier ungeahnte Klänge entlockten, und die doch so völlig verschieden sind. Chopin ging von Mozart und Hummel aus, eine virtuosische Ader ist in ihm, aber er sublimiert die Virtuosität zu höchster Feinheit, und er schafft in seinen besten Schöpfungen Werke von intimster Poesie, öfter nur musikalische Aphorismen, Stücke, die sich ausnehmen wie ein abgebrochener Blütenzweig, wie ein Rosenblatt. Schumann basiert auf Beethoven. Er ist von vornherein mehr Ausdruckskünstler, äußeren Glanz verschmäht er, aber aus der breiten Wucht seines Klaviersatzes bricht oft ein seltsames Leuchten hervor; weite Lagen, Vollstimmigkeit, ein gedankenschweres tiefsinniges Wesen.
Eigentümlich genug hatte Schumann bis zum Jahr 1840 alles, was ihn musikalisch bewegte, dem Klavier anvertraut. Dann wird ihm plötzlich der Liedermund geöffnet, und in gleicher Fülle, wie er vordem Klavierdichtungen schuf, entströmen seiner Phantasie jetzt Lieder, weit über hundert in einem Jahr. Die Liebe! Klara Wieck, die Tochter seines Lehrers, eine herrliche Künstlerin auf dem Klavier und ein herrliches Menschenwesen, war ihm tief ins Herz gewachsen und liebte ihn wieder, aber in hartnäckigem Kampf gegen den Willen des Vaters mußte diese Liebe beschützt und zur Ehe geführt werden. Und mitten in Streit und Widerwärtigkeiten blühen die schönsten Lieder auf, ohnegleichen in der deutschen Musik und würdig, neben denen Schuberts zu bestehen. Hat jener die größere Naturkraft und Ursprünglichkeit, vermag er
noch gewaltiger Stimmungen einheitlich zusammenzufassen, so ist Schumann geistiger, um nicht zu sagen geistreicher,
, gräbt sich tiefer in Details ein und wirft oft überraschende, bunte Lichter in die Dichtung. Die „Myrten", der „Liebesfrühling", „Dichterliebe", „Frauen Lieb' und Leben" - ich brauche sie nur zu nennen, um die Schätze anzudeuten, die wir ihm verdanken; und wie das schlicht Volkstümliche und das dichterisch Zarteste ihn: so gut gelingt wie der Ausdruck des grimmigsten Humors, mögen sein „Sonnenschein" und die „Mondnacht" bezeugen und Heines „Ein Jüngling liebt' ein Mädchen".
Und dann griff Schumann die großen Formen an, mit denen er schon in den Klaviersonaten und der Phantasie bedeutsam begonnen: seine Ouartette, die Symphonien in ö-äur und I)-mo1I entstehen, auch das große Vokalstück zieht ihn an: „Der
Rose Pilgerfahrt", „Paradies und Peri", und selbst eine Oper, „Genoveva", wird geschaffen. Aber schon geht es bergab. Einer, der Schumann nicht verstand, hat das schlechte Wort geprägt, er habe sich vom Genie zum Talent entwickelt. Nein, er war ein Genie und ist ein Genie geblieben, aber das grausame Geschick hat ihm die Waffen aus der Hand geschlagen, gerade da er sie recht zu gebrauchen gelernt hatte: ein schleichendes Leiden
zehrte sein Gehirn auf. Unermüdlich bleibt sein Arbeitsdrang, doch wenn auch auf Perioden tiefster Depression ein Aufflammen der Kraft folgte, der Weg war vorgezeichnet, und an: 27. Februar 1854 sprang er, geistig umnachtet, in Düsseldorf von der Rheinbrücke in den Strom. Man zog ihn heraus und brachte ihn in eine Anstalt bei Bonn, wo er wie in einem Halbleben hindämmerte und am 29. Juli 1856 verschied.
Brahms und Joachim schritten dem Sarg voran; in der Kapelle neben dem Grab schluchzte Klara, als er hinabgesenkt wurde, und hatte doch das klare Gefühl, „daß nicht er es war, sondern nur sein Körper", wie sie in ihr Tagebuch schreibt. Wahrlich, nur sein Körper war es, den die Erde deckte, und der zu Erde wurde. Denn als in diesem Jahr, da man in Bonn die fünfzigste Wiederkehr von Schumanns Todesjahr feierlich beging, Joachim an den grünen Hügel trat und ernste, warme Worte sprach, da galten sie dem Lebenden, nicht dein Toten, dem Geist, der in seinen Werken unter uns weilt und durch sie uns erhebt und entzückt und begeistert. tzart Krebs.
Georg Bangs Liebe.
(16. Fortsetzung.) Roman von Aarl Rosner.
nd den Lehrjahren im Leben Georg Bangs folgten die Wanderjahre.
Das waren sieben, und sie führten ihn nach seinem Aufenthalt in Breslau weiter nach Stuttgart und nach München. Aber, was immer auch in diesen langen Jahren, bunt wechselnd wie die Städtebilder, als Äußeres vorüberfloß an seinem Leben, sein bestes Wesen, das gefestigt und geklärt im Innern war, blieb feiner Bahn und seinen Zielen treu.
lind nur ein einziges Mal ward dieser Dienst in seinen Wanderjahren unterbrochen. Nur einmal in der langen Zeit
trank sich die Sehnsucht Georgs satt: Nach seinem Abschied aus der Oderstadt kam er, die Mutter und die Sephi, die Heimat und die Stätten seiner Jugend wiederzusehen, nach Wien.
Nur zehn Tage waren es, die zwischen seinen: Austritt aus der einen Stellung und seinen: Eintritt in das andere größere Stuttgarter Haus lagen — sie aber galten jenem Plan, der in ihn: war, seit er selbständig geworden, zu dessen Ausführung er durch viele Monate gespart hatte, und der ihn: wie eine Station an: Weg zu seinen: Ziel erschien. Niemand zu Hause wußte von den: Vorhaben. Ganz unerwartet wollt